Gründe sind vor allem strengere Auflagen

Zahl der Schweinezüchter in Waldeck-Frankenberg deutlich gesunken

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Schweine aus dem Stall von Heinrich Hecker aus Bockendorf.

Waldeck-Frankenberg. In Hessen gibt es immer weniger Schweinezüchter: „Die Zahl der Zuchtsauenhalter ist von 1450 Betrieben im Jahr 2010 auf 772 Betriebe 2016 gesunken – und damit um 47 Prozent“, sagte der Hessische Bauernpräsident Karsten Schmal (Sachsenhausen). Es hat also fast jeder Zweite die Schweinezucht aufgegeben.

Die Zahl der Mastschweinehalter ist nach Auskunft Schmals im gleichen Zeitraum von 5300 Betrieben auf 3200 gesunken. Ein Minus von 40 Prozent. Dementsprechend sei die Zahl der Zuchtsauen um 29 Prozent, die der Mastschweine um 15 Prozent zurückgegangen. Auch in Waldeck-Frankenberg nimmt die Zahl der Zuchtsauen ab: „Allein im vergangenen Jahr haben wir zwischen 600 und 1000 Sauen verloren“, sagt Stefanie Wetekam, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Waldeck. „Das ist echt enorm.“ Auch davor seien die Zahlen bereits „massiv“ zurückgegangen.

Als Hauptgrund für den Rückgang in der Schweinehaltung nannte Schmal „immer wieder neue kostentreibende Regelungen“. Besonders verunsichert seien die Tierhalter wegen des geplanten Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration, das, wie berichtet, am 1. Januar nächsten Jahres in Kraft treten soll (siehe Hintergrund unten). Die Initiative mehrerer Bundesländer, einen Aufschub zu erreichen, wurde gestern von der Länderkammer abgelehnt.

Auch das Urteil zur Kastenstandsbreite sorge für Diskussionen, sagt Stefanie Wetekam. „Nach Einschätzung der Branche müssten bei der Umsetzung des Urteils in Hessen mehr als 8000 Sauen geschlachtet und über 100 landwirtschaftliche Betriebe aufgeben“, heißt es dazu in einem Positionspapier des Hessischen Bauernverbandes. Bei der Hälfte der Betriebe wären erhebliche Umbaumaßnahmen erforderlich, oder die Bestände müssten massiv reduziert werden.

Hintergrund: Ferkelkastration

Ab Januar 2019 dürfen Schweine nicht mehr ohne Betäubung mit dem Messer kastriert werden. Bislang ist das – in der Regel mit Schmerzmitteln – in der ersten Woche bei Ferkeln erlaubt. Erforderlich ist die Entfernung des Hodens wegen des Ebergeruchs und des unangemehmen Geschmacks, das das Fleisch unkastrierter Eber annehmen kann. 

Nach Auskunft des Kreis-Veterinäramtes gibt es drei Alternativen zur bisherigen Praxis: Die Kastration unter Betäubung, die Mast von unkastrierten Ebern mit der Folge, dass ein Teil des Fleisches ungenießbar ist, oder eine Impfung der Tiere, wodurch das für den Geruch verantwortliche Hormon unterdrückt wird. Jede der Lösungen habe Vor- und Nachteile, sagte Stefanie Wetekam vom Kreisbauernverband Waldeck. Es gehe um Kosten, Arbeitsaufwand, verfügbare Tierärzte, Schlachthöfe sowie das Tierwohl.

Quelle: HNA

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