Robert Kreis ließ beim Frankenberger Kulturring eine Zeitepoche auferstehen

Der Zauber der Zwanziger

Feiner Humor und geniale Körpersprache: Der Kölner Entertainer Robert Kreis begeisterte das Frankenberger Publikum am Freitagabend in der Ederberglandhalle. Foto:  Völker

Frankenberg. Börsenkrach von 1929, Gummikavalier am Badestrand, die Welt im Richard-Tauber-Fieber – wie ein Zeitzauberer holte am Freitagabend der Kabarettist Robert Kreis eine ganze Epoche deutscher Unterhaltungskultur zurück auf die Bühne der Ederberglandhalle. Der Sammler von mehr als 7000 Schellack-Platten hatte sein „frivoles Grammophon“ mitgebracht, plauderte charmant und begleitete sich selbst auf dem Flügel so virtuos, dass das Publikum vor Begeisterung jubelte.

Robert Kreis, 1949 in Java geboren und in Holland aufgewachsen, stellte sich beim Frankenberger Kulturring schnell auf die nüchterne Ederberglandhalle „mit ihrer wunderbaren Jugendstilarchitektur“ ein, wie er ironisch bemerkte, und verbreitete seine eigene, dichte Atmosphäre, eine Hommage an eine aufregende Ära der Kleinkunst mit großen Künstler-Persönlichkeiten der 1920er-Jahre.

Zungenflinke Witze

Er selbst bedauert sehr, „dass der Nationalsozialismus ein wunderbares Potential an Künstlern, Wissenschaftlern und genialen Menschen vernichtet hat. Dies hinterließ ein Vakuum, das bis heute schmerzlich zu spüren ist“. Und so widmet Robert Kreis den jüdischen Komponisten und Sängern einen ganzen Abschnitt seines Programms, erzählt zungenflink Witze mit feinem Humor, entlarvt verlogene Kleinbürgerlichkeit, entlockt auch dem oberflächlichsten Gassenhauer mit genialer Mimik und Körpersprache noch tiefere Wahrheiten.

Ob Couplets von Willy Rosen, das „Nachtgespenst“ von Friedrich Hollaender und Rudolph Nelson, Persiflagen auf Richard Taubers Falsetttenor oder eine Liebeserklärung an Berlin – das Programm des Künstlers über das sündige Leben der Goldenen Zwanziger lebte von der Dialektik seiner pointenreichen Direktheit und zugleich satirischen Distanz. So, wie er seine Texte mit mimischen Zwischenzeilen versah, versteckte er in die Übergänge am Flügel auch mal Schuberts „Forelle“ oder das damals so beliebte Salonstück „Gebet einer Jungfrau“.

Neben seinem Grammophon, das auf der Bühne eine ganze Epoche symbolisiert, hat Robert Kreis auch ein paar Zeitschriften aus den Zwanzigern mitgebracht mit so aufregenden Titeln wie „Der Junggeselle“ oder „Die ideale Ehe“. Seine Textproben handeln von Lebenslust und Alltagsfrust, Bankrotteuren und Scheinheiligen. Großartig, wie er mit seinem hageren Körper eine Modepuppe der damaligen Zeit als Elendsfigur zusammensinken lässt.

Am Ende vier Zugaben

Das Publikum des Kulturrings erlebte mit Robert Kreis einen Abend voll scheinbar schwereloser, aber sehr kluger Unterhaltungskunst, fühlte sich verzaubert, kicherte mit beim „Lach-Foxtrott“ und entlockte dem Kölner Entertainer mit stürmischem Beifall noch vier Zugaben.

Von Karl-Hermann Völker

Quelle: HNA

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