Zeit schenken ist wichtig:Weihnachten mit Kleinkindern

Nicht zu viel schenken: Das schlägt Erzieherin Irmgard Ratajczyk aus Wiesenfeld vor. Der Junge auf dem Symbolbild freut sich über einen Bagger. Foto: dpa

Frankenberger Land. „Zuviel Spielzeug bedeutet Reizüberflutung." Das sagt Erzieherin Irmgard Ratajczyk im HNA-Interview zum Thema Weihnachten mit Kleinkindern.

„Die Kinder schätzen die Dinge dann nicht mehr, das Konsumverhalten wird unterstützt“, erläutert die Leiterin des evangelischen Kindergartens Bottendorf.

Frau Ratajczyk, wie sollte man kleine Kinder auf Weihnachten vorbereiten? 

Irmgard Ratajczyk: Kinder im Vorschulalter nehmen die Advents- und Weihnachtszeit mit allen Sinnen wahr. Symbole und Traditionen haben eine große Bedeutung für sie, einen hohen Wiedererkennungswert und geben ihnen Sicherheit. Darum ist es wichtig, Kinder dem Alter entsprechend in die Vorbereitungen einzubeziehen, beim Plätzchenbacken, beim Schmücken der Räume und des Baumes. Adventskalender, Nikolaus, Advents- und Weihnachtsfeiern helfen beim Warten auf Weihnachten.

Für viele Eltern ist es ein Spagat, neben all den weihnachtlichen Vorbereitungen, Beruf und Haushalt Zeit für die Kinder zu haben? 

Irmgard Ratajczyk Foto: mab

Ratajczyk: Grundsätzlich gilt hier, wenn neben den Vorbereitungen nur Hektik und keine Zeit für Gemeinsamkeiten, Gemütlichkeit, Stille und Miteinander bleiben, dann verliert Weihnachten an Bedeutung, wird leer und der Kommerz rückt in den Mittelpunkt und nicht die Freude über das Weihnachtsgeschehen. Doch zehn Minuten am Tag reichen schon. Zum Beispiel gibt es Adventskalendergeschichten, wo jeden Tag bis Weihnachten eine Geschichte gelesen und ein Bildchen ausgeschnitten wird. Dazu eine Kerze anzünden, das sind für Kinder unvergessliche Erlebnisse, die sie dann auch ihren Kindern weitergeben. Zehn Minuten geschenkte Zeit sind mehr wert als die supertollste Weihnachtsausstattung.

Was sollte man Kindern schenken? 

Ratajczyk: Voraussetzung für das richtige Geschenk ist, dass ich gut hinschaue: Womit spielt das Kind am liebsten, was interessiert es, hat es einen Herzenswunsch? Kinder ab vier bis fünf Jahren können auch einen Wunschzettel malen. Wichtig sind Spielsachen, mit denen die Kinder etwas arbeiten können, die Raum für Phantasie und Kreativität lassen. Elektronische Spielsachen, wo sie nur einen Knopf drücken müssen, brauchen Kinder im Vorschulalter nicht. Sie werden schnell uninteressant. Doch letztendlich entscheidet der Erwachsene darüber, welches Geschenk das Kind bekommt.

Kinderzimmer sind oft übervoll mit Spielzeug. Wie beurteilen Sie diesen Trend? 

Ratajczyk: Es gilt: Weniger ist mehr. Zuviel bedeutet Reizüberflutung und die Kinder schätzen die Dinge nicht mehr, das Konsumverhalten wird unterstützt. Wenn alle Wünsche des Kindes gleich erfüllt werden, es nicht mal warten muss oder seinen Beitrag zum Erhalt leisten muss, verlieren die Geschenke ihre Wertschätzung, weil ja gleich das nächste kommt. Zuletzt bleibt eine Leere. Dies zieht sich dann durchs ganze Leben. Die Freude über kleine Dinge, geht verloren.

Von Martina Biedenbach 

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Quelle: HNA

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