Richtiges Verhalten nach Unfällen ist gesetzlich klar geregelt

Zettel an der Scheibe reicht nicht aus

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Beim Ausparken an den Wagen in der nächsten Reihe gefahren oder beim Öffnen die Beifahrertür gegen die Seite des daneben parkenden Autos geschlagen – solche Unfälle passieren täglich. Wer glaubt, ein Zettel mit der Telefonnummer an der Windschutzscheibe reiche aus, der irrt: Wer nach einer Wartezeit den Besitzer nicht antrifft, muss den Schaden bei der Polizei melden. Foto: Andrea Pauly

Frankenberg/Allendorf (Eder) - Es passiert täglich unzählige Male: beim Ein- und Ausparken, beim Öffnen der Autotür, in engen Straßen oder durch übermäßigen Alkoholgenuss – es knallt. Viele Autofahrer verlassen absichtlich oder im Schock den Ort des Geschehens und begehen Unfallflucht.

Was umgangssprachlich als Fahrerflucht oder Unfallflucht bezeichnet wird, heißt in offiziell „unerlaubtes Entfernen vom Unfallort“. Juristen kennen sich aber nicht nur mit der richtigen Bezeichnung aus, sondern auch mit dem richtigen Verhalten nach einem Unfall. Denn das legt der Gesetzgeber genau fest, wie Rechtsanwalt Olav Stalling vom Allendorfer Rechtsanwaltsbüro Dr. Tripp und Ludwig auf FZ-Nachfrage erläutert: Wer im Straßenverkehr einen Schaden an einem anderen Fahrzeug verursacht hat, muss den anderen Beteiligten die Feststellung seiner Personalien ermöglichen.

Ist der Eigentümer des beschädigten Fahrzeugs nicht vor Ort, muss der Verursacher eine angemessene Zeit lang auf ihn warten. Wie lang „angemessen“ ist, hängt von den Umständen des Einzelfalles ab, besonders aber von der Schwere des Unfalls, von Ort, Tageszeit, Verkehrsdichte und Witterung: An einem Samstagmittag auf dem Supermarkt-Parkplatz sind andere Wartezeiten angemessen als bei minus zehn Grad tief in der Nacht in einer Wohnstraße. Trifft der Schuldige den Besitzer des beschädigten Autos nicht an und verlässt den Unfallort, muss er die Feststellung seiner Personalien unverzüglich bei der Polizei nachholen.

„Meldet man sich innerhalb der nächsten 24 Stunden bei der Polizei, kann das Gericht entscheiden, ob es von der Strafe absieht oder sie mildert“, sagt der Rechtsanwalt. „Das Mitteilen der Informationen nimmt der Gesetzgeber sehr, sehr ernst. Das wissen viele nicht“, berichtet Stalling. Dabei sei zu beachten, dass sich auch der Beifahrer bei einer Unfallflucht strafbar mache – beispielsweise, wenn er vorher den Fahrer abgelenkt hat, wenn er wusste, dass der Fahrer betrunken ist und ihn trotzdem hat fahren lassen oder wenn er ihn nach dem Unfall bestärkt hat, wegzufahren.

Von Sara Schelberger

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