Abverkauf mit Rabatten

Zimmek schließt nach 40 Jahren

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Bernd und Anita Zimmek haben 40 Jahre lang Musikanlagen und Fernseher verkauft und repariert. Nun schließen sie ihre Geschäft, das in einem Keller in Bottendorf seine Anfänge nahm, zum Ende des Jahres.Fotos: Patricia Kutsch

Burgwald-Bottendorf - Den Elektrohandel und Reparaturservice von Bernd und Anita Zimmek kennen viele Kunden über die Grenzen von Burgwald hinaus. Weil das Internet den Umsatz kaputt macht, schließt das Ehepaar nach 40 Jahren schweren Herzens den Laden in Bottendorf - sie finden keinen Nachfolger.

Die Elektronikbranche krankt wie so viele andere Branchen am Internethandel, das bekamen auch Bernd und Anita Zimmek in den vergangenen Jahren immer stärker zu spüren: „Es hat sich eine ‚Geiz ist Geil-Mentalität‘ entwickelt und wird immer stärker“, sagte Bernd Zimmek. Der 64-Jährige hat gemeinsam mit seiner Ehefrau Anita vor 40 Jahren den Elektrohandel und Reparaturservice Zimmek in Bottendorf gegründet und aufgebaut.

„Damals hat ein Röhrenfernseher mit Knöpfen und ohne Videotext 2000 DM gekostet. Die wurden natürlich zur Reparatur gegeben, wenn etwas kaputt ging“, erinnert sich der gelernte Radio- und Fernsehtechniker. Das sei heute immer seltener, denn die moderne Technik gehe seltener kaputt, als ein Röhrenfernseher - und wenn, dann kaufen die Kunden sich heutzutage lieber direkt einen neuen Fernseher. „Und dann natürlich über das Internet, weil sie vielleicht 100 Euro sparen können. Auf unseren Service legen viele Menschen heute keinen Wert mehr.“ Das entwickele sich vor allem bei den jüngeren Generationen, während ältere Menschen oftmals noch mehr Wert auf eine Beratung und gute Qualität legten. „Da habe ich schon ein bisschen Frust im Bauch“, sagt Zimmek. Die Händler leiden nicht daran, dass viele Menschen keinen Wert mehr auf Service und Qualität legten, sondern auch am „Beratungsklau“. Das bedeutet: Menschen kommen in die Geschäfte - egal ob kleiner Fachhandel oder großer Elektronikmarkt - und lassen sich dort fachmännisch beraten, testen die Geräte, aber kaufen nichts. „Die gehen dann nach Hause und bestellen über Internet, weil sie dort ein paar Euro sparen können. Ich weiß nicht, wie lange gerade kleinere Läden das noch mitmachen können.“

Zimmek berichtet, dass er früher eine Abteilung mit CDs und Schallplatten hatte. Die Kunden konnten in die Alben reinhören. „Das war sehr gut angenommen. Dort standen immer Leute und hatten Kopfhörer auf.“ Und fast jeder habe in den ersten Jahren auch seine Musik bei Zimmeks gekauft. Plötzlich hörten viele Kunden jedoch nur noch die Musik - und kauften dann im Internet. Die Abteilung mit CDs und Platten hat Zimmek dann vor einigen Jahren geschlossen.

„Wir hatten einen Nachfolger“, berichtet das Ehepaar, das den Laden vor 40 Jahren im Keller des eigenen Wohnhauses eröffnet hatte - mit drei Fernsehern in der Werkstatt und ein paar Musikanlagen. Einer der vier Angestellten wollte das Geschäft im nächsten Jahr übernehmen. „Er hat uns aber vor zwei Wochen mitgeteilt, dass er es sich nicht mehr vorstellen kann“, sagt Anita Zimmek. „Das können wir ihm nicht übel nehmen“, ergänzt ihr Mann.

„Der TV-Markt ist extrem rückläufig. Der Verkauf ließ nach der Umrüstung auf Digitalfernseh immer mehr nach und dümpelt seit einem Jahr nur noch so vor sich hin“, erklärt Bernd Zimmek. Die gesamte Branche leide an Umsatzeinbußen bis zu 30 Prozent. „Keiner weiß, ob sich das irgendwann wieder ändert. Denn einen solchen Einbruch hat die Branche noch nie gesehen.“

Statt nun, wie ursprünglich geplant, den Laden bis in den nächsten Sommer weiterzuführen, wollen Bernd und Anita Zimmek zum Ende des Jahres schließen. „Wir haben das entsprechende Alter erreicht. Und gesundheitsbedingt ist für uns jetzt der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören“, sagt Bernd Zimmek.

Leicht falle ihnen das nicht, ergänzt dessen Ehefrau. Schließlich haben sie gemeinsam das Geschäft gegründet, aufgebaut und durch Anbauten immer wieder erweitert. „Aber wenn wir keinen Nachfolger haben, dann müssen wir ohnehin schließen.“ Weil ihnen ein sauberer Abgang und das gute Verhältnis zu den Kunden wichtig ist, beginnen Zimmeks ab sofort mit einem Ausverkauf, bei dem es bis zu 50 Prozent Rabatt auf die elektronischen Geräte, Weihnachtsdekorationen und Zubehör gibt.

„Es hat mir immer Spaß gemacht, mich mit der Technik auseinanderzusetzen. Es war mein Traumberuf“, sagt Bernd Zimmek. Sechs Tage in der Woche habe das Paar zwölf Stunden täglich gearbeitet. „Das geht nur, wenn die Arbeit Spaß macht.“ Allein die Sonntage blieben dem Paar, um Ausflüge zu machen - mal nach Köln ging es dann oder nach Münster. „Vermisst haben wir das aber nicht. Wir planen jetzt auch keine Urlaube, sondern schauen mal, was kommt.“ Vor allem um die drei Enkel wollen die beiden sich nun stärker kümmern. „Bisher haben wir viel zu wenig von ihnen mitbekommen. Und wir versuchen, nicht mehr um fünf Uhr aufzustehen, sondern zwei Stunden länger zu schlafen“, ist sich das Ehepaar einig.

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