Aufführungen in Frankenberg und Battenberg 

Circus Atlantik: Akrobatin spricht über Tierhaltung und das Leben als Zirkusfamilie

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Janina und Sandro Köllner vom Circus Atlantik  mit Tigerpython Paula.

Frankenberg. Die 20-jährige Akrobatin Janina Köllner beantwortet Fragen rund um die Tierhaltung, den Besuchen mit einer Schlange in Kindergärten und das Leben in einer Zirkusfamilie.

Frau Köllner, welche Tiere werden in Ihren Vorführungen gezeigt?

Janina Köllner: Wir haben 50 Zirkustiere, darunter Kamele, Lamas, Schlangen und Hunde, aber keine weiteren wilden Tiere. Unsere Show wird auch von Artisten und Clowns gestaltet.

Wie werden die Tiere bei Ihnen gehalten?

Köllner: Uns ist es selbst wichtig, dass alles in Ordnung ist und dass wir die strengen Auflagen erfüllen. Jede Woche, wenn wir eine neue Stadt bereisen, überprüft das örtliche Veterinäramt unseren Zirkus.

Welche Auflagen müssen Sie bei der Tierhaltung erfüllen?

Köllner: Die Kamele brauchen immer Äste und Blätter zur Beschäftigung. Alle Pferde haben Lecksteine, die Schlangen bekommen stets Wasser zum Baden, und die Terrarien für die Schlangen weisen eine entsprechende Luftfeuchtigkeit auf. Wenn wir zur nächsten Stadt reisen, schlagen wir zuerst das Stallzelt auf, sodass sich die Tiere schnell wieder bewegen können.

Sie sind mit der Schlange mit dem Namen Paula schon in Kindergärten hier im Landkreis gewesen. Ist das erlaubt?

Köllner: Das machen wir meistens so, um uns vorzustellen. Die Kinder und Erzieher sind dann oft begeistert. Wir fragen aber vorher bei der Leitung nach, ob wir hereinkommen dürfen.

Welche Aufgaben übernehmen Sie selbst in der Vorführung?

Köllner: Ich turne im Ringtrapez, das bis zu zwölf Meter hoch ist. Mein Bruder Sandro ist Handstand-Akrobat.

Wie sind Sie dazu gekommen?

Köllner: Wir sind im Zirkus geboren, wir haben immer in Wohnwagen gelebt und waren immer unterwegs. Wir haben jede Woche die Schule gewechselt, und ab der sechsten Klasse kamen Privatlehrer zu uns. Wir kennen nur das Zirkusleben, wir sind es so gewohnt.

Haben Sie Akrobatik von Ihren Eltern gelernt?

Köllner: Ich habe meine Eltern in der Manege gesehen und wusste, dass ich das auch will. Mit drei Jahren habe ich mit Bodenturnen angefangen und mir später auch vieles selbst beigebracht.

Ist Ihnen dabei schon einmal etwas passiert?

Köllner: Mir nicht, aber mein Bruder hat sich einmal am Handgelenk verletzt. Er hat trotzdem weitergemacht. Es gewisses Risiko gehört einfach dazu, aber ich arbeite trotzdem ohne Sicherung, weil ich mich durch das häufige Üben sehr sicher fühle.

„Der Circus geht nicht betteln“, steht auf Ihren Werbeflyern. Und Sie warnen vor „Trittbrettfahrern“.

Köllner: Ja. Wir gehen nicht von Haus zu Haus, sondern wir finanzieren uns über die Einnahmen aus den Vorführungen.

Das sagt der Landkreis

Ist es Zirkusleuten erlaubt, ihre Tiere in Kindergärten oder Schulen zu präsentieren, um Werbung zu machen? Wir fragten beim Landkreis Waldeck-Frankenberg nach. „Grundsätzlich dürfen Zirkusleute die Kindergärten oder auch Schulen besuchen, wenn die Erlaubnis zum Zurschaustellen gemäß Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes vorliegt“, sagt Kreissprecher Dr. Hartmut Wecker und fügt hinzu: „Es sollte wie bei allen anderen Kontakten mit Tieren auch darauf geachtet werden, dass die Kinder sich die Hände waschen, falls sie die Schlangen berührt haben sollten.“ 

Das Hausrecht hätten die Leiterinnen der Schulen oder Kindergärten. „Wenn diese das tolerieren, ist das in Ordnung“, sagt Wecker. Diese Auffassung vertrete neben dem Veterinäramt auch das Jugendamt. „Wichtig sind eben die Vorschriften des bereits erwähnten Paragrafen 11 des Tierschutzgesetzes, der die ,Nutzung’ von Tieren im weitesten Sinne definiert und regelt“, sagt der Kreissprecher.

Der Circus Atlantik gastiert vom 30. August bis 2. September in Frankenberg auf der Kleinen Wehrweide, danach vom 6. bis 9. September in Battenberg neben dem neuen Penny-Markt in der Biedenkopfer Straße: Vorstellungen sind in beiden Städten donnerstags, freitags (beides Familientag) und samstags ab 16 Uhr sowie sonntags ab 11 Uhr. Am Familientag zahlen Eltern Kinderpreise.

Quelle: HNA

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