Polizisten überwältigten Jugendliche in Mehrfamilienhaus und weiterer Wohnung

Junge Tankstellenräuber: 14-Jähriger nun in U-Haft

Maskiert und mit Schreckschusspistole: Das Foto zeigt zwei der jugendlichen Täter bei einem der beiden Überfälle auf die Esso-Tankstelle vergangene Woche in der Ysenburgstraße. Archivfoto: nh

Kassel/Frankenberg. Die Polizisten kamen in der Nacht, und der Überraschungseffekt funktionierte: Um 2.33 Uhr am Samstag stürmten Beamte des Spezialeinsatzkommandos aus Kassel und örtliche Polizisten die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus Am Hain in Frankenberg.

Ein 15- und ein 19-Jähriger, die im Verdacht stehen, als Teil einer jugendlichen Räuberbande die zwei Tankstellen in Kassel überfallen zu haben, ließen sich widerstandslos festnehmen. Verletzt wurde bei der nächtlichen Aktion niemand.

Die Polizisten waren allerdings auf einen Schusswechsel vorbereitet: In sicherer Entfernung zu dem Haus warteten ein Notarzt und Rettungsassistenten.

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Die Vorsicht war offensichtlich begründet, wie die Durchsuchung des Tatfahrzeugs ergab. Die Beamten fanden dort eine Pistole, die wahrscheinlich bei den Überfällen verwendet wurde. Die Pistole erwies sich als Schreckschusswaffe, die von scharfen Waffen selbst für Fachleute auf den ersten Blick kaum zu unterscheiden ist. Einige Hausbewohner haben die Aktion der Polizei durch den Türspion mitbekommen: „Ich habe durch das Guckloch ins Treppenhaus geschaut und gesehen, wie sie die beiden in Handschellen abgeführt haben“, berichtet jemand. Auch Polizisten „in voller Montur“ habe man beobachtet.

Aktualisiert um 16.45 Uhr

Vor einigen Wochen, da sei es noch sehr ruhig in dem Mehrfamiliengebäude gewesen, sagen Nachbarn. Das habe sich allerdings geändert, seit ein junger Mann, der jetzt festgenommen wurde, in der Wohnung eines anderen Mieters ein- und ausgehe. Unterdessen schlug die Polizei am Samstagmittag noch einmal in Frankenberg zu und nahm in einer anderen Wohnung einen weiteren 19-Jährigen fest. Ein 14-jähriger Junge, der ebenfalls zum laut Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch ausschließlich aus Deutschen bestehenden Quartett gehören soll, stellte sich am Sonntagmittag.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft beim Landgericht in Marburg erließ der Haftrichter am Montag gegen den 14-Jährigen einen Untersuchungshaftbefehl. Der Grund: Es bestehe Fluchtgefahr. Der 14-Jährige sitzt nun in der Justizvollzugsanstalt in Rockenberg (bei Butzbach, Mittelhessen).

Warum die Frankenberger die Überfälle ausgerechnet in Kassel begingen, ist weiter unklar.

Am Samstagabend erlebten die Nachbarn in Frankenberg nach eigenen Angaben eine unliebsame Überraschung. Der Festgenommene, der die Wohnung nutzte, sei dort erneut aufgetaucht. Er war kurz zuvor auf freien Fuß gesetzt worden. „Dass der so schnell wieder draußen ist, dafür haben wir kein Verständnis.“

Von Peter Ketteritzsch und Matthias Müller

Quelle: HNA

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