Biedenkopf

Die Zukunft der Kirchengemeinden

- Biedenkopf (r). Mit den Herausforderungen der Zukunft haben sich Kirchenvorsteher aus den Gemeinden des evangelisch-lutherischen Dekanats Biedenkopf beschäftigt.

Weniger Mitglieder, weniger Geld: Beim Auftakt-Abend des Modellprojekts „Kirche in der Region“ im Biedenkopfer Gemeindehaus berieten sie mit Experten der Landeskirche die Frage, wie die Kirchengemeinden mit dem zu erwartenden Mitgliederschwund umgehen können.

Für sechs Jahre sind sie gewählt“, begrüßte Dekan Gerhard Failing die knapp 100 Kirchenvorsteher aus dem Hinterland und dem Oberen Edertal, die vor fünf Monaten ihr Amt angetreten hatten. „In diesen kommenden sechs Jahren wird sich die kirchliche Situation verändern.“ So schätze die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), dass 2030 die evangelische Kirche rund ein Drittel weniger Mitglieder und die Hälfte ihrer finanziellen Möglichkeiten haben werde. Zu den Zahlen der demographischen Entwicklung passte, wie die Teilnehmer die Situation in ihren Gemeinden schilderten: „In den Gottesdienst kommen überwiegend ältere Leute“, notierte eine Kirchenvorsteherin bei der Arbeit in Kleingruppen auf einem Zettel. „Unser Kindergottesdienst wird immer kleiner“, hatte ein ehrenamtlicher Mitarbeiter aufgeschrieben.

„Wir nehmen die Herausforderung an“, sagte der Vorsitzende der Dekanats-Synode, Frank Schmitt. Deshalb habe sich das Dekanat Biedenkopf dazu entschlossen, an dem Modellprojekt „Kirche in der Region“ der EKHN teilzunehmen. In diesem Projekt soll ein „Regionalisierungsprozess“ in Gang gesetzt werden: Kirchengemeinden sollen stärker zusammenarbeiten, damit die evangelische Kirche auch in Zukunft mit weniger Mitgliedern und weniger Geld ihre Angebote aufrecht erhalten kann. „Wir wollen mit dem Dekanat Biedenkopf lernen, was nötig ist, damit die Kirche in einer ländlich geprägten Region eine gestaltende Kraft bleibt“, sagte EKHN-Oberkirchenrätin Dr. Christine Noschka, die betonte: „Was hier passiert, ist eine Anregung für die gesamte Landeskirche.“ Begleitet wird das Dekanat Biedenkopf bei diesem Prozess von einer Expertengruppe der Landeskirche – beispielsweise von dem Statistiker Steffen Bauer sowie den promovierten Theologen Kerstin Söderblom und Jörg Garscha.

Bei dem Kirchenvorsteher-Abend in Biedenkopf besprachen die Besucher in kleinen Gruppen, wie die Zusammenarbeit von Kirchengemeinden aussehen könnte. Dass Theorie und Praxis dabei noch auseinander klaffen, schilderte ein Teilnehmer: „Für jeden Pudding fahren die Leute mehrere Kilometer weit in den nächsten Supermarkt, aber den Gottesdienst im Nachbarort besuchen – niemals.“

Am Ende des Kirchenvorsteher-Treffens bildeten die Teilnehmer vier Arbeitsgruppen – eine für das Obere Edertal, eine für das Lahntal, eine für das Perftal sowie ein Dekanats-Team. Die Mitglieder dieser Gruppen wollen in den kommenden Monaten weiter daran arbeiten, wie der „Regionalisierungsprozess“ in ihren Gemeinden voran getrieben werden kann.

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