Neujahrsempfang des Kreisbauernverbands

Die Zukunft der Landwirtschaft im Blick

+
Sie blickten beim Neujahrsempfang des Kreisbauernverbands auf das Jahr 2013 zurück und wünschten den Landwirten und ihren Geschäftspartnern für 2014 Glück und Erfolg: von links Geschäftsführer Matthias Eckel, Kreislandwirt Fritz Schäfer, Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf, der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Friedhelm Schneider, Bürgermeister Rüdiger Heß, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Heinrich Heidel und Reinhard Otto, Leiter der Abteilung „Verkehr, Planung, ländlich

Frankenberg-Geismar - Dass eine erfolgreiche Ernte vor allem von der Witterung übers Jahr abhängt, ist für die Landwirte eine Selbstverständlichkeit. Friedhelm Schneider machte aber auch deutlich, dass auch Politik, Behörden und die Unterstützung der Bevölkerung von enormer Bedeutung für den Berufsstand in der Region sind.

Zum Neujahrsempfang des Kreisbauernverbandes waren rund 60 geladene Gäste erschienen - und diese spiegelten wider, was der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Friedhelm Schneider (Gründau) auch in seiner Festrede hervorhob: Die Landwirte haben zahlreiche Partner und Kontakte, die auf unterschiedliche Weise Einfluss auf die Betriebe, ihre Arbeit und Ergebnisse nehmen. Unter den Gästen waren Vertreter aus der Politik auf Bundes-, Landes- und Kreisebene, Bürgermeister, Vertreter der Behörden beim Landkreis und Regierungspräsidium, der Forstverwaltung, des Naturschutzbundes, aber auch Vertreter der „wahren grünen Familie“, wie Heinrich Heidel sie bezeichnete: die Landsenioren und die Landfrauen. Auch die Handwerker, die Energieversorger, die heimischen Banken und die Steuerberatungsgesellschaft LBH waren vertreten.

Der Präsident des Hessischen Bauernverbandes Friedhelm Schneider nutzte das Forum zunächst, um sich zu entschuldigen: Auf der Internetseite seiner Familie waren kritische Äußerungen zur Bio-Landwirtschaft erschienen, die er nicht geprüft habe und die „nicht zu mir gepasst haben“ - weder als Landwirt noch in seiner Funktion. „Ich will keine Betriebsformen ausgrenzen oder gegeneinander ausspielen“, betonte der Landwirt, der selbst konventionell arbeitet.

Auch im Jahr 2014 wolle und werde der Bauernverband die Landwirte unterstützen - und zwar alle Betriebe. Zwei Wege zeigte Schneider dafür auf: Einerseits den, für den er seit Jahren bekannt ist, nämlich die Lobbyarbeit mit seinem engen Draht zur Politik, andererseits aber auch über einen verbesserten Kontakt zu Gegnern und Naturschützern.

Friedhelm Schneider verwies auf die veränderten politischen Verhältnisse auf Bundes-, vor allem aber auf Landesebene. Auch wenn ihm mancher unterstelle, das nicht zu können: „Ich komme mit den Grünen zurecht!“, unterstrich er energisch. „Wir haben dasselbe Ziel: die Landwirtschaft nach vorn zu bringen“, sagte er.

Zudem sei Priska Hinz keine Frau, „die schnell schießt“. Allerdings machte er keinen Hehl daraus, dass er den Posten des hessischen Landwirtschaftsministers und der zukünftigen Staatssekretärin lieber in anderen Händen gesehen hätte. Jedoch habe er die Zusage von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Grünen-Chef Tarek Al-Wazir, dass beide sich für die Landwirte einsetzen wollten.

Neue Töne schlug Schneider im Zusammenhang mit den Naturschutzverbänden an - vielleicht auch eine Folge aus der harschen Kritik der Bio-Landwirte nach dem Homepage-Desaster. Anders als früher wolle er nicht mehr streiten, sondern mit Argumenten überzeugen, etwa den BUND. Dafür seien mehr Informationen notwendig, beispielsweise bei der oft kritisierten Haltung von Schweinen. Die Gegner müssten besser über Hintergründe und Auswirkungen informiert werden.

Eine gute Haltung sei schließlich auch im Interesse der Landwirte: „Nur wenn man sich wohlfühlt, bringt man auch Leistung“, das gelte nicht nur für Sportler, sondern auch für Nutztiere. „Die Tiere wollen es angenehm, und das müssen wir erreichen.“ Die moderne Landwirtschaft sei mit dem Berufsstand vor 30 Jahren ohnehin kaum zu vergleichen; „denken Sie mal zurück, wie Schweineställe vor 30 Jahren aussahen“, sagte Schneider. Heute müssten Ställe hell, groß und luftig sein. „Wir müssen den Menschen zeigen, wie das heute aussieht.“

Der Bauernpräsident verteidigte in seiner Rede auch die Exporte aus der deutschen Landwirtschaft, die im vergangenen Jahr 65 Milliarden Euro ausgemacht hätten, wobei 60 Milliarden auf die EU-Märkte entfallen seien. Wenn die Preise stimmten und der Bedarf gegeben sei, dürfe Deutschland auch Käse nach Russland und Kindernahrung nach China liefern und damit „globale Verantwortung erfüllen“. Regional müsse so viel angeboten werden, wie auch gekauft werde - dasselbe gelte für Bio-Lebensmittel. - Der Vorsitzende des Frankenberger Kreisbauernverbandes, Heinrich Heidel, hatte die Gäste in Geismar begrüßt und dabei eingeräumt, dass die neuen politischen Voraussetzungen im Land für ihn nicht zufriedenstellend sind. Er formulierte drei klare Forderungen an die neue Landwirtschaftsministerin:

- keine Kehrtwende in der Agrarpolitik,

- keine Voreingenommenheit gegenüber der konventionellen Landwirtschaft und

- die Fortführung der bisherigen Gespräche.

Weitere Grußworte sprachen der Erste Kreisbeigeordnete Jens Deutschendorf, der als Grüner großes Vertrauen in die neue Landwirtschaftsministerin setze, Frankenbergs Bürgermeister Rüdiger Heß und Reinhard Otto, Leiter der Abteilung „Ländlicher Raum und Verbraucherschutz“ beim Regierungspräsidium. Matthias Eckel, Geschäftsführer des Frankenberger Kreisbauernverbandes, lud die Gäste im Anschluss zum Mittagessen und gegenseitigen Austausch ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare