Probleme bei Anbieterwechsel

75.000 Euro Bußgeld wegen toter Telefonleitung

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Tote Leitungen bei einem Wechsel der Telefonfirma sorgen immer wieder für Ärger.

Mainz - Wegen langer Verbindungsunterbrechungen beim Wechsel des Telefonanbieters hat die Bundesnetzagentur ein hohes Bußgeld gegen ein Unternehmen verhängt. Die Firma muss 75.000 Euro Bußgeld zahlen. Nach den gesetzlichen Vorgaben darf die Leitung bei einem Wechsel nicht länger als einen Kalendertag unterbrochen sein.

Die Bundesnetzagentur hat wegen Verstößen beim Anbieterwechsel ein Bußgeld gegen ein Telekommunikationsunternehmen verhängt. Die Strafzahlung in Höhe von 75.000 Euro richte sich gegen einen „großen“ Anbieter, erklärte die Netzagentur am Mittwoch in Bonn. Das Unternehmen habe „wiederholt“ gegen die gesetzliche Frist verstoßen. Das Gesetz räumt Internet- und Telefonanbietern - sowohl dem alten Anbieter als auch dem neuen - eine Frist von einem Tag ein, um den Anbieterwechsel über die Bühne zu bringen. Verbraucher sollten „vor langwierigen Ausfällen“ beim Wechsel ihres Telekommunikationsunternehmens geschützt werden, erklärte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Netzagentur Strafgelder gegen verschiedene Anbieter verhängt.

Rund 5000 Verbraucher hatten sich laut Netzagentur 2014 über lange Wartezeiten beim Anbieterwechsel beschwert. Auch 2015 sei die Anzahl der Beschwerden „ungebrochen hoch“. Treten beim Anbieterwechsel Probleme auf, können sich Verbraucher an eine Beschwerdestelle der Bundesnetzagentur wenden.

Kündigung von Neuanbieter erledigen lassen

Wer seinen Telefonanbieter wechseln will, sollte sich möglichst an den vom Gesetzgeber vorgesehenen Weg halten. Er sieht vor, dass Kunden nicht selbst kündigen, sondern dass der neue Anbieter die Kündigung des alten Anschlusses übernimmt. In diesem Fall darf die Leitung während des Wechsels nämlich nur maximal einen Kalendertag lang stumm bleiben, erklärt Juristin Josina Starke von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Geht die Umschaltung des Anschlusses oder die Portierung der Rufnummern schief, muss der alte Anbieter wieder einspringen und die Versorgung des Kunden übernehmen. Dafür darf er allerdings nur die Hälfte der Grundgebühr kassieren. Wer selber kündigt und sich einen neuen Anbieter sucht, fällt nicht unter die gesetzlich geregelten Wechselbedingungen.

Ist die Leitung beim alten Anbieter einmal stillgelegt, lässt sie sich bei Problemen mit dem neuen Anschluss in der Regel nicht wieder schalten. Bleibt beim Anbieterwechsel die Leitung tot, haben Kunden möglicherweise ein Sonderkündigungsrecht. Sie müssen ihrem Anbieter aber eine Chance geben, den Vertrag zu erfüllen. Zwei bis drei Wochen Frist sollten es sein. "Am besten per Einschreiben mit Rückschein", rät Martina Totz. Generell sollten Leitungsstörungen vom Kunden dokumentiert und immer dem Anbieter gemeldet werden, raten die Verbraucherschützer.

Kann der ordentlich in die Wege geleitete Anbieterwechsel nach einem Tag nicht vollzogen werden, haben Verbraucher auch die Möglichkeit, sich an die Bundesnetzagentur zu wenden. Sie hat auf ihrer Internetseite ein Formular eingerichtet, über das der Fall detailliert beschrieben werden kann. Trotz aller gesetzlichen Regelungen gibt es noch einen unklaren Bereich beim Wechsel von einem Anbieter zum anderen. "Wenn Sie etwa vom normalen Telefonnetz zum Kabelnetz wechseln, ist bislang umstritten, ob hier die gesetzlichen Regelungen gelten", sagt Starke. Deswegen sollten Verbraucher sich vorher gut über mögliche Zusatzkosten durch abweichende Schaltungstermine und Parallelbetrieb informieren.

dpa/afp/frs

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