„Tatort“ aus Dortmund

Am Abgrund

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Kommissar Faber (Jörg Hartmann, rechts) reicht es: Markus Graf (Florian Bartholomäi) soll ihm sagen, ob und wo er das Mädchen versteckt hat.

Hannover - Toll gespielt - aber ein Drehbuch, das holpert: Der ewig depressive Kommissar Faber kommt im aktuellen Dortmunder „Tatort“ nicht nur einem Mörder auf die Spur.

Wie lange hat dieser Mann nicht mehr geschlafen? Der Dortmunder „Tatort“-Kommissar Faber (Jörg Hartmann) ist unrasiert, die Locken sind leicht fettig. Dann noch die Falten um die Augen und der traurige Blick: Der depressive Kommissar gehört in die Badewanne oder braucht Urlaub in der Südsee. Doch stattdessen muss er den Mord an der zwölfjährigen Marie aufklären.

Bald steht fest: Das Kind wurde vor seinem Tod missbraucht. Das „Tatort“-Team muss schnell den Täter finden, weil auch die 13-jährige Lisa verschwunden ist und alles für einen Serientäter spricht. Die ersten Verdächtigen sind schnell ermittelt: Auf dem Computer von Maries Stiefvater wurden kinderpornographische Bilder gefunden. Und auch der rätselhafte Markus Graf (Florian Bartholomäi) gerät ins Visier der Beamten. Doch die Dortmunder Ermittler sind im Krimi „Auf ewig Dein“, der am Sonntagabend um 20.15 Uhr in der ARD läuft, nicht ganz bei der Sache.

Kommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) ist von ihrem Kollegen Daniel Kossik (Stefan Konarske) schwanger und grübelt darüber nach, ob sie das Baby behalten möchte. Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) plagen Sorgen, weil sie regelmäßig die Dienste eines Callboys genossen hat, der nun plötzlich als mutmaßlicher Drogenhändler auf ihrem Revier verhört wird. „Schauen Sie doch mal in den Spiegel“, herrscht Faber sie an. „Bei mir ist das normal, wenn ich so aussehe, aber wir brauchen doch nicht zwei von meiner Sorte!“ Ungewollt bringt er damit das Problem dieses „Tatorts“ auf den Punkt: zu viel schlechte Laune und Frust allerorten.

Dabei ist der Kern des Fernsehkrimis von Regisseur Dror Zahavi und Drehbuchschreiber Jürgen Werner (beide arbeiteten auch beim viel diskutierten „Tatort: Franziska“ zusammen) ein durchaus sehenswertes Duell zwischen Faber und Markus Graf. Denn Graf ist der Sohn eines Kindermörders, den Faber einst in Lübeck hinter Gitter brachte.

Bald wird klar: Graf kennt möglicherweise nicht nur den Aufenthaltsort der verschwundenen Marie, sondern weiß auch etwas über den Tod von Fabers Frau und Tochter. Nach mehreren Wortgefechten, bei denen Hartmann und Bartholomäi große Schauspielkunst zeigen, stehen beide schließlich auf einem Hochhausdach. Das Duell zweier Männer, die scheinbar nichts mehr zu verlieren haben, spitzt sich zu: Jederzeit könnte einer in die Tiefe stürzen und damit das Seelenheil des Gegenübers retten. Das gegenseitige Belauern hätte ohne Probleme den ganzen „Tatort“ getragen. Eine unglücklich schwangere Kollegin hätte dieser Krimi nicht gebraucht.

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