„Wluesborch“

Altes Schloss voller moderner Kunst

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Die „Wluesborch“ in Wolfsburg beherbergt moderne Kunst.

Wolfsburg - Ein Schloss wie im Märchen steht nur wenige hundert Meter vom VW-Werk Wolfsburg entfernt - für viele ein überraschender Kontrast. Auch im Inneren des 700 Jahre alten Gemäuers treffen Gegenwart und Vergangenheit aufeinander - dort wird moderne Kunst präsentiert.

Als die „Wluesborch“ 1302 erstmals erwähnt wurde, waren Autos noch nicht einmal denkbar. Heute sind beide untrennbar miteinander verbunden. Die „Wluesborch“, die später zum Schloss ausgebaut wurde, hat der Stadt Wolfsburg ihren Namen gegeben. Umgeben von einem zauberhaften englischen Garten steht das Renaissance-Gebäude nur wenige hundert Meter vom VW-Stammwerk und der hypermodernen Autostadt entfernt.

Stolze 30 Meter ist der höchste der Schlosstürme, hinter der verzierten Fassade aus Velpker Sandstein erstrecken sich über fünf Etagen Säle und Salons. So romantisch das Schloss heute anmutet, so wehrhaft war es in vergangenen Jahrhunderten. Und so konnte sich das Rittergeschlecht derer von Bartensleben, das den Grundstein im Mittelalter gelegt hatte, auch im Dreißigjährigen Krieg halten.

Zwischen Braunschweig und Mageburg gelegen, kontrollierte die Familie lange Zeit das Gebiet. „Eine wichtige Einnahmequelle waren immer die Ländereien. Die Bauern der umliegenden Siedlungen mussten kräftig für die Familie von Bartensleben arbeiten“, erzählt Bettina Greffrath, Leiterin der städtischen Museen.

1742 stirbt der letzte männliche von Bartensleben. Da seine einzige Tochter Anna Adelheit Catharina zuvor den Grafen Adolph Friedrich von der Schulenburg geheiratet hatte, hießen die Schlossherren von nun an von der Schulenburg, eines der namhaftesten Adelsgeschlechter Deutschlands. Ein häufiger Gast der Familie war ein gutes Jahrhundert später zum Beispiel Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847-1934).

Die Nationalsozialisten hatten dann mit dem Land der von der Schulenburgs etwas anderes vor - statt Getreide sollte auf den Feldern eine neue Stadt wachsen, die „Kraft-durch-Freude-Stadt“, in der ein Wagen für das ganze Volk gebaut werden sollte, ein Volkswagen. Und so wurden die Schlossherren zum Verkauf großer Teile ihrer Ländereien genötigt. Vom Kaufpreis ließen sie sich im 40 Kilometer entfernten Tangeln 1942 „die neue Wolfsburg“ bauen. Tangeln liegt im heutigen Sachsen-Anhalt, also nach dem Krieg in der DDR. Und so floh die Familie schon 1945 vor der sowjetischen Besatzung zurück Richtung Wolfsburg.

Ihr Schloss gehörte damals der Stadt, doch die musste nach dem Krieg Wohnungen für Flüchtlinge bauen und bot das Schloss in einem Inserat an: „Schloss aus Stadtbesitz zu verkaufen (Weser-Renaissance). In günstiger Lage am Mittellandkanal und Bahnstrecke Berlin/Hannover. Nähe Braunschweig. Über 80 Räume ...“ war zu lesen.

Da sich kein Käufer fand, ging das Schloss zunächst an das Land Niedersachsen. 1961 kaufte die Stadt das zu dieser Zeit stark renovierungsbedürftige Schloss für einen symbolischen Preis zurück.

Einige der Räume werden von der Stadt zum Repräsentieren genutzt, in anderen zeigen der Kunstverein und die Städtische Kultur Moderne Kunst. In der früheren Remise hat das Städtische Museum seinen Platz gefunden, auch ein Cafe ist untergebracht, in anderen Stallungen ist ein Museum für Landwirtschaft. “20.000 bis 25.000 Besucher kommen jährlich in die Museen“, berichtet Elke Wichmann von der Stadt Wolfsburg. Nicht nur die Museen, auch zahlreiche Veranstaltungen - Konzerte, Kleinkunst, ein Gartenfestival oder ein Weihnachtsmarkt - machen einen Besuch lohnend.

dpa

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