Trendsetter

Amerikanische Fernsehserien prägen Modestil von Generationen

- Mode in Serie: Produktionen wie „Mad Men“ und „Sex and the City“ sind nicht nur erfolgreich – sie sind Schaufenster für Trends. Ihrer Zeit voraus waren unter anderem die Macher von „Miami Vice“.

Vor dem Start der US-Fernsehserie „Gossip Girl“ bastelte Stylist Eric Daman für jede Figur des Highschool-Dramas ein Modebuch. Fotos von Audrey Hepburn und der als eiskalt bekannten US-„Vogue“-Chefin Anna Wintour inspirierten ihn zum Look des intriganten Schulmädchens Blair Waldorf. Für die warmherzige, aber geheimnisvolle Serena wählte Daman das skandalumwobene britische Topmodel Kate Moss und Sechziger-Jahre-Ikone Brigitte Bardot als Vorbilder aus. Nach und nach entwickelte der Stylist auf dieser Grundlage den „Upper East Side Style“ für die TV-Serie, deren Mode inzwischen stilprägend für eine ganze junge Zuschauergeneration ist.

Daman selbst bezeichnet seinen Stil als „Preppy Style“: schöne Pullover, enge Jeans und viele Accessoires. Das Haarband und die Kopfbedeckungen etwa, die Biest Blair in unzähligen Varianten wie eine Art Schutzschild trägt, sind bereits Bestandteil der Romanvorlage gewesen. Zu der Mischung aus Schulmädchenlook und luxuriösem Designerschick passte das Accessoire, das inzwischen auf zahlreichen Schulhöfen zu sehen ist, jedoch perfekt.

Durch seine Arbeit am Set von „Gossip Girl“ trat der ehemalige Literaturstudent Eric Daman in die Fußstapfen seiner einstigen Chefin Patricia Field: Spätestens seit die Stylistin für die vier New Yorker Boheme-Singlefrauen in der Kultserie „Sex and the City“ einen unverwechselbaren Stil aus Designerstücken und Secondhand-Mode schuf, besitzen Kostümdesigner bisweilen den Status Prominenter. In der Serie wurde nicht nur so offen wie nie zuvor über Sex geplaudert, sondern auch über Marken und die Namen von Modedesignern. Läden von Jimmy Choo und Prada wurden für einige Szenen zum Drehort. Die New Yorker Filiale des spanischen Schuhdesigners Manolo Blahnik ist seitdem unter den Sehenswürdigkeiten für Touristen gelistet.

Während bei „Dallas“ und „Denver Clan“ – in den achtziger Jahren immerhin berühmt für Texas-Hüte und Föhnwellenfrisuren à la Krystle Carrington – noch alle Outfits von Kostümdesignern entworfen wurden, die bei der Fernsehproduktion angestellt waren, setzen TV- und Kinoproduzenten mittlerweile auf die Zugkraft namhafter Designer und begründen damit Trends.

Ihrer Zeit voraus waren unter anderem die Macher von „Miami Vice“: Die Cops Sonny Crockett und Rico Tubbs gingen in den achtziger Jahren in Flamingorosa und leuchtendem Pastell von Hugo Boss und Gianni Versace auf Verbrecherjagd. Serien wie „Gil­more Girls“ und „Beverly Hills 90210“ griffen das Lebensgefühl der Zielgruppe auf – und zeigten Mode, die auf den Straßen nachgeahmt werden konnte und über die die Fans im Internet später heiß diskutierten, stets mit der Frage, wo auch sie die Kleider bekommen könnten.

Jüngstes Beispiel für die stilprägende Kraft großer Fernsehserien ist die US-Serie „Mad Men“, die auf brillante Weise vom Schein und Sein der Werbebranche im New York der sechziger Jahre erzählt. Einige Entwürfe, die auf den jüngsten Herbstschauen in Mailand, Paris und New York zu sehen waren, scheinen direkt aus dem Kostümfundus der Produktion zu stammen: Prada und Louis Vuitton zeigten Tweedkostüme und ausgestellte Faltenröcke im Stil der fünfziger und sechziger Jahre.

Beim britischen Designer Mark Fast dürfen die Models bereits wieder Kurven zeigen, die die „Mad Men“, die selbst noch in den Korsetts steifer Maßanzüge stecken, an Chefsekretärin Joan Holloway so bewundern. Für das Kostümdesign wurde die Serie mit dem Emmy ausgezeichnet. Die zeitlose Mode, die Stylistin Janie Bryant pro Folge in den Facetten von mehr als 200 Kostümen entfaltet, war zwischenzeitlich auch in den Schaufenstern des New Yorker Edelkaufhauses Bloomingdale’s zu bewundern, die Filialkette Banana Republic und der Verkaufssender QVC ließen sich von ihr eigene Kollektionen entwerfen.

In den USA ist bereits das Ende der vierten Staffel zu sehen. Die steife Welt der „Mad Men“ beginnt zu bröckeln. Es ist inzwischen 1965. Frauen haben die spitzen Tüten-BHs verbannt. Das Zeitalter des Pop, in dem alles erlaubt und nichts unmöglich ist, ist angebrochen, nun stehen junge Menschen im Mittelpunkt der Werbezielgruppe. Sie suchen sich ihre Trends auf der Straße – oder im Fernsehen.

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