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Angela Kriesel stellt Buch über die Sammlung Sprengel vor

- Am Freitag stellte die Sprengel-Tochter Angela Kriesel im Sprengel Museum den gerade im Göttinger Wallstein-Verlag erschienenen und von ihr herausgegebenen Band „Ein Geschenk. Die Sammlung Sprengel“ vor.

Die Familienvilla in der hannoverschen Kniggestraße haben die Kinder des Industriellen- und Sammlerehepaars Bernhard und Margrit Sprengel längst verkauft. Für die jüngste Tochter, Angela Kriesel, die bald ihren 65. Geburtstag feiert, ist das auf der Sammlung ihrer Eltern fußende Sprengel Museum eine Art zweites Elternhaus geworden. Bei vielen Anlässen lässt sie sich dort sehen. Während sich Besucher des herausragenden Museums für moderne und zeitgenössische Kunst an Bildkompositionen von Pablo Picasso, Paul Klee oder Fernand Léger erfreuen oder über die großen Werte staunen, hat die Sprengel-Tochter immer auch die Hängung der Bilder im elterlichen Haus im Hinterkopf und die im Familienkreis lebhaft geführten Kunstdebatten.

Abgesehen von einem voluminösen Bestandskatalog sind inzwischen sämtliche Bücher über die Sammlung Sprengel vergriffen. Die stets unterstützend aus dem Hintergrund wirkende Sprengel-Tochter hat nun Abhilfe geschaffen. Am Freitag stellte sie im Sprengel Museum den gerade im Göttinger Wallstein-Verlag erschienenen und von ihr herausgegebenen Band „Ein Geschenk. Die Sammlung Sprengel“ vor. Es ist ein Buch mit Einführungen des Museumsdirektors Ulrich Krempel und der ehemaligen HAZ-Kulturredakteurin Ursula Bode sowie zum Teil überraschend persönlich gehaltenen Beiträgen von mehr als 40 Persönlichkeiten aus Politik, Kirche, bildender Kunst und Musik. Unter anderem haben sich der Altkanzler Gerhard Schröder, Ministerpräsident Christian Wulff, die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, die EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann, der Kunstkritiker Werner Spies, der Galerist Dieter Brusberg, die Künstler Timm Ulrichs und Björn Melhus sowie prominente Musiker wie der Geiger Walter Levin Lieblingsbilder aus der Sammlung herausgepickt und diese beschrieben.

Streng genommen kommt das Buch ein Jahr zu spät. Bereits im Vorjahr wurde 40 Jahre Schenkung Sprengel gefeiert. In diesem Jahr aber entscheidet sich die Form des Erweiterungsbaus des Museums, bereits in ein paar Wochen werden die Entwürfe der Teilnehmer des internationalen Architektenwettbewerbs im Sprengel Museum ausgestellt. „Und so kommt das Buch also gerade rechtzeitig“, erklärt Kriesel. Das Cover ziert ein Schwarz-Weiß-Foto, das ihren Vater zeigt. Der Großindustrielle beugt sich mit leichtem Stirnrunzeln über ein Modell der Plastik „Le hellebardier“, die Alexander Calder später in monumental und Signalrot realisierte. Bernhard Sprengel hätte die Plastik gern vor der Oper aufgestellt – heute ziert sie als Landmarke das Maschseeufer vor dem nach dem Schokoladenindustriellen benannten Museum.

Fast alle angefragten Autoren sagten umgehend zu. Besonders unkompliziert ging es bei Schröder. Der Altkanzler mailte an Angela Kriesel: „Ich bin dabei. Was soll ich tun? Gerhard Schröder.“ Und wenig später war dann auch schon sein Text über das Werk Emil Schumachers, eines großen Ungegenständlichen, da, erzählt Kriesel begeistert. Schröders Beitrag wirkt keineswegs wie aus der Feder eines Ghostwriters – der Altkanzler scheint tatsächlich zu lieben, was er beschreibt. Werner Spies, der in Paris lebende Kunstkritikerpapst, winkte zunächst ab, er sei zu sehr im Stress, überraschend schickte er dann aber doch noch einen längeren Beitrag – zu Pablo Picasso. Unterstützt wurde das Buchprojekt von der Stiftung Niedersachsen – der Leser merkt das am Preis: 19,90 Euro kostet die 190 Seiten starke Publikation. Wer sich das Buch ins Regal stellt, bekommt zwar keine Übersicht über die gesamte Breite der rund 1000 Kunstwerke umfassenden Sprengel-Sammlung, dafür aber vielfältige Anregungen, wie man Bilder sehen und verstehen kann, wie man Zugänge zur Kunst findet, wie diese das Leben von Menschen bereichert.

Es kommt nicht häufig vor, dass noch in der zweiten Generation ein derart leidenschaftliches Interesse an den von den Eltern gesammelten Kunstschätzen besteht, wie im Fall von Angela Kriesel. Inzwischen hat sich der Kunstvirus bereits in die dritte Generation fortgepflanzt: Kriesels Sohn Tilman leitet enthusiastisch die Jungen Kunstfreunde. Mit dem nun vorliegenden Buch verbindet sich allerdings auch ein Abschied: Angela Kriesel verkündete am Freitag en passant, sie werde nach 25 Jahren den Vorsitz der Sprengel-Freunde abgeben. Ende Februar, bei der Versammlung der Freunde des Museums, wird ihr Nachfolger benannt. So viel aber steht schon fest: Tilman Kriesel wird es nicht, er ist zu sehr in Hamburg gebunden.

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