Schlamm drüber

„Appletree Garden“-Festival trotzt Dauerregen

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Dauerregen und Matsch konnte die Besucher des Festivals nicht schocken.

Diepholz - In den Bäumen glimmen Lichterketten, auf der „Spielwiese“ liegen Beach-Tennis-Schläger und Jonglierbälle bereit: Das „Appletree Garden“-Festival erinnert an eine Gartenparty – wenn auch in etwas größerem Stil: 4500 Besucher sind zur 14. Auflage gekommen. Mehr passen auch nicht auf die Lichtung des Bürgerparks in Diepholz.

Nicht nur den Besuchern gefällt die für Open-Air-Spektakel ungewöhnlich intime Atmosphäre – die Eintrittskarten waren seit dem Frühjahr ausverkauft –, sondern auch den Bands: Die Dänin Karen Marie Ørsted, besser bekannt unter dem Künstlernamen MØ, klettert nach wenigen Minuten über die Absperrung vor der Bühne und lässt sich auf den Schultern eines Besuchers durch die jubelnde Menge tragen, während sie eine punkige Version von „Say You’ll Be There“ von den Spice Girls singt.

Plastikpop, Hip-Hop-Beats, Gitarren und wummernder Electro machen den Aufritt von MØ, die im bauchfreien Top wie eine wild gewordene Cheerleaderin über die Bühne wirbelt, zu einem frühen Höhepunkt des Festivals. Ähnlich undogmatisch wie ihr Repertoire ist auch das Line-up des dreitägigen Festivals: Auf Liebhaberbands wie Balthazar aus Belgien, die herrlich knarzenden Indie-Rock spielen, folgt mit Alle Farben der House-Shootingstar der Holi-Feste.

Auch wenn in Diepholz statt Maismehl nur Konfetti in die Luft geworfen wird, hat Frans Zimmer hinter seinem Mischpult sichtlich Spaß – und dass, obwohl zweimal die Technik aussetzt. Diejenigen, die ihn nur aus dem Radio kennen, lässt er lange zappeln: Seinen größten Hit „She Moves“ spielt er erst kurz vor Schluss, genüsslich in kleine Fetzen geschreddert.

Trotz durchregneter Nacht fällt die Party am zweiten Tag nicht ins Wasser: Die Turnbeutelträger, die ihre Gummistiefel leichtsinnig zu Hause gelassen haben, waten in Flipflops eilig durch den Matsch, um es nach dem mitreißenden Auftritt der Schotten von We Were Promised Jetpacks rechtzeitig zur zweiten Bühne zu schaffen. Im Nieselregen gibt das Hamburger Electro-Pop-Trio Hundreds dort ein Überraschungskonzert. Dass man im Schlamm nur unter Mühen tanzen kann, stört bei Songs wie „Our Past“ nicht – mitwippen passt eh besser zur meditativen Musik. Warme Worte und Kuschelsongs hat US-Songwriter William Fitzsimmons parat, dem viele Pärchen andächtig lauschen, ehe sie sich ins klamme Zelt verkriechen – oder mit fröhlichem Fatalismus bis zum Morgengrauen im Matsch durchtanzen.

Spätestens beim Auftritt der zackigen dänischen Dancepunks WhoMadeWho beim Finale ist die Müdigkeit wie weggeblasen – genau wie die Regenwolken. Im Stroboskopgewitter spornt Gitarrist Jeppe Kjellberg das Publikum zum Mitsingen an – ehe die Berliner Electro-Supergroup Moderat übernimmt. Weit nach 1 Uhr verstummt der mächtige Bass, aber nur kurz. „Na, wollt ihr noch einen?“, fragen die Moderat-Jungs halb belustigt, als sie zurückkommen. Und ein letztes Mal den Bass aufdrehen.

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