Sensationsfund in Hessen

Archäologen zeigen erstmals römischen Bronze-Pferdekopf

- Ein bei Ausgrabungen im hessischen Waldgirmes bei Wetzlar entdeckter 2000 Jahre alter Pferdekopf einer römischen Reiterstatue ist am Donnerstag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden.

„Diese Bronzeskulptur gehört qualitativ zu den besten Stücken, die jemals auf dem Gebiet des ehemaligen Römischen Reichs gefunden wurde“, sagte Hessens Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) in Frankfurt am Main. Das vergoldete Fundstück gehört wohl zu einem Reiterstandbild des Kaisers Augustus (23. v. Chr. bis 14. n. Chr.). Archäologen hatten den Pferdekopf am 12. August zusammen mit dem Schuh eines Reiters in einem etwa elf Meter tiefen Holzbrunnen entdeckt.

Das Wasser habe das Fundstück gut bewahrt, berichtete die Ministerin. An der Luft wäre es nicht so gut erhalten geblieben. „Der Pferdekopf ist hervorragend künstlerisch gearbeitet“, sagte Kühne-Hörmann. Das Zaumzeug ist mit sechs Zierscheiben reich bestückt. Auf der Stirn befindet sich eine Platte mit der Darstellung des Kriegsgottes Mars, an den Seiten sind Siegesgöttinnen angebracht. Offenbar enstand die Statue im mediterranen Raum und wurde nach Waldgirmes transportiert.

Nach Angaben der Experten muss die Reiterstatue in den Jahren 4 oder 3 v. Chr. zur Zeit der Anlage der römischen Stadt aufgestellt worden sein. Nach der Schlacht im Teutoburger Wald um 9. n. Chr. gaben die Römer die Stadt auf. Der einzigartige Pferdekopf zeuge von ihrem Willen, rechts des Rheins eine neue Provinz ihres Reichs zu schaffen, sagte die Ministerin: „Gleichzeitig steht er für ein Scheitern dieser Pläne.“ Offenbar hätten die Germanen nach dem Abzug der Römer den Pferdekopf zerstört und im Brunnen versenkt.

Das Landesamt für Denkmalpflege stellt für die Restaurierung des Kopfes 150 000 Euro zur Verfügung. Für die Arbeiten seien etwa zwei Jahre angesetzt, sagte Kühne-Hörmann. Anschließend solle das Fundstück bei einer Sonderausstellung präsentiert werden.

ddp

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