Unglücksursache unklar

Aufwändige Beweissuche nach Kölner Archiveinsturz

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Eingestürztes Stadtarchiv in Köln: Unglück mitten in der Stadt.

Köln - Vor drei Jahren stürzte das Kölner Stadtarchiv ein. Zwei Menschen starben, der Archivbestand wurde verschüttet. Vermutet wird, dass eine defekte unterirdische Wand das Unglück ausgelöst hat. Aber bis das vielleicht bewiesen werden kann, werden noch Jahre vergehen.

Zwei Tote, ein Milliardenschaden und noch 40 Jahre Arbeit - das ist die Bilanz drei Jahre nach dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln. Bei dem Einsturz waren am 3. März 2009 zwei junge Männer aus benachbarten Wohnhäusern ums Leben gekommen. Der gesamte Archivbestand wurde verschüttet. Zwar konnten 95 Prozent aus den Trümmern geborgen werden, doch „geborgen“ bedeute nicht „gerettet“, sagte der Kölner Kulturdezernent Georg Quander am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Viele Dokumente bestehen nur noch aus Fetzen. Die Restaurierung kann 40 Jahre dauern. Ob überhaupt alles restauriert werden kann, weiß niemand. Die Stadt geht von einem Gesamtschaden in Höhe von einer Milliarde Euro aus. Aufbringen soll das einmal derjenige, der für den Einsturz verantwortlich war.

Angenommen wird, dass das Unglück durch Bauarbeiten für eine U-Bahn-Haltestelle verursacht wurde. Möglicherweise führte eine löchrige Wand in 30 Metern Tiefe dazu, dass sich ein Druck aufbaute und schließlich große Mengen Wasser, Kies und Schlamm in die Baustelle einbrachen. Dem Archiv wurde buchstäblich der Boden entzogen. Auf diesen Hergang deuten nach Angaben der Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) Untersuchungen des Sachverständigen Prof. Hans-Georg Kempfert hin.

Um Beweise zu finden, müssen Gutachter die unterirdische Unglücksstelle jedoch viel genauer untersuchen. Dafür wird in der Baugrube ein kompliziertes Besichtigungsbauwerk errichtet. „Wir hoffen, dass wir dann einen vollständigen Beweis haben, wie das Unglück passiert ist“, sagte Jörn Schwarze, der Technische Vorstand der KVB. Das werde vielleicht in eineinhalb Jahren der Fall sein, könne aber auch länger dauern. Anschließend soll die U-Bahn zu Ende gebaut werden.

Bis 2015 soll außerdem ein neues Archiv errichtet werden, das modernste und sicherste Europas, wie es heißt. Zurzeit werden die teils 1000 Jahre alten Dokumente nach und nach im Lager eines Möbelhauses am Stadtrand von Köln gesichtet und restauriert. Nicht nur die Beschädigungen sind ein Problem, sondern auch die Zerstreuung der Dokumente über 20 Archivstandorte in ganz Nordrhein-Westfalen.

frx/dpa

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