Sean Penn in „The Gunman“

Ballern, stechen, Knochen brechen

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Muskelmann im moralischen Dilemma: Sean Penn als „Gunman“.

- Sean Penn versucht sich in „The Gunman“ als politisch korrekter Actionheld. Er gibt sich nicht mit einem dumpfen Racheplot zufrieden, sondern ballert anspruchsvoll durch eine politische Intrige.

Was Liam Neeson und Denzel Washington können, kann ich schon lange: So ähnlich hat sich das Sean Penn wohl gedacht, und so arbeitet er nun in „The Gunman“ ebenfalls an der Wandlung vom Charakterdarsteller zum Actionstar.

Die Erweiterung des schauspielerischen Spektrums scheint dem Mittfünfziger ein Herzensanliegen zu sein. Er ist Ko-Drehbuchautor und Produzent und hat sich ordentlich Muskelmasse antrainiert, die er auf fast schon penetrante Weise zur Schau stellt. Außerdem gibt sich der bekennende Politaktivist nicht mit einem dumpfen Racheplot zufrieden, sondern ballert sich anspruchsvoll durch eine politische Intrige. Sein James Terrier ist ein Söldner, der im Jahre 2006 für nicht näher benannte Auftraggeber den Bergbauminister der Republik Kongo erschießt, wodurch im Land ein Bürgerkrieg ausgelöst wird.

Solche durchchoreografierten Omnipotenzfantasien gehören offenbar zum Prüfungskanon für Ü-50-Actionhelden, die erst einmal ihre körperliche Fitness und die mörderische Berufserfahrung unter Beweis stellen müssen. Auf diese Weise hat Liam Neeson in „Taken“ eine Heerschar von albanischen Mädchenhändlern und Denzel Washington in „The Equalizer“ eine Bande von russischen Mafiosi niedergestreckt.

Nach dem Attentat muss James nicht nur das Land verlassen, sondern auch seine Freundin Annie (Jasmine Trinca), die nichts von den Geheimoperationen ihres Geliebten ahnt. Acht Jahre später lebt James wieder im Kongo.

Allerdings hat er das militärische Handwerk an den Nagel gehängt und bohrt im Auftrag einer Hilfsorganisation für die Not leidende Bevölkerung Brunnen. Die humanitäre Buße wird jedoch jäh unterbrochen, als ein Kommando das Lager überfällt - mit dem Auftrag, den „weißen Mann“ zu erschießen. Aber die Killerinstinkte des früheren Elitesöldners funktionieren noch. Innerhalb weniger Minuten hat James die feindliche Übermacht im Alleingang erledigt.

The Gunman, Regie: Pierre Morel, 115 Minuten FSK 16 Cinemaxx, Cinemotion, Cinestar, Astor

Fortan ist Schluss mit Brunnenbohren, denn James muss sich seiner dunklen Vergangenheit stellen, um herauszufinden, wer ihm nach dem Leben trachtet. Die Reise führt über London nach Barcelona, wo der damalige Verbindungsmann Felix (Javier Bardem) inzwischen mit Annie lebt. Das Wiedersehen und die nachfolgenden Beziehungsgespräche werden immer wieder von lästigen Mordkommandos gestört, die beträchtliche Mengen an Munition verschießen, ohne nennenswerte Treffer zu landen. Zwischen Kugelhagel, Verfolgungsjagden und Sex mit der Ex gilt es auch noch einen überraschungsarmen Komplott aufzudecken. Mag sein, dass Sean Penn so etwas wie einen politisch korrekten Actionfilm im Kopf hatte, in dem ein Ex-Söldner sich erst seiner verwerflichen Vergangenheit stellen muss, bevor er zum humanitären Helden reifen darf.

Aber der politische Kontext ist unter der Regie von Pierre Morel („96 Hours“) allenfalls ein Hintergrundrauschen für einen konventionellen Genrefilm, in dem ein Mann mal wieder tut, was getan werden muss: ballern, hauen, stechen, Knochen brechen - und das auf durchaus niederträchtig-brutalem Niveau. Das psychische Dilemma des Helden, der Gutes vollbringen will, Böses getan hat und wieder tun muss, wird in keiner Weise ausgelotet.

Von Martin Schwickert

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