Beste Schlagzeilen 2013

Bild Dir Deine Zeile

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Vier Überschriften aus der 
Hannoverschen Allgemeinen Zeitung,
die den Sprachexperten besonders 
gut gefallen haben.

Hannover - Der Verein deutsche Sprache kürt gelungene Überschriften in Tageszeitungen – und auch die HAZ schneidet gut ab.

"Bild“ lehnt ab: Chefredakteur Kai Diekmann will die Auszeichnung für die beste Schlagzeile des Jahres 2013 nicht annehmen. Regelmäßig gegen Ende des Jahres kürt eine Jury des Vereins Deutsche Sprache die Schlagzeilen, die ihr am besten gefallen haben. In diesem Jahr kam „Yes we scan!“ - eine Anspielung auf den Wahlkampfslogan von US-Präsident Barack Obama - auf Platz eins. Aber „Bild“, ansonsten ja nicht zauderlich, wenn es um Werbung in eigener Sache geht, mochte sich damit dann doch nicht rühmen. Denn die Schlagzeile stammte gar nicht von der Redaktion, sondern aus dem Netz. Verfasser unbekannt.

Trotz der Verweigerung steht „Bild“ als Sieger da, denn auch auf dem zweiten Platz des Titelzeilenrankings findet sich eine „Bild“-Schlagzeile: „Wir gegen uns“ - über das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Glückwunsch! Weitere gelungene Schlagzeilen sind: „Der Berliner Fluch-Hafen“ über die Verzögerungen beim Berliner Flughafenbau („Süddeutsche Zeitung“, Platz 6), „Die Quadratur des Greises“ zum Thema Senioren-Fitness („FAZ“, Platz 8) oder „Das Leben kann so fado sein“ über traurige Portugiesen („FAZ“, Platz 25).

Gleich mehrmals ist auch die HAZ in der Liste der 30 besten Schlagzeilen vertreten. Und zwar mit „Präsident der Vereinigten Daten“ über Obama und den Abhörskandal (Platz 7), „Das große Brock-Aus“ über das Ende des gedruckten Lexikons (Platz 12), „Aus heiterem Himmel“ über den Rücktritt von Papst Benedikt (Platz 13) und „Supermachtlos?“ über die Situation der USA (Platz 22).

Das freut uns natürlich. Denn, das kann man an dieser Stelle ja mal sagen: Wir geben uns ganz schön viel Mühe mit Schlagzeilen. Eine gute Titelzeile soll vielerlei: Sie muss klarmachen, worum es in dem Text überhaupt geht. Sie soll Lust aufs Lesen machen und im Kopf des Lesers gern ein bisschen nachwirken. Sie muss griffig sein. Und stimmen.

Sie sollte einen Haken haben, der sich im Leserhirn festkrallt. Sie sollte Spaß machen. Sie sollte nicht dumm sein oder sexistisch oder gemein. Sie sollte der Tonalität des Gesamtprodukts entsprechen. Und sie soll in der vom Layout vorgegebenem Größe funktionieren. Die gedruckte Zeitung ist da ziemlich streng: Alles muss passen. Vieles, was sich eigentlich ganz gut anhört, geht dann doch nicht: Entweder es ist zu lang oder zu kurz - oder auch zu bekannt. Eine gute Titelzeile muss nämlich frisch sein. Und zwar unbedingt. Die Zeitung von heute muss immer für morgen sein. Sie darf nicht wie von gestern wirken - wie das manchmal bei Zeilen, die sich an alten Filmtiteln orientieren, der Fall ist. Variationen erfreuen nicht immer. Nach dem Vorbild des Kinofilms „Das Leben der Anderen“ wurden schon Titelzeilen geschmiedet wie „Das Lesen der Anderen“ (Bildungspolitik), „Das Lärmen der Anderen“ (Musikkritik) oder „Das Sterben der Anderen“ (Afghanistan). Irgendwann musste damit Schluss sein: Titelvariationen dieser Art wirkten ausgelaugt - und sind bei Zeitungen, die etwas auf sich halten, längst verboten.

Das Verrückte am Überschriftenerfinden ist, dass es manchmal ganz simpel und manchmal verteufelt kompliziert ist. Manchmal springt einem schon beim Schreiben eines Textes der Titel einfach so entgegen. Dann muss man ihn nur schnell notieren, fertig. Oft aber - und das ist eigentlich die Regel, haben es Redakteure mit Texten zu tun, über denen ein paar Worte stehen, die so tun, als seien sie der Titel, es dann aber doch nicht sind.

Oft fehlt etwas: Glanz, Esprit oder Sinn. Dann fängt die Arbeit an. Im Grunde gibt es hier zwei Schulen: Die einen lesen den betreffenden Text wieder und wieder, und irgendwann haben sie dann ein paar Vorschläge für einen Titel, von denen sie dann die beiden besten nehmen und zu einem neuen verquirlen. Die anderen schauen aus dem Fenster, blicken an die Decke, nippen am Kaffee, schweigen lange und sagen dann vier, fünf Worte - und das sind genau die Worte, die über dem Text stehen müssen. Es ist wie Magie.

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