Interview mit Jerry Bruckheimer

Der Blockbuster-Macher

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Foto: „Wir produzieren ja keine Stoßstangen“: Jerry Bruckheimer.

- Mehr als 16 Milliarden Dollar haben Jerry Bruckheimers Werke im Kino und im Fernsehen insgesamt eingespielt. Am 8. August startet sein neuer Western „Lone Ranger“ mit Johnny Depp in den deutschen Kinos.

Mister Bruckheimer, verraten Sie doch mal die wichtigste Eigenschaft eines erfolgreichen Produzenten.

Er muss etwas von Storys, Themen, Figuren verstehen. Er muss Geschichten finden, die viele interessieren. Er muss Leute davon überzeugen, ihm das nötige Geld zu geben. Und dann braucht er gute Drehbuchautoren, tolle Regisseure und wunderbare Schauspieler.

Ist der Job eines Produzenten härter geworden?

Es kommt darauf an, worüber wir hier reden: Es gibt Hunderte von Fernsehkanälen, die verzweifelt nach Material für Shows suchen. Im Kino dagegen ist der Weg eines unabhängigen Produzenten beschwerlicher geworden. Ich arbeite allerdings immer mit Studios zusammen, in diesem Fall mit Disney, muss also nicht bei Banken vorstellig werden.

Spüren Sie den größeren Druck auf Ihren Schultern?

Der Druck ist immer groß, wenn du das Geld anderer Leute nimmst und die es irgendwann wiederhaben wollen.

Haben Sie schlaflose Nächte?

Immer. Ich überlege dauernd, was schieflaufen könnte.

Auch dann noch, wenn die Vorarbeiten erledigt sind und Johnny Depp und Co. durch Arizona reiten und „Lone Ranger“ drehen?

Dann mache ich mir Sorgen über den nächsten Tag. Ich frage mich zum Beispiel, ob die Pferde gefüttert worden sind ...

Ein Produzent, der Milliarden umsetzt, kümmert sich um die Pferde?

Alles ist mein Job. Wenn irgendwas schiefgeht: Wer wird angerufen? Ich!

Was ist bei „Lone Ranger“ schiefgelaufen?

Das kann ich Ihnen gar nicht alles aufzählen. Die Züge haben nicht funktioniert. Das Wetter machte Probleme: Wir hatten Sand- und Schneestürme, Hitze, Kälte.

Gibt es Momente, in denen Sie denken: Das war’s?

Man trifft immer auf Wände. Und dann muss man entscheiden, ob man drüberklettert, durchgeht oder außenrum.

Bei einem Film mit einem 250-Millionen-Dollar-Budget wie diesem: Fühlen Sie sich da manchmal wie ein Firmenboss?

Na ja, Kreativität wird schon noch verlangt. Wir produzieren ja keine Autostoßstangen.

Am Ende reitet der Lone Ranger wieder hinaus in die Prärie: Heißt das, dass es ein Sequel geben wird?

Keine Ahnung, zumindest ist das eine Option. Es gibt immer noch viel Ungerechtigkeit in der Welt, gegen die der Lone Ranger angehen könnte. Wir mögen jedenfalls Fortsetzungsfilme.

Allerdings stören dabei die desaströsen US-Kritiken. Was denken Sie bei der Lektüre? Und sagen Sie bitte nicht, dass Sie die nicht lesen.

Ich lese wirklich keine Kritiken. Es gibt ein schönes Zitat von Woody Allen: Die guten Kritiken sind nicht gut genug, die schlechten entmutigend. Warum sich also quälen?

Okay, aber die Kasseneinnahmen nehmen Sie wahr: weniger als 50 Millionen Dollar am wichtigen ersten US-Wochenende. Das muss entmutigen.

Kino ist ja kein Inlandsgeschäft, sondern ein globales. „Fluch der Karibik 4“ hat 800 Millionen Dollar außerhalb der USA gemacht. Warten Sie ab.

Sie zittern also noch nicht vor Angst?

Man will immer mehr, als man kriegt.

Bei Ihnen in den USA wird die Frage gestellt, ob der Mann mit der goldenen Nase, wie Sie auch genannt werden, seinen guten Riecher verloren habe.

Manchmal mögen die Zuschauer, was ich mag. Manchmal nicht so sehr. Wenn ich die Erfolgsformel für Hits wüsste, würde ich nie danebenliegen. Aber im Durchschnitt lag ich ziemlich gut.

Momentan wird generell über Blockbuster diskutiert: Manche glauben, es gebe zu viele dieser Eventfilme.

Solange das Publikum kommt, ist alles gut. Wir hatten ziemlich große Erfolge diesen Sommer ...

... und ein paar ziemliche Reinfälle: „World War Z“ oder „White House Down“. Sollte sich Hollywood endlich wieder auf kleinere Filme besinnen?

Wir werden immer große und kleine Filme machen - also auch Eventfilme, auf die die Leute am ersten Wochenende gespannt sind.

Beim „Lone Ranger“ mag es nicht sicher sein, ob er wieder reiten wird. Aber Captain Jack Sparrow segelt bald wieder in die Karibik, richtig?

Wir hoffen das. Wir arbeiten dran.

Wieso? Über Film Nummer fünf ist doch längst entschieden.

Das weiß man nie, bevor der Film nicht im Kino ist. Vorher würde ich für nichts garantieren.

Interview: Stefan Stosch

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