Kritik zu „The Return of the First Avenger“

Blockbusterkino ohne Publikumsverblödung

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Foto: Im Kampf für die Freiheit: Captain America (Chris Evans) und Black Widow (Scarlett Johansson).

Berlin - Captain America hat jetzt ganz irdische Probleme: In der Fortsetzung „The Return of the First Avenger“ verpassen die Regiebrüder Anthony und Joe Russo dem etwas langweiligen Weltenretter ein gründliches Upgrade. Der Film läuft seit dem 27. März im Kino.

Der 1941 zum ersten Mal verlegte „Captain America“ gehört zu den ältesten Comics im „Marvel“-Universum und wurde im Zweiten Weltkrieg für Propaganda-Zwecke kräftig in Gebrauch genommen. Die patriotischen Schmauchspuren waren auch in seinem Kinoauftritt vor drei Jahren deutlich zu erkennen, auch wenn Regisseur Joe Johnston den Helden, der ein hautenges Kostüm in den Farben der US-Flagge trug, nicht ohne Ironie ins Bild setzte.

Anders als die mit ihrer Persönlichkeit hadernden Comicfiguren aus den sechziger Jahren wie Spider-Man, Iron Man oder X-Men präsentierte sich dieser Captain America, der durch ein Serum vom Schwächling zum Muskelmann mutiert, als ungebrochener Gutmensch. In dem unvermeidlichen Sequel „The Return of the First Avenger“ verpassen die Regiebrüder Anthony und Joe Russo dem etwas langweiligen Weltenretter nun ein gründliches Upgrade. Die nostalgische Kulisse des Zweiten Weltkrieges lässt das Nachfolgewerk hinter sich und verortet den Superhelden fest in der Gegenwart.

Hier versucht die polizeiliche Regierungsorganisation S.H.I.E.L.D. unter Leitung des alten Haudegens Nick Fury (Samuel L. Jackson) und des undurchsichtigen Vorstandsvorsitzenden Alexander Pierce (Robert Redford) mit einem hochgerüsteten Totalüberwachungssystem das Böse im Keim zu ersticken und den Frieden auf Erden zu sichern.

„Ihr wollt den Frieden bewahren, indem ihr jedem eine Pistole an den Kopf haltet, und dabei bleibt die Freiheit auf der Strecke“, protestiert Weltkriegsheld Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans). Es dauert nicht lange, da werden das regierungsamtliche Waffenarsenal und der allumfassende Überwachungsapparat von den Finstermännern der Nazi-Nachfolge-Organisation Hydra infiltriert, das Sicherheitssystem selbst wird zur Bedrohung. Captain America sieht sich einem unübersichtlichen Netz von Intrigen gegenüber, das er gemeinsam mit seiner schlagfertigen Kampfgefährtin Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) zu zerschlagen versucht.

Mit deutlichen Verweisen auf die Auswüchse des US-Überwachungswahns in Form von NSA und Homeland Security stellen Anthony und Joe Russo ihren ur-amerikanischen Helden in einen hochaktuellen Kontext. Dabei wird der Konflikt zwischen Freiheits- und Sicherheitsbedürfnis durchaus differenziert ausgefochten.

Aber trotz seiner politischen Implikationen ist „The Return of the First Avenger“ in erster Linie ein Actionfilm – und zwar ein ziemlich guter. Im gefühlten Viertelstunden-Rhythmus werden Verfolgungsjagden und Nahkampfszenen losgetreten. Selten wurde in einem Blockbuster derart kreativ geprügelt. Wenn Captain America und seine Gefolgsleute fast lautlos ein von Piraten gekapertes Schiff zurückerobern, hat die Szene eine katzenartige Geschmeidigkeit, die physische Akrobatik nahtlos mit digitalen Beschleunigungseffekten kombiniert. In einer anderen Szene wird der klaustrophobische Raum eines Aufzuges, in dem sich der Held gegen ein Dutzend Widersacher zur Wehr setzt, kampfchoreografisch fantasievoll ausgelotet.

Zwischen altmodischem Politthriller und modernem Actionkino findet „The Return of the First Avenger“ eine spannungsreiche Balance und verwandelt die Figur des etwas langweiligen Patrioten in einen Helden, der zwischen handgreiflichen Gefechten immer wieder seine Loyalitäten und das eigene Wertesystem befragen muss. Unverschämt unterhaltsames Blockbusterkino ohne Publikumsverblödung – das ist weit mehr, als man von „Captain America“ nach seinem ersten Auftritt erwartet hätte.

Von Martin Schwickert

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