Festliche Stapel

Das Buch ist das klassische Weihnachtsgeschenk

- Ein gewisser Mike glaubt zu wissen, was Frauen sich wünschen. Neben Schmuck und Gutscheinen für Wellnesswochenenden freuten sie sich zu Weihnachten besonders über Bücher.

Ein gewisser Mike glaubt zu wissen, was Frauen sich wünschen. Neben Schmuck und Gutscheinen für Wellnesswochenenden freuten sie sich zu Weihnachten besonders über Bücher. „Bei einem schönen Buch kann frau wunderbar entspannen. Dabei sollten Sie den persönlichen Geschmack Ihrer Liebsten kennen, um keine bösen Überraschungen zu erleben“, erklärt Mike im Internet. Bei den vielen Titeln könne man allerdings schon mal den Überblick verlieren.

Da hat der Mann recht – sowohl was die mögliche Verwirrung angeht, die die mehr als 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr anrichten können, als auch mit der Beliebtheit von Büchern als Weihnachtsgeschenk. Laut aktuellen Umfragen wünschen sich die Deutschen – nach Geschenkgutscheinen etwa für Kino- oder Theaterbesuche – vor allem Bücher unterm Baum.

Manchmal leben Totgesagte eben doch länger. Die Klage über den Niedergang der Lesekultur ist alt und die Sorge, dass Internet, Computerspiele und Fernseher gerade viele Kinder und Jugendliche vom Lesen abhalten, berechtigt. Zu den Weihnachtstagen aber scheint das alles nicht zu gelten. Die Buchgeschäfte sind übervoll. Ein Viertel seines Umsatzes macht der Buchhandel in der Vorweihnachtszeit; im Jahr 2008 erwirtschaftete er allein im Dezember 17,1 Prozent des Jahresumsatzes. In diesem Jahr wird sich an dieser Tendenz wohl nichts ändern. Zwar sind die Verkäufe am vierten Adventssonnabend hinter den Erwartungen zurückgeblieben, dafür aber gab es im November ein Umsatzplus von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Auch in Hannover läuft das Weihnachtsgeschäft gut. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Tobias Janus, Niederlassungsleiter von Lehmanns Buchhandlung, es laufe sogar etwas besser als im Vorjahr. Auch bei Leuenhagen & Paris ist man sehr erfreut. „Im Weihnachtsgeschäft entscheidet es sich ja immer auf den allerletzten Metern“, so Dirk Eberitzsch, „aber ich habe den Eindruck, dass wir das Vorjahr übertrumpfen.“

Insgesamt hat sich der Buchhandel in diesem Jahr gut behaupten können. Er hat sich in wirtschaftlichen Krisenzeiten nicht nur als stabil erwiesen, sondern seinen Umsatz wahrscheinlich sogar etwas steigern können. Die endgültigen Zahlen werden erst in einigen Wochen vorliegen, aber für das erste Halbjahr hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels ein Plus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angegeben.

Allerdings zeigt sich auch rund ums Weihnachtsgeschäft, was den Markt seit geraumer Zeit prägt: Immer mehr Kunden erledigen ihre Einkäufe im Internet – und den großen Umsatz bringen immer weniger Titel. In Hannover gehen zwar auch zahlreiche regionale Bücher über den Verkaufstisch, doch deutschlandweit sind Bestseller wie Dan Browns „Das verlorene Symbol“, Frank Schätzings „Limit“ und Alfons Schuhbecks Kochbuch „Meine Küche der Gewürze“ die Renner. Erfolg macht erfolgreich. Davon profitiert im diesjährigen Weihnachtsgeschäft auch die rumäniendeutsche Autorin Herta Müller. Der neue Roman der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin, „Atemschaukel“, verkauft sich prächtig – obwohl Müller als anspruchsvolle Erzählerin gilt und die Handlung nicht eben weihnachtlich-heimelig ist: Der Roman handelt vom Überleben der Rumänendeutschen, die nach 1945 in Stalins Arbeitslager gesperrt worden waren.

Über die Gründe, warum diese Titel und überhaupt so exzessiv Bücher und Hörbücher zu Weihnachten verschenkt werden, lässt sich nur mutmaßen. Manchmal ist das Buch sicherlich ein Verlegenheitsgeschenk, weil einem sonst nichts anderes einfällt. Zumal es im Vergleich zu vielen anderen Geschenken relativ preiswert ist. Oft aber sind mit Romanen und Sachbüchern Ansprüche und Ambitionen verbunden: Der Beschenkte möge sich unterhalten und entspannen; manche Bücher sind auch als Begleiter oder Ratgeber in schwierigen Lebenssituationen gedacht. Der Glaube ans alte Medium Buch ist in politisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten sogar besonders fest.

Nicht zu vergessen all die Tanten und Onkel, Eltern und die Großeltern, die Sorge haben, dass die lieben Kleinen das Lesen verlernen. Kinderbücher werden – neben der Belletristik – besonders häufig zu Weihnachten verschenkt, gerade von Großeltern. Die Generation 50plus ist dem Buchhandel sehr treu: Ihnen – vor allem den solventen Rentnern – ist das Buch näher als das Internet. So sind sie es auch, die dem Buchhandel während des gesamten Jahres Umsatz bringen.

„Bücher erfreuen und nützen, das wusste schon Aristoteles. Bessere Gründe für ein Weihnachtsgeschenk kann es kaum geben.“ So erklärt Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, die Buchlust zum Heiligen Abend. Oft beschenkt sich der Geber mit einem Buchpräsent jedoch vor allem selbst: mit der behaglichen Illusion, dass die Großen und Kleinen gemeinsam im Wohnzimmer sitzen und lesen. Natürlich nur gute Bücher.

Allerdings: Wie viele der Titel, die morgen unterm Baum liegen, tatsächlich gelesen werden, ist nicht bekannt.

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