Tui-Arena in Hannover

Cirque de Soleil macht auf Michael Jackson

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Der schwarze Hut, der weiße Handschuh, der Griff in den Schritt: Der kanadische Cirque de Soleil spürt in der TUI Arena dem „Mythos“ Michael Jackson nach.

Hannover - Bunt, spektakulär, rauschhaft, spielerisch, mit kindlicher Freude: Was die Akrobaten, Musiker und Tänzer auf der „Immortal“-Tourproduktion auf die Beine und alle möglichen anderen Körperteile stellen, hätte auch Michael Jackson selbst gefallen.

Was wissen wir eigentlich über Michael Jackson? Was wollen wir wissen? Was wollen wir von dem, was wir wissen, behalten? Seit seinem Tod, der auch schon wieder dreieinhalb Jahre her ist, wird die umstrittenste, mystifizierte Kunstfigur der Popgeschichte ausgeschlachtet.

Biografien von selbsternannten Experten, Dokumentationen über halbfertige Showproduktionen, verworfene Aufnahmen. Dazu Tanzshows, die das King-of-Pop-Ding in seiner ikonografischen Fülle für zwei Stunden aufleben lassen. Auch der kanadische Cirque de Soleil reiht sich in die Schar derer, die dem „Mythos“ nachspüren. Wenn es denn überhaupt einer ist.

Der Sonnenzirkus macht es wie zu erwarten aufwendiger als andere. Vielleicht kommt die kanadische Traumfabrik dem „Neverland“-Traum des Künstlers sogar am allernächsten. Bunt, spektakulär, rauschhaft, spielerisch, mit kindlicher Freude - was die Akrobaten, Musiker und Tänzer auf der von Jamie King inszenierten „Immortal“-Tourproduktion auf die Beine und alle möglichen anderen Körperteile stellen, hätte dem Bewunderten selbst gefallen. Am Mittwoch staunten rund 8000 Menschen in der hannoverschen TUI Arena mit.

Die Show hangelt sich in großen Schritten unter Auslassung aller Brüche an der Biografie Jacksons entlang. Kindheit, Wunderkindheit, Ewigkindheit. Stangen, Seile und viele Projektionen auf einer mehrfach geteilten Riesenleinwand - wie beim Cirque de Soleil üblich, spielt sich das Geschehen nicht nur auf den Boden ab, sondern auf allen Ebenen. Der Wechsel zwischen schnell und langsam, zwischen oben und unten, zwischen laut und leise versetzt die ganze Show in eine große Wellenbewegung, die vergessen macht, dass es eigentlich nur eine wenn auch extrem luxuriöse Nummernrevue ist. Und trotzdem fehlt der elegante Zauber, der die kanadischen Fantasiemacher sonst umgibt.

Mehr als an seinen Lebensstationen macht der Abend an Posen und Devotionalien Halt: Der schwarze Hut, der weiße Handschuh, der Griff in den Schritt, der Moonwalk, der Zombietanz und - ein Muss für Fans - der Trickmove aus dem Video zu „Smooth Criminal“, bei dem Jacko und seine Tänzer plötzlich in einer anatomisch unmöglichen Schräglage stehen. Man merkt erst hier, wie viele Tanzbewegungen es gibt, die man sofort und eindeutig Michael Jackson zuordnet.

Über die Musik muss man kaum sprechen. Alles Hits - allerdings bemerkenswerterweise live und in Remixversionen gespielt mit der hinzugemischten Konservenstimme des Popkönigs. Einerseits muss man sich so nicht über Sänger ärgern, deren Stimme gegen die des Meisters zwangsweise verblassen würde. Andererseits dominiert Jackson so die Show, und sie macht sich ihm leider zu oft untertan.

Bis nach Hause nimmt man den kunstvoll Wiederbelebten im Kopf mit, dann ruht er wieder in Frieden. Unsterblich ist er ja sowieso.

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