Konzert

Jan Delay bringt 3000 Fans in der AWD-Hall zum Tanzen

- Viel los an den Garderoben in der AWD-Hall: Es ist Herbst, und drinnen spielt Jan Delay, dessen Fans auch sonst gerne dicke Jacken tragen. Doch heute gibt’s Tanzsport in der Mehrzweckhalle, und da muss die Jacke draußen bleiben. Es ist in jeder Hinsicht eine heiße Show.

Nach Roger Cicero am vergangenen Freitag ist erneut ein musikalisches Großaufgebot am Start. Der Hamburger Entertainer hat elf Mann mitgebracht, Sängerinnen und Bläser inklusive. Doch während Cicero mit Soul und Swing die Menschen erst von den Sitzen reißen musste (was gelang), geht hier von Beginn an die Post ab. Jan Delay macht Party, basta. Zwei Stunden Spaßgesellschaft. Krise? Welche Krise?

Auch er trägt Hut, wie der Anzug in Blau und teuer – der Wandel des ehemaligen Hiphoppers vom Schlabberlookträger zum Stilguru scheint vollendet. Vielleicht ist es aber auch nur der Anlauf zur nächsten provokativen Kehrtwende. Man weiß es bei ihm nie so genau. Der 33-Jährige macht die Rampensau, den unermüdlichen Einpeitscher. Für Nuancen ist keine Zeit, das Leben ist kurz, und in Delays Eimsbütteler Universum geht die Welt nun mal tanzend zugrunde. Mit dem Funk und Soul seiner zwei letzten CDs „Mercedes Dance“ und „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“, die musikalisch ziemlich auf einer Linie liegen, sowie ein paar Covereinsprengseln, kann er locker zwei Stunden Dampf machen.

Die Band spielt unglaublich auf den Punkt, die Bläser fetten den ohnehin satten Sound noch mächtig an, es groovt wie die Hölle. Doch auch der Frontmann lässt nicht locker. Delay ist ein tanzender, hüpfender, hampelnder Animateur, macht den Blues Brother und geht auch zwischen den Songs unermüdlich auf die knapp 3000 Fans im Saal ein. Mit seinem Hamburger Kumpel, dem Bo, der auch das Aufwärmprogramm übernommen hat, rappt er dessen „Türlich, türlich“. Er witzelt über „Klaus Meines Beats“, die der Scorpions-Sänger ihm zugeschickt habe, und die er nun endlich mal zu Gehör bringen wolle.

Dass es die Fans hinten auf der Tribüne schon nach einer knappen halben Stunde nicht mehr auf ihren Sitzen hält, ist aber nicht allein sein Verdienst: „Aufstehn, aufstehn!“ skandieren die Steh- und Tanzplatzinhaber vorn, und unter großem Gejohle erhebt sich auch der Rest.

Nachdem er eine Dreiviertelstunde den „Bahnhof Soul“ vorgestellt hat, wendet er sich langsam den alten Hits wie „Klar“ und „Feuer“ zu, die er in den Vorjahren im Capitol und beim Plaza-Fest vorgestellt hatte. Dass er das Medley dabei nicht scheut, hat weniger mit Zusammenfassung zu tun als mehr mit dem Bestreben, die Party nicht abreißen zu lassen. Er fordert das, was Jogi Löw vermutlich „högschde Tanzdisziplin“ nennen würde. Beim Hamburger Jan heißt das „Hannover – was geht ab?“, trifft es aber auch. Das Wichtigste ist schließlich, „dass das Feuer nicht aufhört zu brennen“. Darum muss sich an diesem Abend wirklich niemand Sorgen machen.

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