Nach Karneval

Düsseldorf bereitet sich auf den Song Contest vor

- Noch ist die Grand-Prix-Stimmung nicht auf Düsseldorf übergeschwappt, und das obwohl die Vorbereitungen schon auf Hochtouren laufen: Statt den Eurovision Song Contest einfach auf sich zukommen zu lassen, plant man im Düsseldorfer Rathaus geradezu generalstabsmäßig.

Kunterbunt soll es zugehen, wenn im Mai die Song-Contest-Fans aus aller Welt auf Düsseldorf blicken. Doch beinahe mehr noch als das schillernde Event scheint derzeit ein grauer Betonstein namens „Umbriano“ zum Stadtgespräch zu taugen. Mit dieser Pflastersorte wird die Düsseldorfer Altstadt neu gestaltet - und das gefällt nicht jedem. Kommunalpolitisches Kleinklein anstelle von großem Glamour: Im Austragungsort der weltgrößten Musikveranstaltung ist elf Wochen vor der Show am 14. Mai noch wenig von Grand-Prix-Enthusiasmus zu spüren.

Ohnehin könnte man meinen, der erste Song Contest in Deutschland seit 28 Jahren stünde unter keinem guten Stern. Lena - einst als „Fräuleinwunder“ gefeiert - gilt vielen inzwischen vor allem als One-Hit-Wonder. Die dreiteilige Dauer-Lena-Sendung „Unser Song für Deutschland“ enttäuschte denn auch bei den Einschaltquoten. Und was Lenas Übervater Stefan Raab anbelangt: Seiner sind sogar viele der härtest gesottenen Song-Contest-Fans überdrüssig.

Von der negativen Aura wollen sich die Verantwortlichen im Düsseldorfer Rathaus nicht anstecken lassen - erhofft man sich doch einen gewaltigen Imagegewinn für die bisweilen etwas bieder geltende Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. „Natürlich freuen wir uns, wenn Lena wieder gut abschneidet und fiebern mit ihr mit“, sagt Oberbürgermeister Dirk Elbers (CDU). Aber: „Für uns zählt das gesamte Ereignis.“ Davon, dass die schlechte Presse für Lena auch auf Düsseldorf abstrahlen könnte, will er nichts wissen.

Doch auch die von Elbers eigens eingerichtete Taskforce im Rathaus musste bereits Kritik einstecken. Von einem „Stolper-Start ins ESC-Jahr“ berichtete unlängst die „Bild“-Zeitung - und störte sich zum Beispiel daran, dass der Musikwettbewerb bis auf ein paar Fahnen bisher nicht sichtbar sei in der Stadt.

Im Rathaus reagiert man verschnupft auf so was. Mit „verdammt viel Druck“ arbeite man daran, dass sich Düsseldorf als guter Gastgeber präsentiere, heißt es dort. Und Elbers zeigt sich sicher: Nach Karneval werde der ESC nach und nach im Stadtbild zu sehen sein. „Zum Beispiel an den öffentlichen Gebäuden, in den Schaufenstern der Geschäfte und an unseren Veranstaltungsstätten.“

Ähnlich sieht es der Düsseldorfer Designer Rene Küpper. Sein Auftrag lautet, ausgewählten Gästen zum Song Contest die schönsten Seiten seiner Stadt zu zeigen. „Ich denke, es brodelt schon einiges unter der Oberfläche“, sagt er. Das Medieninteresse steige. Schon jetzt habe er einige Journalisten herumgeführt. „Im März geht es massiv los“, prophezeit Küpper.

Im März will dann auch die „Exit“ - das ist ein schwules Magazin für Düsseldorf und das Ruhrgebiet - „mit den neuesten Details über das anstehende Großevent“ aufwarten, wie Chefredakteur Lars Lienen ankündigt. Der Song Contest, der als eine Art schwule Olympiade gilt, werde in der Szene mit großer Begeisterung erwartet.

Dass die Vorfreude der Düsseldorfer bisher kaum öffentlich sichtbar ist, liegt vielleicht auch an deren Gelassenheit. „Lott se kumme“, beschreibt ein gebürtiger Düsseldorfer, der sich schon längst Tickets für den ESC gesichert hat, die Stimmung in der Stadt. „Lott se kumme“ ist Platt und heißt so viel wie: „Lass sie ruhig kommen, die Gäste! Wir Düsseldorfer werden das schon schaffen.“

dpa

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