Neue BBC-Serie

Englishman unter Palmen

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ZDFneo zeigt ab Montag die britische Krimiserie "Death in Paradise".

Hannover - Zwischen Komik und Klischee: ZDFneo zeigt ab Montag die britische Krimiserie "Death in Paradise".

Ausgerechnet die Karibik. Detective Inspector Richard Poole hätte es kaum schlimmer treffen können. Poole ist stolzer Londoner, und als solcher mag er es nicht, beruflich versetzt zu werden. Schon gar nicht auf die Karibikinsel Saint Marie. Dorthin, wo Sandkörner den blank polierten Herrenschuh porös werden lassen, wo die Sonne brennt und aus jeder Ecke ein Leguan glotzt. Aber Pflicht ist Pflicht, und die versieht Poole nach feiner englischer Art. Nur ein leiser Fluch entfährt ihm, als er seinen schick beschuhten Fuß auf die Tropeninsel setzt. Und schon im nächsten Moment richtet er seinen Krawattenknoten, streicht das Revers glatt und macht sich an die Arbeit. Er soll klären, wer seinen Vorgänger, Detective Inspector Charlie Hulme, erschossen hat.

Charlie Hulme ist das ziemliche Gegenteil vom zugeknöpften Poole. Ein locker-lässiger Typ im Hawaii-Hemd, der gern mal bei den Cocktailpartys der High Sno­bie­ty vorbeischaut. Bis er auf einer von ihnen den Tod findet, und zwar im abgeriegelten Schutzraum eines noblen Anwesens - in einem Schutzraum, der sich nur von innen verschließen lässt. Die Partygesellschaft schreckt auf, als der Schuss knallt, jemand huscht durchs Gebüsch, eine Vase geht zu Bruch, und aus den Scherben soll nun Poole den Tathergang rekonstruieren.

Der Spartensender ZDFneo hat die richtige Zeit gewählt, um die erste Staffel der BBC-Serie „Death in Paradise“ in Doppelfolgen auszustrahlen. Denn wer zurzeit nicht verreist ist, aber nach Feierabend nach Urlaubsimpressionen dürstet, der findet in den hübschen Südseebildern der Serie ein wenig Trost; auch wenn die Commonwealth-Insel Saint Marie nur ausgedacht ist. Gedreht wurde auf dem französischen Überseedepartement Guadeloupe. Doch doch, es gibt wirklich hübsche Flecken auf dem Planeten. Schade nur, dass Inspector Poole sein Glück nicht zu schätzen weiß. Stattdessen rümpft er über seinen kaputten PC die Nase, schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als er von der wochenlangen Bearbeitungszeit der Forensiker erfährt, und findet keine Worte für den Umstand, dass DNA-Analysen auf Saint Marie eher nicht durchführbar sind.

Schrullige Typen, zumal Ermittler, können sich der Publikumssympathien sicher sein. Miss Marple, Columbo, Wallander - ein wenig Blasiertheit und Misanthropie sind beste Qualitäten für eine Karriere als TV-Ermittler. Das Problem bei Poole (Ben Miller) ist allerdings, dass er eher überpedantisch denn schräg-sympathisch rüberkommt. Das liegt vor allem daran, dass die Serienmacher im Bemühen um komische Momente nicht mit Stereotypen sparen. Hier der beflissene Brite, dort die fröhlich-trägen Insulaner, die oft genug als koloniale Klischeekulisse herhalten müssen. Und aufmerksam lauschen, wenn der Brite mit ernster Miene verkündet: „In diesem Fall ist alles anders, als es scheint.“

Zum Ende der ersten von acht Folgen tritt Pooles neue Kollegin Camille (Sara Martins) ins Bild; eine toughe Einheimische, die dem steifen Poole im Laufe der Staffel sicherlich bei der Integration in die Inselgesellschaft behilflich sein wird. Und vielleicht schaffen sie es ja gemeinsam, das geglückt komische Rätsel um die herrenlose Ziege zu lösen. Die nämlich taucht plötzlich in der Polizeihütte auf. Einfach so, was sie zur Verdächtigen macht. In welchem Fall auch immer. Das Tier kommt in eine Einzelzelle. Aber anders als Poole hadert die Ziege kein bisschen mit ihrer neuen Umgebung.

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