„Tod in Istanbul“

Ferch und Vogel schweigen im ZDF-Krimi

- Die großen Schweiger: Heino Ferch und Jürgen Vogel schweigen sich im ZDF-Krimi „Tod in Istanbul“ an. Der Film unter der Regie von TV-Routinier Matti Geschonneck kommt am Montag um 20.15 Uhr.

Pokern möchte man mit diesen Polizisten eher nicht. Die allermeisten setzen im ZDF-Montagskrimi „Tod in Istanbul“ ausdruckslose Gesichter auf, besonders die Herren und Damen vom Bundeskriminalamt. Die Kriminalisten stehen dann da, egal ob am Bosporus oder am Rhein, lassen bohrende Fragen auf sich herunterprasseln, und dann sagen sie nichts. Oder nur ganz wenig.

Das liegt entweder daran, dass sie keine Ahnung haben, in welches Spiel sie geraten sind oder dass sie ihr eigenes Süppchen kochen. Vielleicht steht aber auch im Drehbuch von Hannah Hollinger: Bitte jetzt vielsagend schweigen. Erklärungen später.

Schon bald ist zumindest klar, dass die schöne Tote im Istanbuler Hotel nicht im Zentrum steht – auch wenn sie zu Lebzeiten so ziemlich allen Männern in diesem Film den Kopf verdreht hat, wie sich nach und nach herausstellt. Bloß bleibt das Behauptung: Die Frau darf nur mal eben über den großen Basar von Istanbul hasten (warum auch immer, wollte sie noch schnell ein paar Teppiche einkaufen?), und dann muss sie auch schon sterben.

Zwei Männer schauen in Minutenabständen in ihrem Hotel vorbei: erst der verdeckt in Waffengeschäften ermittelnde BKA-Mann Jo Weiß (Jürgen Vogel) und dann Hauptkommissar Mark Kleinert (Heino Ferch), der an diesem Tag einen Kleinkriminellen nach Istanbul überführt hat.

Diese Konstellation lässt auf gute Unterhaltung unter der Regie von TV-Routinier Matti Geschonneck hoffen: Heino Ferch und Jürgen Vogel zusammen in einem Krimi. Tatsächlich können die zwei schöner schweigen als die meisten anderen. Die beiden könnten aber auch ein bisschen mehr spielen, am besten vielleicht gegeneinander und mit ordentlich Körpereinsatz. Dieses Duell hätte man gerne gesehen. Dazu haben sie jedoch keine Gelegenheit. Weiß und Kleinert ziehen sehr bald an einem Strang, auch wenn sie nicht so genau wissen, an welchem. Damit werden schon mal viele Chancen verschenkt in diesem Film.

Einmal zumindest spricht Weiß gegenüber seiner kühl temperierten Vorgesetzten Susanne Wahlberg (Ina Weisse) in kurzen, knappen Sätzen aus, worum es hier geht: um ein Kurzstreckenraketensystem. „Die Russen stecken mit drin. Die Adresse ist im Iran. Abgewickelt wird die Sache über Istanbul.“ Oder so ähnlich. Und jetzt sind die Sprengköpfe abhanden gekommen. Irgendwer beim BKA scheint auf eigene Rechnung Bestellungen entgegenzunehmen. Vielleicht Wahlberg oder doch Chef Kurt Herder (Peter Simonischek)?

Zweifellos ist es zu begrüßen, wenn mal ein paar mehr dubiose Gestalten durch einen Krimi geistern als üblich und dem oft unterforderten Fernsehzuschauer Rätsel aufgeben. Nur muss das Ganze sinnvoll motiviert sein, die Kunst der Verknappung und das große Schweigen müssen der Unterhaltung dienlich sein.

Hier wird das Krimi-Konstrukt eher notdürftig zusammengezurrt, das schauspielerische Potenzial liegt brach, während die üblichen touristischen Schauplätze Istanbuls abgefilmt werden. Der schönste Moment ist der, in dem sich Kleinert und Weiß endlich mal in einem ganz normalen Kebab-Restaurant begegnen. Groß rückt die Kamera das Schild ins Bild, und dann erst wird klar, dass der Laden nicht am Bosporus, sondern in Deutschland steht. Das ist doch immerhin mal eine kleine Irritation mit gelungener Pointe.

„Tod in Istanbul“ am Montag um 20.15 Uhr im ZDF

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