Interview

Festspiel-Intendantin Schweeger: „2010 geht es um die Macht des Spiels"

- Hannovers Festspiel-Intendantin Elisabeth Schweeger spricht im Interview über die Öffnung der Künste und die Neugier auf Fremdes.

Frau Schweeger, wie ist jetzt Ihr Verhältnis zur hannoverschen FDP-Fraktion?

Gut. Sehr gut. Wir hatten in der Fraktion ein gutes Gespräch miteinander.

Sie wurden als neue Intendantin des Festivals in Herrenhausen besonders von der FDP im Rat nicht gerade freundlich empfangen. Was für ein Gefühl war das für Sie am Anfang in Hannover?

Mein erster Eindruck war: angenehm! Die letzten Festwochen sind gut gelaufen. Es war ja so eine Art Zwischenspiel zwischen dem alten Festival und dem neuen. Ich dachte: Schön, die Leute kommen, sind interessiert, es war zwar nicht immer voll, aber die Reaktion in den Medien war sehr gut. Also habe ich mich eher beruhigt gefühlt. Die Diskussion um ästhetische Fragen, Platzausnutzung und Freikartenvergabe begann ja erst später.

Haben Sie damit gerechnet, dass es zu einer Diskussion über die Vergabe von Freikarten kommen würde?

Nein. So eine Diskussion ist kontraproduktiv.

Warum haben Sie nicht frühzeitig zur Klärung der Vorwürfe beigetragen?

Ich konnte da nichts klären, weil ich zu der Zeit noch gar nicht für das operative Geschäft zuständig war.

Jetzt ist es Ihnen gelungen, viele Leute für Ihre Kunstfestspiele in Herrenhausen zu begeistern. Sind die Sponsoren alle im Boot?

Ja. Das ist schon einmalig in dieser Zeit. Aber ich schaue natürlich, ob ich für die kommenden Jahre weitere Partner oder Koproduzenten für neue Projekte finde.

Was waren Ihre wichtigsten Argumente, um die Sponsoren zu überzeugen?

Das war natürlich mein Konzept für die Kunstfestspiele, die Einmaligkeit des Standortes und der politische Wille, da einen Schwerpunkt setzen zu wollen. Ich kann nur über den Inhalt überzeugen.

Im Kern Ihres Konzept steht das Motiv des Spiels und der Gedanke vom Miteinander der unterschiedlichen Künste.

Ja. Als Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann mit mir über ein neues Festivalformat für Herrenhausen gesprochen hat, war schnell klar, dass Leibniz eine Art Pate des Festivals werden würde. Klar war auch, dass Musikproduktionen weiter im Zentrum des Festivals stehen werden, schließlich waren die Festwochen Herrenhausen ja auch ein Musikfestival. Alles andere addiert sich dazu, ganz im Sinne von Leibniz, der stets die Öffnung der Künste und die Neugier auf anderes propagiert hatte.

Ist Leibniz wirklich eine Figur, die sich gut fürs Marketing eignet?

Es geht nicht um Werbung mit Leibniz. Man kann an seine Ideen anknüpfen und sie weiterdenken. Man sollte aber nicht bei Leibniz stehen bleiben. Leibniz war immer auf die Zukunft ausgerichtet. Er war ein Experimentierer, und er war grundsätzlich für das Neue aufgeschlossen. Diesen offenen Geist müsste das Festival im Grunde auch formulieren. Auch deswegen habe ich mich für die Verschränkung der Künste entschieden.

Aber Offenheit des Denkens und Neugier sind noch keine Erfolgsgaranten.

Nein, natürlich nicht. Aber sie formulieren, dass eine Stadt, ein Ort, ein Festival zukunftsorientiert und dem Neuen, Anderen oder Fremden gegenüber aufgeschlossen ist. Und was ist schon eine Erfolgsgarantie? Erfolg hängt immer von den einzelnen Produktionen ab. Wenn man da nur auf Event setzt, wird es uninteressant. Dafür sind andere Veranstaltungen nötig, die man auch braucht, aber das kann nicht die Ausrichtung dieser Kunstfestspiele sein. Das entspräche auch nicht dem Auftrag, den ich erhalten habe. Es geht darum, inhaltliche Arbeit vorzulegen. Deswegen habe ich mich für ein Thema entschieden, an dem sich die verschiedenen Produktionen abarbeiten werden.

Das Thema ist das Spiel.

Ja, für 2010 geht es um die Macht des Spiels. Wir fragen uns, wie viel Spiel eine Gesellschaft braucht und wann dieser Spieltrieb sich auch umkehren kann. Es ist ein durchaus barockes Thema, aber sehr aktuell.

Wie ist denn die Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Hannover?

Besonders mit Michael Klügl von der Staatsoper arbeite ich sehr eng zusammen. Wir versuchen gemeinsame Projekte zu machen. Auch mit dem Sprengel Museum soll es 2014 ein Projekt geben. Da sind schon einige erste Schienen gelegt.

Es gibt aber auch eine Konkurrenz­situation. 2010 geht das Festival „Theaterformen“ ungefähr zu der Zeit über die Bühne, zu der auch die Kunstfestspiele Herrenhausen stattfinden.

Wir haben das verabredet, weil die Theaterformen 2010 in Braunschweig spielen und wir das nicht als ein Problem ansahen.

Wie soll es aber 2011 werden? Werden zwei Sommerfestivals zur selben Zeit in Hannover stattfinden?

Nein, das werden wir trennen. Die Kunstfestspiele sind Anfang Juni, die Theaterformen Ende Juni, Anfang Juli. Wir hatten uns vor einem Dreivierteljahr zusammengesetzt und die Probleme besprochen. Die Theaterformen hängen immer an den Theaterferien der Schauspielhäuser, die Festspiele in Herrenhausen hängen traditionell am Juni. Im Mai kann ich den Garten noch nicht richtig benutzen, und es soll ja ein Festival auch für den Garten sein. Im Juli ist das „Kleine Fest“, im August das Musical, außerdem ist es von Juli an immer schwierig, Orchester zu engagieren, weil die dann bei den großen Festivals sind.

Manchmal hat man den Eindruck, dass es heute nicht einfach ist, Kultur an den Mann zu bringen. Die Zeiten, in denen jede Premiere immer automatisch ausverkauft war, scheinen vorbei zu sein.

Wir haben in wirtschaftlicher Hinsicht nicht gerade die leichteste Zeit. Für viele Leute sind 20 Euro für eine Karte viel Geld. Aber deswegen kann man doch nicht aufhören, Schauspiel oder Oper oder Kunst zu machen. Das, was jetzt in Wuppertal passiert, nämlich die drohende Schließung des Theaters, halte ich für eine Katastrophe. Da wird eine Stadt in geistige Armut geworfen – die auch eine wirtschaftliche Armut nach sich ziehen wird, denn wer zieht schon in eine Stadt, in der gar nichts angeboten wird?

Wann beginnt der Kartenverkauf für die Kunstfestspiele in Herrenhausen?

Im Februar. Ich hätt’s gern früher gehabt, aber es geht leider nicht.

Und wie viele Freikarten wird es geben?

Es gibt wichtigere Themen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare