TV-Kritik: „Friesland: Aus dem Ruder“ (ZDF)

Mit Sportsgeist in die Mordermittlung

Henk Cassens (Maxim Mehmet, r.) und Kriminalhauptkommissar Brockhorst (Felix Vörtler, l.) finden verdächtig wirkende Pillen.
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Henk Cassens (Maxim Mehmet, r.) und Kriminalhauptkommissar Brockhorst (Felix Vörtler, l.) finden verdächtig wirkende Pillen.

Im zehnten Film der ZDF-Reihe „Friesland“ werden die Stärken der Reihe betont und amüsante Details liebevoll eingebettet. TV-Kritik.

  • Die ZDF-Krimireihe „Friesland“ wird seit 2014 ausgestrahlt
  • In der zehnten Folge, „Aus dem Ruder“ werden die Mordermittlungen sportlich
  • Gelegenheitsdetektivin Insa Scherzinger und Kommissar Brockhorst ermitteln

In der seit 2014 ausgestrahlten ZDF-Krimireihe „Friesland“ gibt es keine episodenübergreifenden Handlungselemente. Wer erstmals zuschaut, wird keine Verständnisschwierigkeiten haben. Und doch sprechen die wechselnden Autoren nicht zuletzt ihre Stammzuschauer an, mit sachten Veränderungen in den Figurenbeziehungen oder auch augenzwinkernd servierten Running Gags.

Wenn der Bestattungsunternehmer Habedank (Holger Stockhaus) sich seiner selbstgebackenen Plätzchen rühmt, die nach einem „lustigen Rezept“ gefertigt wurden, dann ist es gut zu wissen, dass Habedank im Nebenberuf eine Hanfplantage betreibt. Ahnt Kommissar Brockhorst (Felix Vörtler), was er gerade mit Behagen verknuspert?

ZDF-Reihe „Friesland“: Brockhorst wurde von Wilhelmshaven nach Leer versetzt

Noch immer hat Brockhorst nicht verwunden, dass er von Wilhelmshaven nach Leer versetzt wurde. Ein wenig Trost fand er beim gemeinsamen Angeln mit Claudia, einer Kollegin aus der Verwaltung, zugleich eine ausgezeichnete Ruderin, die an der Seite von Julia Waller (Kristin Suckow) bei einer traditionellen Regatta gegen die Wilhelmshavener Dienststelle antreten wollte. Brockhorst glaubte den Sieg schon sicher, doch dann krampft Claudia während des Trainings, fällt über Bord und kann trotz des beherzten Einsatzes von Streifenpolizist Henk Cassens (Maxim Mehmet) nicht gerettet werden.

Claudia litt an einer Herzschwäche, offenbar hatte sie sich zu viel zugemutet. Doch kaum hat Bestatter Habedank den Transportsarg in den Kombi verfrachtet, steht wie aus dem Nichts Insa Scherzinger (Theresa Underberg) an seiner Seite. Im Hauptberuf Apothekerin, drängt sie bei jeder sich bietenden Möglichkeit unaufgefordert als ehrenamtliche Ermittlerin und privat praktizierende Rechtsmedizinerin ins Geschehen. Auch in diesem Fall, der doch so klar zu sein scheint, meldet sich ihre Intuition. Habedank weist sie zurecht: „Du bist Apothekerin, Insa. Und gegen den Tod ist leider kein Kraut gewachsen.“

ZDF-Reihe „Friesland“: Unter dem Schutz des Gesetzes

Doch natürlich behält Insa recht. Und dieses Mal hat sie ausnahmsweise Brockhorst, der sie ansonsten am liebsten auf eine ferne Insel verbannen würde, auf ihrer Seite. Denn um den Mörder Claudias, mit der er platonisch verbunden war, zu finden, geht er ausnahmsweise auch einmal außerdienstplanmäßige Wege. Verzichten muss das Stammpublikum auf die Mitwirkung der klugen und ehrgeizigen Streifenpolizistin Süher Özlügü (Sophie Dal). Dafür tritt wieder ihr Bruder Yunus (Yunus Cumartpay) stärker in das Geschehen ein.

Eine schöne Nebenhandlung, wie überhaupt das Autorenteam Magdalena Grazewicz und Thomas Gerhold die Kriminalgeschichte mit diversen amüsanten Kleinigkeiten garniert, darunter sehr unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten für ein Ruder, im Fachjargon „Skull“. Leicht übersieht man kleine Gags wie die vielsagenden Namen der Ruderboote: „Lohn der Angst“ und „Lege vendice“ – „Unter dem Schutz des Gesetzes“.

ZDF-Reihe „Friesland“: Insa geht ins Rennen

Erstmals wurde ein „Friesland“-Film von Martina Plura inszeniert, teils unterstützt von ihrer Zwillingsschwester Monika, die zugleich für die Bildgestaltung verantwortlich zeichnet. Auch diese beiden haben einen besonderen Blick fürs Detail. Da stoppt mal ein Auto knapp vor einem Fischkopf, und im Krankenhaus wird noch schnell eine Gebärende durchs Bild geschoben, die mit der Geschichte nichts zu tun hat, die Szene aber originell abrundet. Eine nur scheinbar konventionelle Inszenierung also, der genauere Blick wird belohnt.

Das Kapital der Serie bleibt weiterhin die passionierte Gelegenheitsdetektivin Insa Scherzinger. Es wird nie langweilig, ihr zuzusehen, wie sie den griesgrämigen Brockhorst schelmisch um den Finger wickelt, mit List und Charme Verdächtige aushorcht oder sich auch mal in mörderische Schwierigkeiten bringt. Magdalena Grazewicz und Thomas Gerhold haben Insas Charakter sehr genau erfasst und ihr passgenaue Dialoge und spaßige Szenen auf den Leib geschrieben, der dieses Mal im Fitness-Studio geschunden wird, weil die völlig unsportliche Insa für die verstorbene Claudia ins Ruderrennen gehen will. Zu Ermittlungszwecken, versteht sich.

„Friesland: Aus dem Ruder“, Samstag, 29.2., 20:15 Uhr, ZDF

Von Harald Keller

„Unter anderen Umständen: Über den Tod hinaus“ (ZDF): Die sehenswerte neue Episode aus der ohnehin immer guten Reihe mit Natalia Wörner kombiniert einen klasse Krimi mit einem Neustart.

„Südpol“ (ARD): Der Film von Grimme-Preisträger Nikolaus Leytner ist ein geschickt konstruiertes Drama, das mit einer Geiselnahme beginnt und dann rückblickend die Geschichte einer Tragödie erzählt.

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