Freies Theater

Es geht ums Überleben

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Hannover - Multimediales Tanztheater mit Blick auf die drohende Klima-Katastrophe: In der Eisfabrik präsentiert Commedia Futura "Im freien Fall".

Wir müssen den Menschen neu erfinden, seinen Platz und seine Rolle auf der Erde neu definieren“ - mit der aktuellen Produktion „Im freien Fall“ hat sich Commedia Futura ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. „Ja,“ sagt Dramaturg Peter Piontek, „denn der Mensch ist nicht fertig. Und wir arrangieren bei uns im Schwarzen Saal nun ein postapokalyptisches Szenario, bei dem extreme Charaktere aufeinandertreffen.“ Es geht ums Überleben, Rettung für wenige gibt es in einer der begehrten Klimakapseln - exklusiv und abgeschottet vom Rest der zerstörten Welt.

Mit einem Cross-over aus Tanz, Theater, Film und einem ­Soundtrack des Musikers und Bühnenkomponisten Christof Littmann, der hier auch Sprachfragmente in Musik übersetzt, entwickelt Regisseur Wolfgang A. Piontek mit seinem Team körperbetontes Theater zu aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen.

„Wie meistern wir die Herausforderungen, die wir uns selbst schaffen, und welche Welt hinterlassen wir unseren Nachkommen?“ Das Thema ist facettenreich und äußerst komplex. Oben, im Arbeitszimmer der Commedia-Futuristen Piontek & Piontek, stapeln sich Zeitungsberichte, Dokumentationen und Analysen. Unten, auf der Bühne, bereiten sich die Darsteller auf die Probe vor. Mit fünf Tänzern und Schauspielern feilt Commedia Futura an Texten und Szenenfolgen. „Wir setzen auf intensive Gruppenarbeit, das ist uns wichtig, dabei ergeben sich Synergien“, betont Regisseur und Commedia-Gründer Wolfgang A. Piontek. „Wir arbeiten aber auch mit der Stille, es wird meditative Passagen geben, den Bühnenraum werden wir aus textilen Elementen gestalten.“

Wichtige Impulse für ihr neues Stück fanden die Pionteks in Friedrich von Borries 2010 erschienenem Buch „Klimakapseln. Überlebensbedingungen in der Katastrophe“ - ein Projekt des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Der Architekt und Ausstellungskurator von Borries beschäftigt sich mit zukünftigen Überlebensbedingungen und entwirft eine „Klimakapselwelt“ mit Elementen aus Kunst, Design, Science-fiction und Alltagskultur: „Die Welt wird sich ändern und wir uns auch. Was sind die Überlebensbedingungen im Klimawandel? Wie prägen sie unser Verhalten, Denken, Fühlen? Und: Wollen wir wirklich so leben?“ Diese Stimmencollage stellt von Borries seinem Buch voran.

Erderwärmung, Polarkappenschmelze, Dürre, Überschwemmungen, Ressourcenkriege - Überbevölkerung, Armut und Flüchtlingswellen. Was bleibt da noch zu tun - Anpassung oder Widerstand? Commedia Futura greift unbequeme Fragen auf. „Wir müssen unseren Standpunkt finden“, so Regisseur Piontek, „auf der Bühne und im Leben.“ Gemeinsam mit dem Publikum will das Ensemble auf die Suche nach Antworten gehen. Dz

Premiere am 15. November, 20 Uhr, in der Eisfabrik. Karten unter (0511) 81 63 53.

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