Schmach für RTL

Bei Grimme-Preis-Nominierungen triumphieren ARD und ZDF

- Eine Schmach für RTL: Bei den Grimme-Preis-Nominierungen für 2010 triumphieren ARD und ZDF. Moderator Thomas Gottschalk erhält den Ehrenpreis.

An Lena kam auch die Nominierungskommission für den Grimme-Preis nicht vorbei: Die Eurovisions-Auswahlshow „Unser Star für Oslo“ (PRO7/ARD) ist in der Kategorie Unterhaltung einer der Kandidaten für den wichtigsten deutschen Fernsehpreis. Die Kommissionen wählten insgesamt 61 Beiträge aus 599 Vorschlägen aus, wie der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, am Mittwoch in Marl erläuterte. Die Gewinner werden am 16. März mitgeteilt, die Preisverleihung findet am 1. April im Stadttheater in Marl statt.

Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschul-Verbands geht an den ZDF-Moderator Thomas Gottschalk. Direktor Ulrich Aengenvoort sagte: „Thomas Gottschalk ist der große Entertainer des deutschen Fernsehens in der Ära nach Kulenkampff.“ Der 60-Jährige habe das Genre der Fernsehunterhaltung „in bewundernswerter Konstanz, mit höchstem Können und mit unverwechselbarem Stil ganz maßgeblich geprägt“. Der Unfall von Samuel Koch bei „Wetten, dass ...?“ habe die Preisvergabe nicht beeinflusst. Gottschalk stehe für eine „immer wieder verblüffende und frische Mischung aus Fröhlichkeit, Schlagfertigkeit, Unbefangenheit und intelligentem Witz“. Gottschalk verzichte zudem auf das Vorführen und Bloßstellen von Menschen.

Insgesamt, so Uwe Kammanns positive Gesamteinschätzung zum TV-Jahr 2010, gebe es „eine große Bandbreite an sehenswerten und diskussionswürdigen Angeboten“. Vor allem an der Spitze seien „eine herausragende Qualität, Raffinesse und Erfindungsreichtum“ zu finden – wenn auch oft zu ungünstigen Sendezeiten. Wie in den Vorjahren stellen die öffentlich-rechtlichen Sender mit Abstand die meisten Kandidaten für die zu vergebenden zwölf Preise, die alle undotiert sind. In den Kategorien Fiktion sowie Information und Kultur ist keine einzige Produktion eines Privatsenders nominiert, es dominiert die ARD.

Für die Kategorie Fiktion hob Kommissionsmitglied Thomas Gehringer die große Bandbreite an Themen und Genres hervor. Das Dokudrama „Dutschke“ (ZDF) oder „Der erste Tag“ (ORF/arte) über einen fiktiven Atomunfall zeigten, dass es eine kontinuierliche Arbeit des Fernsehens auch an schwierigen gesellschaftspolitischen Themen gebe. Aus der Krimireihe „Tatort“ wurden die Folgen „Wie einst Lilly“ (HR) mit Ulrich Tukur und „Nie wieder frei sein“ (BR) für den Preis vorgeschlagen. Auch die zehnteilige Mafia-Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ (ARD/WDR) von Dominik Graf findet sich auf der Nominierungsliste.

Im Wettbewerb „Information und Kultur“ wurde neben anderen die Dokumentation „Aghet – Ein Völkermord“ (ARD/NDR) nominiert, in der Autor Eric Friedler den Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs behandelt. Für preiswürdig wurde zudem der ZDF-Film „Kleine Wölfe“ über Straßenjungen in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gehalten. Als Serie wurde im Bereich Information die zweiteilige Produktion „DDR Ahoi!“ (ARD/MDR/NDR) über die Geschichte der ostdeutschen Seefahrt nominiert.

Im Bereich Unterhaltung schafften es neben „Unser Star für Oslo“ auch die PRO7-Produktionen „Switch Reloaded – Das Dschungel Special“ sowie „Elton vs. Simon“ in die Auswahl. SAT.1 darf sich mit den Serien „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ Hoffnungen auf einen Grimme-Preis machen. Weitere Nominierungen gingen unter anderem an „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ (WDR) und die „arte Lounge“. RTL ging in diesem Jahr in allen Kategorien leer aus. Nicht einmal eine Anstandsnominierung war für den Kölner Sender drin – eine echte Blamage.

Die Nominierungskommission für die Kategorie Unterhaltung habe sich in diesem Jahr viel angesehen, „was man nach kurzer Zeit wieder ausschalten konnte“, sagte „taz“-Redakteur und Kommissionsmitglied David Denk. Der „Trash“ gehe aber nicht nur auf das Konto der Privatsender. „Auch die öffentlich-rechtlichen Sender machen da mit“, kritisierte Denk und verwies auf „überflüssige, aber verbreitete“ Promi-Quizsendungen.

Esther Soth

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