Hamburger Michel

Große Trauerfeier für Siegfried Lenz

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Foto: Hunderte Menschen haben im Hamburger Michel Abschied von Siegfried Lenz genommen.

Hamburg - Hamburg hat Siegfried Lenz die letzte Ehre erwiesen: Bei einer großen Trauerfeier nahmen Freunde, Politiker und Bürger Abschied von dem großen Schriftsteller.

Kleines Strandgut“ heißt ein Text von Siegfried Lenz, der beinahe 30 Jahre alt ist. Er endet mit den Sätzen: „Einmal verschwindet jeder hinter dem Horizont, so wie Odysseus verschwand und Kapitän Ahab, wie Robinson und Nemo und der große Beutemacher Sir Walter Raleigh.“ Am 7. Oktober ist Lenz im Alter von 88 Jahren gestorben. Ganz verschwindet ein Schriftsteller seiner Größe jedoch nicht. Rund 2000 Trauergäste erwiesen dem Hamburger Ehrenbürger gestern bei der Trauerfeier in der St.-Michaelis-Kirche die letzte Ehre, darunter sein langjähriger Wegbegleiter Günter Grass, der Regisseur Jürgen Flimm, der ehemalige „Spiegel“-Chef Stefan Aust und der Liedermacher Wolf Biermann.

In Hamburg fand der gebürtige Ostpreuße nach 1945 eine neue Heimat. Heimat, das ist neben der Bescheidenheit und literarischen Größe des Verstorbenen ein zentrales Thema der Trauerreden. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz sagt: „Er sprach uns aus der Seele. Schnörkellos und direkt. Bedachtsam und unaufgeregt.“ Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig sagt, kein Autor werde auf lange Zeit die Landschaft der Deiche und das Naturell ihrer Bewohner so einfangen können wie Lenz. Tomasz Andrukiewicz, Stadtpräsident von Lenz’ masurischer Geburtsstadt Lyck (heute: Elk), verweist auf die Versöhnungsarbeit des Autors zwischen Polen und Deutschen.

Der Schriftsteller Karl-Heinz Ott erzählt, er habe damals als 13-jähriger Lenz-Leser noch nicht das Meer gesehen gehabt, sich aber sofort zwischen Schilf und Sandbänken in den Geschichten zu Hause gefühlt. Mit tränenerstickter Stimme erinnert sich Ott an diesen Menschen, der nach seinen Worten „nur aus Wohlwollen und Zuneigung zu bestehen“ schien. Bewegend ist auch der Abschied des Altkanzlers Helmut Schmidt, der sich an ein halbes Jahrhundert der Freundschaft und des „gegenseitigen Ausfragens“ erinnert. Für ihn sei „Siggi“ ein „Ombudsmann für den menschlichen Anstand“.

Im Anschluss an die Trauerfeier wurde Lenz gestern im engsten Familienkreis neben seiner ersten Ehefrau Liselotte, mit der er 57 Jahre bis zu ihrem Tod 2006 verheiratet war, in Hamburg-Nienstedten beigesetzt.

Von Nina May

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