Deutscher Filmpreis

Hanekes Drama „Das weiße Band“ räumt zehn Lolas ab

- Sogar für Michael Haneke war das was Neues: Freitagabend erhielt der Regisseur einen Preis im Beisein einer leibhaftigen Bundeskanzlerin. Angela Merkel war Ehrengast beim 60. Deutschen Filmpreis und gratulierte dem Regisseur zu seiner Goldenen Lola für den besten Film.

Das war aber nur eine von insgesamt zehn Auszeichnungen für den Österreicher. Hanekes Schwarzweißdrama „Das weiße Band“ räumte in großem Stil ab – und setzte den Siegeszug nach der Goldenen Palme in Cannes, dem Europäischen Filmpreis und dem Golden Globe fort (nur mit dem Oscar wurde es nichts).

Selten hat ein so formstrenges Werk Kritiker und Publikum gleichermaßen begeistert. 600 000 Zuschauer haben bislang das Drama über ein norddeutsches Dorf vor dem Ersten Weltkrieg gesehen, in dem sich Unfälle und Quälereien häufen. Der Film lässt sich als Versuch über die Ursprünge der Gewalt im Deutschland des 20. Jahrhunderts lesen, als Porträt von Untertanen, die nach oben buckeln und nach unten treten. Gewalt wird von Generation zu Generation weitergereicht. Aus Opfern werden Täter.

Eine pessimistische Sicht? Gewiss. Aber vorgeführt in einem makellosen Werk, dessen prophetische Kraft den Zuschauer sogar in der Rücksicht erschaudern lässt. Das sahen die Mitglieder der Deutschen Filmakademie am Freitagabend in Berlin genauso.

1800 Gäste, die versammelte Film- und Fernsehprominenz, übten sich im Dauerklatschen für den Film, darunter die Schauspieler Heike Makatsch, Christiane Paul, Peter Lohmeyer und Michael Gwisdek, ebenso die Regisseure Dani Levy und Doris Dörrie. Den elegantesten Auftritt hatte im Friedrichstadtpalast Barbara Schöneberger: Die schwangere Moderatorin schwebte auf einem blauen Sichelmond auf die Bühne.

Alle anderen Kandidaten standen im Schatten des übermächtigen Siegers. Beinahe hätte man das Comeback von Sibel Kekilli übersehen können, die 2004 schon einmal in Fatih Akins „Gegen die Wand“ gesiegt hatte. Nun wurde Kekilli für ihre Rolle als Frau zwischen den Kulturen in dem Ehrenmord-Film „Die Fremde“ als beste Schauspielerin gekürt – und sagte mit Tränen in den Augen, dass sie dieses Mal nicht weinen wolle. Drei Auszeichnungen – die Lola in Silber, die Preise für den besten Schnitt und die beste Filmmusik – holte sich Hans-Christan Schmid für sein Politdrama „Sturm“.

Bei seiner Gründung vor 60 Jahren diente der Filmpreis allein der Kinoförderung und war eine staubtrockene Angelegenheit. Es gab mal Auszeichnungen für den „besten Problemfilm“ oder den „Film, der zur Förderung des demokratischen Gedankens beiträgt“. Das ist lange her. Heute ist die Gala auf Glanz und Glamour getrimmt. Nur dass sich für den Filmpreis – anders als beim Oscar-Vorbild in den USA – die Staatsschatulle weit öffnet: Der Filmpreis ist mit knapp 2,9 Millionen Euro die höchstdotierte Kulturauszeichnung in diesem Land.

Offensichtlich lohnt sich das Engagement. Merkel bescheinigte den Galagästen, sie habe sich bei ihrem jüngsten Besuch in Kalifornien davon überzeugen können, „dass der deutsche Film einen sehr, sehr guten Ruf hat, dass wir ein richtig gutes Filmland sind“.

457033

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare