Schauspiel

Ein historischer Politthriller

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Die Macht zerfrisst die Seele: Beatrice Frey als Elisabeth (links) und Sarah Franke als Maria Stuart..

Hannover - Der tschechische Regisseur Dušan David Parízek inszeniert Friedrich Schillers Maria Stuart im Schauspielhaus.

Mit Schillers Dramen hat sich Dušan David Parízek bereits mehrfach auseinandergesetzt, zuletzt mit „Wilhelm Tell“ am Schauspielhaus Zürich. Der in Brünn geborene Theatermann gründete 1998 – noch als Student der Prager Akademie der Musischen Künste – das Prager Kammertheater. Das von ihm bis 2012 geleitete Ensemble mit fester Spielstätte im Prager Theater Divadlo Komedie wurde in Tschechien mehrfach zum „Theater des Jahres“ gewählt und gilt als angesehenste Bühne des Landes.

Seit 2002 arbeitet der Regisseur, der seine Inszenierungen meist selbst als Bühnenbildner ausstattet, an den großen Häusern in Deutschland und der Schweiz. Hier beschäftigte er sich mehrfach mit Werken von Kleist, Schiller, Goethe und Lessing. Zuletzt inszenierte er am Theater Bremen „Die zehn Gebote“ nach dem Fernsehfilm „Dekalog 1-10“ von Krzysztof Kieslowski und zur Eröffnung dieser Saison am Wiener Akademietheater die Uraufführung von Wolfram Lotz’ neuem Stück „Die lächerliche Finsternis“. Für das Schauspiel Hannover hat sich Parízek an eine eigene Überschreibung von Schillers „Maria Stuart“ gemacht. Er erzählt das Drama um die beiden Königinnen Maria Stuart und Elisabeth I. auf vier Schauspieler konzentriert und schärft damit die Konfrontation der beiden Frauen.

Schiller beendete das Drama im Jahre 1800. Die Handlung setzt drei Tage vor der geplanten Hinrichtung Marias ein. Das Urteil wegen Hochverrat ist gesprochen, dabei wähnte sich Maria Stuart, die katholische Königin von Schottland, bei ihrer protestantischen Verwandten Elisabeth, der Königin von England, in Sicherheit. Gleich nach ihrer Flucht aus Schottland, die bereits mehrere Jahre zurückliegt, wurde sie allerdings in England verhaftet. Elisabeth fürchtete Marias Ansprüche auf den Thron. Seitdem gab es mehrere Befreiungsversuche, die Maria zur Last gelegt werden und zur Begründung des Urteils dienen. Die Rechtsgrundlage des Urteils, ein Gesetz, das extra für diesen Fall erlassen wurde, und zweifelhafte Zeugen stellen die Rechtmäßigkeit des Urteils infrage. Ist Elisabeth jedes Mittel recht, um ihre Macht zu sichern? Die Macht zerfrisst die Seele.

In Schillers historischem Politthriller geht es aber auch um die erotische Kraft, die von Maria ausgeht. Denn nicht nur die katholischen Fürsten Europas ergreifen Partei für Maria, sondern, angezogen von ihrer Schönheit, auch Männer aus Elisabeths Umfeld. Zwischen den beiden Frauen steht Lord Leicester, der in jungen Jahren Maria zugetan war und jetzt der Geliebte von Elisabeth ist. In der hannoverschen Fassung von Dušan David Pa?ízek gibt es neben Maria und Elisabeth nur noch Leicester und Mortimer. Mortimer, ein jugendlicher Schwärmer und Glaubensterrorist, der in Frankreich seine Liebe zum Katholizismus und zu Maria entdeckte, wird im Spiel der Macht zerrieben. In der Figur des Leicester vereint Parízek mehrere Elisabeth umgebende Männer der Macht. Die Widersprüchlichkeit, die der Figur des Leicester auch im Original innewohnt, wird dadurch noch einmal potenziert. Die Intrige in Permanenz ist der herrschende Zustand. Lüge und Verstellung feiern ein Fest. Mit: Beatrice Frey, Sarah Franke, Henning Hartmann und Markus John

Maria Stuart von Friedrich Schiller, Premiere 7. Februar, 19.30 Uhr, Schauspielhaus, anschl. Premierenfeier und ab 23 Uhr Schauspielparty (Eintritt frei)

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