Maybrit Illner, ZDF

Illner-Talk zum Coronavirus: Virologe prophezeit: „Es wird schlimm werden“

„Coronavirus ohne Grenzen – wie gut ist Deutschland vorbereitet?“ 
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Maybrit Illner diskutierte mit ihren Gästen im ZDF über das Thema: „Coronavirus ohne Grenzen – wie gut ist Deutschland vorbereitet?“ 

In der TV-Talkshow "Maybrit Illner" im ZDF ging es um die drohende Coronavirus-Epidemie in Deutschland. Bekannter Virologe äußert düstere Prognose. 

  • Maybrit Illner fragt: „Coronavirus ohne Grenzen – wie gut ist Deutschland vorbereitet?“ 
  • Virologe Christian Drosten meint, dass sich 60 bis 70 Prozent der Deutschen infizieren könnten
  • Humanmediziner Johannes Wimmer moniert eine schlechte Vorsorge

Er wirkte ganz sachlich-nüchtern, wie er da aus seinem Fachgebiet dozierte. Und vielleicht tat es ihm später leid, dass er plötzlich so emotional wirkte. Doch der Verlauf des Abends hatte dazu beigetragen, dass Christian Drosten, Institutsdirektor der Virologie an der Charité Berlin, irgendwann aus der Haut fuhr: „Es ist vollkommener Unsinn zu fragen, ob Deutschland vorbereitet ist,“ denn es gebe Faktoren wie die Geschwindigkeit, mit der sich das Virus ausbreite, die Vorhersagen aller Art mindestens erschwerten. Bloß war das genau der Titel dieser Sendung von Maybrit Illner: „Coronavirus* ohne Grenzen – wie gut ist Deutschland vorbereitet?“ 

TV-Talk (ZDF) „Maybrit Illner“ zum Coronavirus: Jens Spahn verbreitet Appelle

Einleuchtend, dass sich die Redaktion des Themas Coronavirus annahm, aber tatsächlich wirkt fast alles, was gesagt und getan wird im Zusammenhang mit der neuartigen Erkrankung, wie das sprichwörtliche Stochern im Nebel. Und so nahm sich der ganze Abend aus, wobei die Moderatorin immer wieder tapfer versuchte, mit möglichst konkreten Fragen eine Art Zuschauer-Service zu bieten. 

Aber die allseitige Hilflosigkeit wurde schon zu Beginn erkennbar, als Illner den aus Düsseldorf zugeschalteten Gesundheitsminister (ein schöner Titel ...) Jens Spahn befragte. Der fühlte sich vor allem bemüßigt, Appelle zu verbreiten: Er wünsche sich Aufmerksamkeit und Wachsamkeit und Entschiedenheit, so Spahn, der, auf dem Grat zwischen Vermeidung von Panikmache und seriösem Eingeständnis der Unwissenheit balancierend, sich aber doch dem Optimismus des Amtsträgers verpflichtet fühlte und schließlich die Prognose wagte, das Risiko für den Einzelnen sei „gering bis mäßig“. 

TV-Talk „Maybrit Illner“ im ZDF: Virologe hat düstere Coronavirus-Prognose

Ist es eher nicht, wie Fachmann Drosten später erklärte. Er sprach davon, dass sich 60 bis 70 Prozent der Deutschen mit dem Coronavirus infizieren könnten – allerdings komme es dabei auf die Zeitspanne an. Geschehe das innerhalb von etwa zwei Jahren, sei das eher ein geringeres Problem, bei kürzerer Zeit aber ein größeres ... Drosten zitierte eine US-Gesundheitspolitikerin, die ihre Bevölkerung um Mithilfe bei der Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie* gebeten und erklärt hatte: „Es wird schlimm werden.“ Und der deutsche Virologe wiederholte diesen Satz ... 

Wegen unserer bekannten Reisefreudigkeit „werden wir eines der Länder mit den höchsten Fallzahlen in Europa werden“, so der Berliner Professor. Er wandte sich dementsprechend auch gegen Einreise-Kontrollen, „weil die Übertragungen im eigenen Land überwiegen werden.“

TV-Talk „Maybrit Illner“ im ZDF: Coronavirus-Experte hat düstere Prognose

Dabei erntete Drosten matten Widerspruch von Ärztekammerpräsident Klaus Reinhardt, aber dieser Einwand fiel eher unter die Kategorie: Wir müssen doch was tun. Den Eindruck von Untätigkeit zu vermeiden suchte auch Spahn, der sich „mehr Tests“ wünschte, aber auch einräumen musste, dass man sich auf eine Knappheit bei Schutzausrüstungen einstellen müsse und deshalb riet, Einweg-Masken eben mehrfach zu benutzen. Apothekerin Anke Rüdiger bestätigte, dass Masken und Desinfektionsmittel ausgegangen seien. Für eine flächendeckende Versorgung allerdings habe man keine Medikamente zur Verfügung – die kommen oft aus China.

Maybrit Illner debattiert im ZDF über das Coronavirus

Maybrit Illner, ZDF, von Donnerstag, 27. Februar, 22.15 Uhr, Mediathek

Hätte man besser für das Coronavirus vorsorgen müssen, können? Diese Ansicht vertrat in der Runde der Humanmediziner Johannes Wimmer. Er monierte, man hätte früher und auf Schlimmeres vorbereitet sein müssen, kam in seiner Kritik allerdings kaum über das Prinzip „Hätte hätte Fahrradkette“ hinaus. 

So fragte er: Hätte man nicht den Karneval absagen müssen? Das hätte womöglich den Frust erhöht und die Panik verstärkt, gab Wissenschaftsjournalistin Alina Schadwinkel zu bedenken. Zu Recht wies der Arzt aber auf großen Personalmangel in der Pflege hin, was angesichts der Gefährdung vor allem älterer Menschen nun noch fataler sei. Man werde dieses Problem lösen, versicherte Kammerpräsident Reinhardt, der „den Teufel nicht an die Wand malen“ wollte. Falls er doch erscheint, der Teufel, verwies Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann auf Möglichkeiten zu Quarantäne und weiteren Maßnahmen durch das „Infektionsschutz-Gesetz“. 

TV-Talk „Maybrit Illner“ im ZDF zum Coronavirus

Bleibt zu hoffen, dass sie es nicht wird anwenden müssen. Denn das Coronavirus entwickele sich eben auf eine Weise, die sich nicht vorhersehen lasse, sagte Alina Schadwinkel. Auch der Vergleich mit der Grippe sei unangemessen, so Drosten, weil es sich bei dem Coronavirus um eine Pandemie handele*. Er konnte immerhin bestätigen dass Schwangere und Kinder weniger betroffen sein werden, und in China signifikant mehr Männer erkrankten – weil der Raucheranteil bei ihnen so hoch ist. 

Virologe Drosten hofft erst mal auf die wärmere Jahreszeit, weil da die Menschen häufiger draußen seien. Ein Impfstoff werde nicht vor dem Sommer 2021 kommen, weil die Testphasen so lange brauchen. Doch solange es kalt ist, sind auch Handschuhe ein probates Mittel, die Gefahr der Ansteckung einzudämmen, riet Johannes Wimmer. Das war doch mal ein Rat, an den man sich gut halten kann. 

Von Daland Segler

In der Coronakrise liegen für Medien- und Verlagshäuser Erfolg und Gefahr nah beieinander: Während das Anzeigengeschäft einbricht, wächst das Publikumsinteresse.*

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