Bildung

Ein Jahr Computerspielschule in Leipzig

- Erlaubt ist, was Kindern und Eltern gefällt. Von Kriegsspielen über Ego-Shooter bis hin zu Geschicklichkeits- und Lernspielen steht alles in den Regalen, was der aktuelle Spielemarkt zu bieten hat. Und das in einer Schule, genauer in der Leipziger Computerspielschule.

Hier sollen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern in virtuelle Abenteuer eintauchen. „Barrieren abbauen und die Generationen zusammenbringen“ lautet das Motto des Medienpädagogen Hartmut Warkus.

Vor einem Jahr hat der Wissenschaftler der Universität Leipzig die bundesweit erste Computerspielschule gegründet. Mit der Bilanz nach einem Jahr ist er zufrieden: „Die Eltern kamen mit vielen Fragen und haben das Angebot außerordentlich gut angenommen.“

Das Interesse hat die Betreiber überrascht. „Wir haben mehr Menschen erreicht, als wir ursprünglich gedacht haben“, sagt der Medienpädagoge. Viele Eltern seien mit Fragen zum Inhalt der Spiele gekommen, und meist dauere es auch nicht lange, bis die Erwachsenen sich selbst vor den Bildschirm setzen. „Die Eltern vertrauen nicht nur den Altersgrenzen, sie wollen selbst wissen, was da gespielt wird“, berichtet Warkus. Gerade vor Weihnachten oder Ostern hätten sich viele Eltern einen Geschenktipp in der Schule geholt.

Immer wieder hat der Wissenschaftler beobachtet, dass Eltern keine Ahnung haben, was ihre Kinder am Computer spielen. Umso größer sei die Hemmschwelle, sich selbst einmal am Rechner zu versuchen. Aus Unsicherheit verbieten viele Eltern dann die Spiele. Der Streit im Kinderzimmer ist vorprogrammiert. „Die Eltern müssen lernen, dass sie mit Unverständnis nichts erreichen“, meint Warkus. Wenn die Kinder mit ihren Eltern über die Spiele reden könnten, würden sie auch verstärkt über deren Inhalt nachdenken. Dies schule langfristig die Medienkompetenz der Kinder. In Zusammenarbeit von Universität Leipzig, der Hochschule für Wirtschaft und Kultur Leipzig sowie der Stadt und der Messe Leipzig ist dann 2008 die Computerspielschule entstanden.

Einmal vor dem Rechner, waren die meisten Eltern auch schnell begeistert. „Es hat Spaß gemacht“, erzählte Sabine Metzger. Sie habe es genossen, fern von allem Alltagsstress Zeit mit ihrer Tochter zu verbringen. „Die Kinder lernen beim Spielen auch mit dem Computer umzugehen“, glaubt sie. Ähnlich ging es Silke Gawöhn-Mieke, die mit ihrer Tochter einige Spiele getestet hat. „Ich bin nicht komplett dagegen, aber ich möchte wissen, was meine Tochter spielt“, sagt sie. Hier könne sie sich die Spiele näher anschauen. „Ein guter Kaufwegweiser“, meint Gawöhn-Mieke.

Die Schule soll ein bundesweites Modellprojekt werden. Für Lehrer- und Erwachsenenfortbildungen erreichen die Betreiber bereits Anfragen aus ganz Deutschland. Nach den Eltern will sich die Schule im kommenden Jahr verstärkt den jugendlichen Spielern widmen. „Wir wollen Medienkompetenz vermitteln, sodass die Spieler beginnen, über das, was ihr Hobby ist, nachzudenken“, sagt Warkus. Denn in naher Zukunft sollen sich die Kinder und Jugendlichen in der Schule selbst betreuen. Bislang erledigen das noch Hochschulmitarbeiter.

ddp

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