Komm, lass uns ein Bier trinken!

Hannover - Ihre Lieder klingen nach Bossa Nova und Taschen-Swing, nach Reggae und Surfrock, ihre Texte erzählen voll Wortwitz und Leichtigkeit von gesellschaftlichen Zuständen im Glashaus. Der Auftritt im Schauspielhaus bildet den Auftakt zur Theater-Tour von Sängerin und Band mit einem Streichertrio. „Ein Traum, den wir uns erfüllt haben“, sagt Dota.

Dota Kehr steht am Bühnenrand im Schauspielhaus. Gerade hat sie allein mit der Gitarre ein Lied gesungen über eine Mutter, die den Kinderwagen durch den Park schiebt und vor sich hin trällert: „Bald fang’ ich wieder an zu kiffen!“ Ein Lied weiter, eine andere Realität. „Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut / Und die Grenzen der Menschen so schlecht?“, fragt die Sängerin. Grenzen sollten nicht aus Stacheldraht sein, sondern aus Respekt. Man solle ihr einfach einen Pass geben, wo „Erdenbewohnerin“ drin steht, und sie dann mit Nationalismus mal schön in Ruhe lassen.

Es sind solche Lieder, die Dota eine treue Fangemeinde gebracht haben. Der Auftritt im Schauspielhaus bildet den Auftakt zur Theater-Tour von Sängerin und Band mit einem Streichertrio. „Ein Traum, den wir uns erfüllt haben“, sagt Dota. Wir, das sind seit vielen Jahren auch der Gitarrist Jan Rohrbach und Schlagzeuger Janis Görlich. Und seit dem aktuellen Album hat Keyboarder Jonas Hauer mehr Varianz in die Stücke gebracht - und das ganze Repertoire dann auch gleich für die Streicher arrangiert.

Zu Beginn fremdelt die Band ein wenig, die sonst bei Stehkonzerten und auf Festivals in die tanzende oder zumindest nickende Menge schaut. Hier stehen sie, im hellen Licht, vor der im Dunklen sitzenden Masse. Distanz. „Leute auf nummerierten Plätzen siezt man ja eigentlich“, sagt Sängerin Dota, lacht und gibt zur Auflockerung dann im Silberglitzerkleid eine tanzende Diskokugel.

Im Jahr 2011 gewann Dota den Deutschen Kleinkunstpreis - und war erst mal baff. Nicht wegen der Trophäe. Nein, sie hatte bis dahin einfach nicht gedacht, Kleinkunst zu machen, sagte sie bei der Verleihung. Vielleicht war der Beiname „Kleingeldprinzessin“ Schuld, den sie sich gab, als sie mit Gitarre durch die Lande zog. 2003 das Debütalbum auf dem eigenen Plattenlabel. Dort veröffentlicht sie bis heute mit ihrer Band, die sich früher noch die Stadtpiraten nannte, trotz Anfragen größerer Labels. Eigenständig sein, ohne Druck von außen. So konnte die Sängerin reisen, war für das Goethe-Institut in der Welt, lebte und lernte in Brasilien, und brachte jedes Mal auch wieder Ideen für neue Musik mit.

Im Schauspielhaus spielt Dota mit ihrer Band zu Beginn viele Stücke vom aktuellen Album. „Wo soll ich suchen“. Das Schöne am aktuellen Album sei ja, sagt die Sängerin, dass es immer das aktuelle sei - bis ein neues kommt. Das neue Album, das könne man auf die ganz altmodische Variante des Crowdfundings unterstützen: „Kauft einfach die alten Alben!“

Das Streichertrio fügt sich ein in Dotas Lieder, die mal melancholisch klingen, mal traurig, und dann auch wieder nach „Komm lass uns ein Bier im Park trinken!“. Bei allem sind die Streicher kein Pathos-Katalysator. Es geht um Ausbeutung, Bodenversiegelung, aber ganz oft auch einfach um die Liebe und ein Ja zum Leben. „Es geht nicht um ein Stück vom Kuchen / Es geht um die ganze Bäckerei“ singt sie in „Utopie“. Dota weiß, dass ihre Texte manchmal naiv wirken. Sie weiß aber auch, dass das mehr über die Welt sagt als über ihre Texte.

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