Schauspiel Hannover

Tom Kühnels "Alkestis" feiert Premiere

- Tom Kühnel ist Hausregisseur am Schauspiel Hannover - am Sonnabend feiert seine neue Inszenierung „Alkestis" Premiere.

So stellt man sich einen Theaterregisseur doch vor: Tom Kühnel ist ein schmaler Mann im grauen Kapuzensweatshirt mit ausdrucksstarken Augen hinter den Gläsern eines wachgeküssten Kassengestells. Die langen Haare sind schon etwas schütter, und es fehlt nur sehr wenig, dass man seinen Bart als wild bezeichnen müsste. In einer Hand hält er meist eine Zigarette – Dunhill mit weißem Filter. Kühnel pflegt die betonte Uneitelkeit, die man von einem modernen intellektuellen Künstler erwartet. Dabei geht es dem 1971 in Cottbus geborenen Regisseur eigentlich darum, Erwartungen zu unterlaufen.

Seit mehr als 15 Jahren gehört er zu den gefragten Theatermachern, in Frankfurt hat er das Theater am Turm geleitet, und seine nachfolgenden Arbeiten für die großen Häuser in Hamburg, Berlin oder Basel wurden oft ausgezeichnet. Nun hat er am hannoverschen Schauspiel von Intendant Lars-Ole Walburg eine neue Heimat gefunden: Als Hausregisseur ist er fest an das Ensemble gebunden – und entdeckt in der Bindung eine neue Freiheit: „Der Markt zwingt einen eigentlich dazu, eine bestimmte Stilistik zu schaffen“, sagt er. „Das muss ich hier nicht.“

Mindestens zwei Inszenierungen pro Spielzeit soll Kühnel laut Vertrag in Hannover auf die Bühne bringen. Dafür hat er sich auch eine Zweitwohnung in der Stadt genommen. „Es ist anders als Berlin“, sagt er vorsichtig über Hannover. „Aber es hat auch seine Vorteile.“ Die Beschäftigung mit der Stadt prägte seine erste Arbeit, die Hannover-Revue „Götter, Kekse, Philosophen“. Außerdem waren hier bereits „Die Schöpfer der Einkaufswelten“ zu sehen und (als Übernahme aus Basel) „Helden des 20. Jahrhunderts“. Derzeit probt er für seine erste Arbeit auf der großen Bühne: Euripides’ „Alkestis“ hat am Sonnabend Premiere.

„Es ist ein großer Vorteil, dass man sich hier von so vielen Seiten zeigen kann“, sagt er. Es sei kein Problem, sowohl eine Revue als auch eine griechische Tragödie zu inszenieren. Und eine markante Eigenheit wie etwa die Zusammenarbeit mit der Puppenspielerin Suse Wächter sei eben nur „ein Strang“ seiner Arbeit. „Ich versuche, an jeden Text neu heranzugehen und nicht einfach eine Handschrift durchzuziehen.“

An „Alkestis“ reizen ihn die vielen Besonderheiten, die das Stück von den anderen griechischen Werken unterscheidet. „Es ist eine Tragödie, aber es gibt ein gutes Ende. Es schildert eine realistische Welt, in die immer wieder seltsame Figuren wie Götter und Helden einbrechen. Es sucht die Wahrheit hinter einem alten Märchen: Das alles ist sehr interessant“, sagt er. Mit der griechischen Tragödie hat Kühnel bereits Erfahrung. Als Student hat er „Antigone“ in einer Aufführung der Berliner Schauspielschule in Szene gesetzt.

Die Aufführung war die Geburtsstunde eines Autorenkollektivs, das unter dem Pseudonym Soeren Voima (vor allem dank des Dramaturgen Christian Tschirner) auch im aktuellen hannoverschen Spielplan eine wichtige Rolle spielt. An der Gruppe lässt sich gut ablesen, wie einflussreich Kühnels Generation ist. „Mitte der neunziger Jahre hat ein Ansturm auf uns junge Regisseure eingesetzt, den es vorher so nicht gab“, sagt er. Statt sich jahrelang als Regieassistent hochzuarbeiten, konnten sich Kühnel und viele seiner Kommilitonen wie Thomas Ostermeier, Robert Schuster oder Bernd Stegemann gleich mit eigenen Arbeiten erproben.

Dass Kühnel nach dem schnellen Aufstieg nun auf Entschleunigung setzt, lässt sich auch am Tempo seiner Inszenierungen ablesen: Gerade drei neue Produktionen bringt er pro Jahr auf die Bühne: „Ich brauche diese Vorbereitungszeit, sonst werde ich bekloppt“, sagt er.

„Alkestis“ hat am 17. April um 19.30 Uhr Premiere am Schauspiel Hannover.

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