Gerichtsprozess

Kunstfälscher-Quartett bekommt milde Strafen

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Kunstfälscher Wolfgang und Helene Beltracchi wurden zu milden Strafen verurteilt.

Köln - Urteil für den Gentleman-Ganoven: Der 60-jährige Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi wurde gestern von den Richtern des Kölner Landgerichts zu sechs Jahren Haft verurteilt. Seine 53-jährige Ehefrau Helene Beltracchi erhielt vier Jahre, deren Schwester ein Jahr und neun Monate auf Bewährung. Der Richter lobte die Talente des Malers.

Dem 68-jährigen Betrüger Otto Schulte-Kellinghaus („Graf Otto“), der als Verkäufer der Falsifikate laut Geständnis 20 Prozent Provision kassierte, wurden vom Gericht fünf Jahre auferlegt. Damit endet der größte Kunstfälscherprozess der jüngeren Geschichte relativ glimpflich für einen Mann, der jahrzehntelang Händler und Kunstexperten narrte, der Millionen kassierte und auf Nummernkonten in der Schweiz und in Andorra deponierte und sich vor Gericht als genialische Künstlerfigur hochstilisierte.

Bereits in den ersten Verhandlungstagen – Prozessbeginn war am 1. September – zeichnete sich ein derartiger Prozessausgang ab. Der Richter Wilhelm Kremer, die Staatsanwältin Kathrin Franz und die Verteidiger trafen eine Absprache. Sie sicherten den vier Angeklagten Strafrabatt für den Fall zu, dass diese ein umfassendes Geständnis ablegen. Die Höchststrafe hätte zehn Jahre betragen.

Als Grund für diese Absprache wurde die Sorge vor einem endlosen Indizienprozesses angegeben. Man fürchtete, am Ende Beltracchi seine Fälschertätigkeit womöglich gar nicht nachweisen zu können. Nun wurde der Fälscherprozess im Schnelldurchlauf abgewickelt. Lediglich neun Verhandlungstage waren nötig. Auf die Vernehmung von 168 benannten Zeugen und zehn Gutachtern wurde verzichtet – schade für etwaige Filmdrehbücher. Unter den 14 Werken, die in Köln Gegenstand des Prozesses waren, sind neben Bildern von Max Ernst und Max Pechstein auch drei Campendonk-Fälschungen, darunter eine „Landschaft mit Pferden“. Diese hatte eine Pariser Galerie 2004 für 850 000 Dollar an den US-Schauspieler Steve Martin verkauft. Im Folgejahr wurde das Werk von Christie’s für 500.000 Million Euro weiterverkauft. Das gefälschte Campendonk-Bild aus dem Sprengel Museum Hannover („Katze in Berglandschaft“) war nicht Gegenstand des Prozesses. Der Fall gilt als verjährt.

Zur Absprache vor Gericht gehörte, dass bei rund 40 weiteren mutmaßlichen Beltracchi-Fälschungen – oder sogar noch weit mehr – nicht weiterermittelt wird. Wer Gemälde besitzt, die das Landeskriminalamt Berlin als verdächtig ansieht, braucht also keine Nachforschungen zu fürchten. Wer aber solche Bilder verkaufen möchte, setzt sich nach dem Kölner Prozess dem Verdacht der Hehlerei aus.

Enttäuschend ist der kurze Prozess für jene, die gehofft hatten, das Kölner Gericht würde mit Schärfe ins Dunkelgrau des Kunstmarktes hineinleuchten. Dessen „Usancen“ leisten ohne Zweifel Betrügereien Vorschub. Zumindest das wird nach dem spektakulären Kölner Prozess, der überwiegend in gehobener Stimmung über die Bühne ging, niemand mehr bestreiten können.

„Die Logik hat nicht immer die stärksten Karten, wenn viel Geld im Spiel ist“, sagte Staatsanwältin Kathrin Franz, und Beltracchis Verteidiger Christian Rode in seinem Plädoyer: „Wir haben viel gehört von interessegeleiteten Experten, die nicht nur Expertisen erstellen, sondern selber verkaufen, vermitteln und Provisionen erhalten.“ Der Verteidiger Ferdinand Gillmeister sagte, der Kunsthandel funktioniere wie der Handel mit faulen Finanzpaketen. „Alle wollten nur handeln, keiner hat reingeschaut in die Pakete.“ In seinem Schlusswort dankte Wolfgang Beltracchi dem Gericht und der Staatsanwaltschaft dafür, „dass alles so fair und locker war und dass Sie so oft gelächelt haben“. Ihm wird bereits eine Karriere als Maler vorausgesagt, der Bilder im Stil der klassischen Moderne mit „Beltracchi“ signiert. Im Gefängnis kann er schon mal damit anfangen.

Bis zum Antritt der Haftstrafen wurden die Verurteilten erst mal auf freien Fuß gesetzt. Richter Kremer sagte: „Lenken Sie Ihre Talente in legale Bahnen, dann ist alles in Ordnung.“

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