Auszeichnung

Kunstverein Hannover stellt „Villa Minimo“-Stipendiaten vor

- Der Kunstverein Hannover stellt seine „Villa Minimo“-Stipendiaten für 2011 und 2012 vor. Die drei prämierten Künstler wurden aus etwa 100 Bewerbern ausgewählt.

Die Auszeichnung ist begehrt. Seit 1983 wird alle zwei Jahre bei der Herbstausstellung niedersächsischer Künstler der Preis des Kunstvereins Hannover vergeben. Die Preisträger können in der sogenannten „Villa Minimo“ in Hannover-List mietfrei Atelier- und Wohnräume beziehen, sie erhalten monatlich 1000 Euro, und sie wissen – und das ist kein geringer Ansporn –, dass sie zum Abschluss eine Ausstellung im Kunstverein erhalten.

Mit dem Ende der Kulturförderung durch die Lottostiftung, die jährlich zwei Stipendienplätze seit 1994 ermöglicht hatte, schienen die Stipendien in Gefahr. Doch Stadt und Land kamen überein, von 2011 an die Kosten – es werden in Zukunft sogar drei statt bisher zwei Stipendiaten gefördert – zu übernehmen. Sowohl Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann als auch Annette Schwandner vom niedersächsischen Kulturministerium betonten gestern im Kunstverein, wie wichtig ihnen diese Form der Künstlerförderung ist, die Talente in die Stadt bringt und so die heimische Künstlerszene bereichert. Die Räume stellt weiterhin die Firma Gundlach zur Verfügung.

Einen Vorgeschmack auf die Künstler, die im kommenden Jahr in die „Villa ­Minimo“ einziehen, gibt bereits die diesjährige Herbstausstellung niedersächsischer Künstler mit dem Titel „Leinen los!“ vom 12. Juni bis 15. August. Fabian Reimann, 1975 in Bremerhaven geboren und in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst ausgebildet, wird Arbeiten zum Thema Kalter Krieg und Biografien zeigen. Die besondere Aufmerksamkeit des Gewinners des Nachwuchsstipendiums Niedersachsen gilt dem Doppelagenten Anthony Frederick Blunt, einem Kunsthistoriker, der Atomgeheimnisse an die Sowjets weiterleitete und nebenher der britischen Queen beim Aufbau einer Kunstsammlung half.

Samuel Henne, 1982 in Göttingen geboren, schafft stille, nachhaltig beeindruckende Fotografien. Der Gewinner des Förderstipendiums Niedersachsen begibt sich auf eine Spurensuche in die eigenen Biografie und wirft zum Teil schonungslos offene Blicke auf das Elternhaus, etwa auf den alkoholkranken Vater. Die Fotografie wird bei Henne zu einem Medium der Annäherung an psychisch schmerzende Punkte.

Das erstmals vergebene Nationale Nachwuchsstipendium erhält die 1981 geborene iranischstämmige Hamburgerin Anahita Razmi, derzeit auf Stipendienaufenthalt in Ungarn. Bei der Herbstausstellung wird die Künstlerin, die 2012 ins Atelierhaus in der List einzieht, ihre Videoarbeit „Robberies“ zeigen. Razmi hat Räuberszenen aus Filmen, etwa von Quentin Tarantino, isoliert und nachgestellt. Der an sich hoch emotionale Vorgang des bewaffneten Überfalls wird in der künstlerischen Wiederholung zu einem fast monotonen, gleichwohl fesselnden Akt.

Alle drei Stipendiaten kündigten am Dienstag an, ihre Wohnsitze nach Hannover zu verlegen. In der Vergangenheit hatte es Probleme mit selten in der Stadt anwesenden Stipendiaten gegeben.

Die drei prämierten Künstler wurden aus etwa 100 Bewerbern ausgewählt. In der Jury saßen auch Christine Litz vom documenta-13-Team und Hilke Wagner vom Kunstverein Braunschweig.

Johanna di Blasi

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare