Krimi und bildenede Kunst

Kunstverein Wolfsburg zeigt Crime Art

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Das Werk Mutter Erde II von Ernst Barlach.

Wolfsburg - Der Kunstverein Wolfsburg zeigt ab Freitag in einer Ausstellung Crime Art. Sie setzt sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Krimi und bildender Kunst auseinander. Zu sehen sind unter anderem ein weinender Putin vonFehmi Baumbach und ein mexikanischer Zigarettenschmuggler des Mexikaners E.S. Mayorga.

Das Genre Krimi ist in Büchern, im Fernsehen und im Kino ungemein populär:Mit „Crime Art“ beschäftigt sich von Freitag an eine Ausstellung im Kunstverein Wolfsburg, die sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Krimi und bildender Kunst auseinandersetzt.

Im Zentrum des Verbrechens sitzt Wladimir Putin, er weint. Die Künstlerin Fehmi Baumbach hat ein Bild von Putin ausgeschnitten, von dem Bild ausgehend sind feine Fäden gespannt, etwa zu internationalen Waffenkonzernen. Und über allem schweben drei riesige, plastisch gemalte Pistolen - die Welt, sie ist bei Baumbach eine gut vernetzte Verbrechens-AG. „Kleiner Streifzug durch irdische Scheußlichkeiten“ hat die Künstlerin ihr Werk genannt. Die Arbeit ist Teil der Ausstellung. Krimis seien populärer denn je, nicht nur in der Literatur, sondern auch im Fernsehen, sagt Kurator Justin Hoffmann. Angesagte amerikanische TV-Krimi-Serien behandele das Feuilleton inzwischen wie Hochkultur.Doch wie geht die bildende Kunst mit dem Thema um? Neben Werken aus der Städtischen Galerie Wolfsburg und der Sammlung Bönsch, unter anderem von Ernst Barlach und Max Klinger, hat der Kunstverein bewusst Gegenwartskünstler eingeladen, die sich in ihren Arbeiten mit dem Verbrechen auseinandersetzen.

Der gebürtige Mexikaner E.S. Mayorga etwa hat eine versteckte Kammer aus Papier-Kartons als Installation aufgebaut, sie stapeln sich bis zur Decke. „Das ist keine abstraktes Etwas, sondern ein Abbild meines ehemaligen Arbeitsplatzes“, berichtet Mayorga. Er arbeitete in seiner Heimat eine Zeit lang in einer Bande, die mit Zigaretten-Schmuggel Geld verdiente. Gezeigt werden außerdem historische Werke etwa von Ernst Barlach, aber auch Arbeiten von Gegenwartskünstlern. Izima Kaoru zum Beispiel lässt auf seinen Fotos bekannte japanische Frauen als unbekannte Tote posieren.

Die Flut prall gefühlter Pappkartons steht jetzt zeichenhaft im Zentrum der Ausstellung. Im Inneren des Kubus können die Besucher Videos schauen, die Mayorga selbst produziert hat. Darin geht es auch um den Horror, den er bereits in seinem Leben erfahren hat.

Wunderschöne, weibliche Leichen zählen nicht erst seit David Lynchs Kult-Serie „Twin Peaks“ zu den uralten Versatzstücken des Krimi-Genres. Der japanische Künstler Izima Kaoru greift diesen Mythos auf und lässt bekannte japanische Frauen als unbekannte Tote posieren. Auf seinen Fotografien, von denen Kurator Hoffmann eine Auswahl nach Wolfsburg holte, liegen die toten Schönen zum Beispiel mit einem Pfeil in der Brust an einer unbekannten Küste. Wie in einem Film drängt sich zwangsläufig die Frage nach der Geschichte hinter dem Augenblick auf. „Was ist hier passiert?“ - der Inbegriff eines jeden Krimi-Anfangs.

dpa

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