Lesung mit Matthias Brandt

Mörderische Möwen

+
Foto: Lesung im Pavillon: Matthias Brandt.

Hannover - Vom ersten Moment an ist da diese untergründig bedrohliche Atmosphäre. Dieses Gefühl, dass hier etwas Schreckliches passieren wird. Matthias Brandt und Jens Thomas verbreiten „Angst“ im hannoverschen Pavillon.

Vom ersten Ton an fühlt sich der Besucher im ausverkauften hannoverschen Pavillon in eine Stimmung versetzt, die sich zwischen Anspannung, Neugier und Furcht bewegt. Hier geht es um „Angst“: So heißt der Abend, bei dem Schauspieler Matthias Brandt und Musiker Jens Thomas ihre Version einer Erzählung von Daphne du Maurier präsentieren. Die Geschichte der Britin benutzte Alfred Hitchcock als Vorlage für seinen Klassiker „Die Vögel“.

Im abgedunkelten Saal liest Brandt, ein exzellenter und mehrfach ausgezeichneter Hörbuch-Sprecher, mit ruhiger Stimme. Jens Thomas produziert dazu Laute, die manchmal als Hintergrundmusik dienen: Der gebürtige Braunschweiger schlägt ein paar Töne auf dem Flügel an, er kratzt und klopft auf seiner Gitarre.

Dann, manchmal ziemlich unvermittelt, singt Thomas, und Brandt setzt in den Refrain ein. Immer eindringlicher und schneller liest der Schauspieler die Geschichte des Mannes, der in einem Ferienhaus an der Küste von Vögeln angegriffen wird. Zuweilen hocken die mörderischen Möwen auf Bäumen und scheinen sich für den nächsten Angriff auszuruhen.

Dazu imitiert Jens Thomas das Geräusch des Windes oder Möwengeschrei. Manchmal verstummen die beiden Künstler abrupt, und dann zucken viele Besucher zusammen – wohl in Erwartung, dass jetzt der finale Vogelangriff startet. Das Duo, das auch schon mit einer musikalischen Lesung von „Psycho“ aufgetreten ist, ist bestens aufeinander eingespielt.

Und beweist: Zwei Männer, zwei Instrumente, ein Text – daraus kann großes, gruseliges Kino im Kopf entstehen. Allzu verängstigt mussten die begeisterten Besucher nach knapp anderthalb Stunden den Heimweg aber nicht antreten. Als Zugabe sangen die zwei Jens Thomas’ Stück „Keep It Down Boy“. Damit, so der Musiker, sich niemand beim Weg durch die Niki-de-Saint-Phalle-Promenade gruseln müsse.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare