Hochdeutschhochburg?

Ina Müller und 5000 Fans haben in Hannover viel Spaß op Platt

- Ina Müller, die norddeutscheste Top-Entertainerin dieses Jahrtausends, hat am Montag mit rund 5000 Fans auf der Parkbühne in Hannover viel Spaß op Platt gehabt.

Was ist das hier eigentlich? Ein Konzert? Comedy? Ein Sprachkurs? Alles falsch. Es ist eine konspirative Vereinigung. Wenn Ina Müller, die norddeutscheste Top-Entertainerin dieses Jahrtausends, mit einem heimatsprachlichen Programm auf Tournee geht, saugt sie alles an, was Plattdeutsch kann. In Hannover sind das 5000 Menschen. Weil mehr nicht vor die Parkbühne passen. Hannover! Hochdeutschhochburg! So’n Quatsch!

5000 Schnacker (okay, nach Handzeichentest: 4000 plattfest) und eine Vorschnackerin. Die grad noch 44-Jährige ist aufgedreht wie immer, hat eine Band mitgebracht und viele Songs aus ihrem neuen plattdeutschen Album. Aber vor allem macht sie das, was sie am besten kann: Witze. Verpackt in lockere Plaudereien mit den Sicherheitsleuten vor der Bühne oder den Backgroundsängerinnen, bei denen es allerdings nicht um alltägliche, sondern eher um landspezifische Themen geht wie Hausschlachtung und Zutaten für eine Blutsuppe.

Ohnehin, das Land – ein Quell des Humors. Ina Müller muss gar keine Geschichten erfinden, sie muss nur ihre eigene Dorfkindheit erzählen und hier und da ein bisschen zuspitzen. Fertig. Und oft so wahr. Das kann jedes Landei bestätigen.

Die Mischung aus Nostalgie und Absurdität kriegt derzeit kaum jemand besser unter einen Hut als die in der Nähe von Cuxhaven aufgewachsene Künstlerin. Ein bisschen Comedy, ein bisschen Ohnsorg, ein bisschen Fips Asmussen, zusammengeschnürt mit Schlagfertigkeit und Mutterwitz. Das funktioniert nicht nur im Fernsehen, das funktioniert auch an einem schönen Sommerabend im vermeintlichen Hochdeutsch-Kerngebiet wunderbar.

Die Songs geraten da fast zur Pausenmusik. Das ist auch gar nicht so schlimm, weil auf plattdeutsche Versionen von „Lemon Tree“ oder Alanis Morissettes „Ironic“ oder Seals „Kiss from a Rose“ so recht niemand gewartet hat – trotz Müllers herrlich raureifer Stimme. Die kommt dann in der zweiten Stunde so richtig zum Tragen, als auch einige hochdeutsche Lieder ins Programm finden. Da hat sie „lieber Orangenhaut als gar kein Profil“, und auch auf den hinteren Sitztribünen erheben sich die begeisterten Parkbühnenbesucher und klatschen.

In der Zugabe erzählt sie dann auch mal „einen Witz, der nicht versaut ist“. Um dann gleich hinterherzuschieben: „Aber die versauten mach ich ja auch.“ Das bedeutet bei Plattdeutschen zweierlei „mögen“ und „machen“. Also macht sie: „Wann hat Pinocchio gemerkt, dass er aus Holz ist? Als er beim Onanieren angefangen hat zu brennen.“

Und dann noch diese längst fällige Wahrheit: „Wat bi uns op Land Gülle is, het in’t Stadt Red Bull!“ Auch dafür: Danke!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare