Britisches Medienimperium in der Krise

Murdoch-Sohn tritt von Verlagsspitze ab

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Foto: Der Sohn von Medienzar Rupert Murdoch, James Murdoch, tritt als Verwaltungsratschef der britischen Verlagsholding News International zurück.

London - Die britischen Zeitungen des Medienimperiums von Rupert Murdoch sind zum Problemkind geworden. Jetzt opfert Murdoch sogar seinen Sohn James. Der 39-Jährige geht als Chef der Zeitungsholding News International von Bord und arbeitet künftig von den USA aus.

Der Sohn von Medienzar Rupert Murdoch, James Murdoch, tritt von der Verlagsspitze der britischen Zeitungsholding News International zurück. Das gab das Unternehmen am Mittwoch in London bekannt. Der Verlag gab bis Mitte Juli 2011 die Skandalzeitung „News of the World“ heraus, dann wurde das Sonntagsblatt eingestellt.

In dem Verlag erscheint auch das Boulevardblatt „The Sun“, deren Reporter und Redakteure zuletzt wegen Bestechung von Polizisten und anderen Beamten in die Schlagzeilen geraten waren. Ein richterlicher Untersuchungsausschuss in London stellte fest, dass es bei der „Sun“ eine „Kultur illegaler Zahlungen“ gegeben habe.

In der vergangenen Woche hatte der Verlag noch eine Sonntagausgabe der Sun erfolgreich auf den Markt gebracht. Zudem gibt News International, eine hundertprozentige Tochter von Rupert Murdochs Konzern News Corporation, auch die renommierte „The Times“ sowie die „Sunday Times“ heraus.

In der Affäre um die „News of the World“ hatte im vergangenen Jahr bei News International bereits die frühere Verlagsgeschäftsführerin Rebekah Brooks ihren Hut nehmen müssen und war durch Tom Mockridge ersetzt worden. James Murdoch war lange Zeit als Kronprinz und Nachfolger seines Vaters an der Spitze des Mutterkonzerns vorgesehen.

Zuletzt hatte es in der Redaktion der „Sun“ erhebliche Turbulenzen gegeben. Den Murdochs wurde vorgeworfen, er liefere mit leichtfertig herausgegebenen Informationen eigene Journalisten der Polizei aus. Der 80 Jahre alte Rupert Murdoch musste persönlich nach London kommen, um die Lage zu beruhigen.

James Murdoch werde sich künftig von New York aus stärker um die Fernsehaktivitäten innerhalb der News Corporation kümmern. Der 39-Jährige ist Verwaltungsratschef des britischen Fernsehkonzerns BSkyB, der zu 39 Prozent zu News Corp. gehört. Auch bei News Corp. sitzt James Murdoch im Führungsgremium.

Aus kaufmännischer Sicht spielt das Zeitungsgeschäft für Rupert Murdochs Konzern News Corp. eine untergeordnete Rolle. News Corp., einer der größten Medienkonzerne der Welt ist unter anderem auch im Fernseh- und Filmgeschäft tätig. Dort sind Umsätze und Gewinne um ein Mehrfaches höher.

dpa

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