Ausstellung von Werken deutscher Expressionisten

Neue „deutsche Galerie“ im Tel Aviver Kunstmuseum

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Der "Mann mit Lilie" vom zeitgenössischen deutschen Künstler Stephan Balkenhol steht in der "Galerie der deutschen Freunde des Museums Tel Aviv".

Tel Aviv - In einer „deutschen Galerie“ zeigt das Tel Aviver Kunstmuseum seine größte Ausstellung von Werken deutscher Expressionisten seit knapp drei Jahrzehnten. Der neue Ausstellungsraum ist als Ort deutsch-israelischer Freundschaft gedacht.

Deutsche Kunst nimmt bei der Eröffnung eines spektakulären neuen Museumsbaus in Tel Aviv ungewöhnlich großen Raum ein: Die zentrale Ausstellung ist Anselm Kiefer gewidmet, und in einer neuen „deutschen Galerie“ sind zahlreiche Drucke und Zeichnungen von Expressionisten aus Deutschland zu sehen. „Es ist die größte Ausstellung deutscher expressionistischer Kunst in unserem Museum seit fast 30 Jahren“, erklärt Kuratorin Irith Hadar.

Das 1932 gegründete Museum verfügt über eine der größten Sammlungen von Drucken und Zeichnungen des deutschen Expressionismus - im Ausstellungskatalog beschreibt es sich sogar als „Imperium“ in diesem Bereich. Dies erklärt sich unter anderem dadurch, dass ein aus Deutschland eingewanderter Jude der erste Leiter des Museums war. Karl Schwarz, der in Berlin das Jüdische Museum geleitet hatte, brachte seine Privatsammlung von etwa 1500 Drucken mit nach Tel Aviv. „Außerdem schickten uns jüdische Sammler aus aller Welt wegen unseres Rufs mehr und mehr Werke“, sagt Hadar.

Die „Galerie der deutschen Freunde des Museums Tel Aviv“, wie der offizielle Name des neuen Ausstellungsraums lautet, liegt im mittleren Bereich des fünfstöckigen Anbaus an das bisherige Gebäude. Besucher werden von einer kleinen Holzfigur empfangen, die auf einem Podest steht. Im Hintergrund hängt das Bild einer stilisierten Lilie.

„Wir nennen ihn den Betrachter“, erklärt Hadar zum Werk des zeitgenössischen deutschen Künstlers Stephan Balkenhol. „Er steht stellvertretend für uns alle: Er blickt zurück auf die damalige Zeit, mit dem Wissen um all das, was inzwischen passiert ist“, sagt die Kuratorin im Hinblick auf „den großen Bruch des Zweiten Weltkriegs“. Rückblickend rücke dies die Ideenwelt der Expressionisten in ein tragisches Licht. „Sie waren Utopisten, sie wollten die Gesellschaft zum Guten verändern, und dann ist genau das Gegenteil passiert.“

Knapp 90 Arbeiten hängen in der „deutschen Galerie“, von bekannten Künstlern wie George Grosz, Otto Dix, Max Beckmann und Emil Nolde. Die Ausstellung, die am Mittwoch eröffnet wird, ist in zwei Teile aufgespalten. Die restlichen Werke sollen in drei Monaten gezeigt werden. Viele der ausgestellten Künstler gehörten der 1905 in Dresden gegründeten Gruppe „Die Brücke“ an, wie Karl Schmidt-Rottluff. Die Werke zeigten die Spannung zwischen dem Leben in der modernen Metropolis und der Sehnsucht nach Natur, sagt Hadar.

Viele der Bilder zeigen nackte Frauen - in den prüden 1930er Jahren galt dies in Palästina noch als grobe Provokation. Ein Besucher habe sich damals bitterlich beschwert, nachdem das „Das hohe Lied“ von Lovis Corinth in Tel Aviv ausgestellt wurde, schrieb Museumsleiter Schwarz in seinen Memoiren. Auf dem Bild war die blanke Brust einer Frau zu sehen. „Er forderte von mir, diese „Vulgarität“ zu entfernen, weil sie gegen den guten Geschmack verstoße und unsere Jugend korrumpiere.“

Die Galerie, deren Bau etwa eine Million Dollar gekostet hat, wurde mit Spenden der „deutschen Freunde des Museums Tel Aviv“ finanziert. Zu einer Einweihungsfeier am Montag wird auch Wolfgang Heubisch erwartet, der bayerische Staatsminister für Kunst, Wissenschaft und Forschung. Samy Gleitman, einer der deutschen Freunde, sieht die Galerie als einen Ort, an dem sich „deutsch-israelische Freundschaft manifestiert“.

Seine Organisation setze sich gemeinsam mit dem Museum auch für Friedensprojekte ein. „Wir bringen Kinder über Kunst zusammen“, sagt er. „Die gemeinsame Gestaltung kann eine Brücke zwischen jüdischen und arabischen Kindern in Israel schlagen.“

dpa

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