Bunker an Bord

Neue Kunst in alten Gärten

Hannover - Am Wochenende beginnt in den Gutsgärten in Lenthe die Ausstellung „Neue Kunst in alten Gärten“.

Wundersames ist im Grünen zu finden: Ein blaues Schwein hängt am orangefarbenen Seil, aufgedunsene, bleiche Gestalten treiben im Graben, ein verzerrtes gelbes Auto hat sich anmutig um eine Eiche gewunden, und nebenan ruht auf der gepflegten Rasenfläche ein gigantisches graues Menschenherz. Bei Regen und Nebel könnte man sich die Gärten des Unter- und Oberguts Lenthe als Gruselorte vorstellen. Sind sie aber nicht. Das hier ist Kunst, keine Geisterbahn. Und bei Sonnenschein wirken die Werke freundlich und stellenweise sogar witzig.

Am Wochenende wird die fünfte Ausgabe der erfolgreichen Reihe „Neue Kunst in alten Gärten“ eröffnet. Spielort sind die privaten und sehr romantischen Gutsgärten in Lenthe, knapp zehn Kilometer vom Stadtzentrum Hannovers entfernt. Die Kuratoren Hannes Malte Mahler und Hartmut Stielow haben 14 Künstler zu Interventionen im Gartenreich eingeladen. Rolf Bier, Emil Cimiotti und Timm Ulrichs sind dabei, Größen der niedersächsischen Kunstszene also; aber auch jüngere Künstler wie Philipp Morlock, Désirée Olescher und Stefan Roigk präsentieren Werke im Grünen.

Zu den auffälligsten Skulpturen im Gartenreich gehören ein Ruderboot, das einen Betonbunker trägt (Philipp Morlock), ein gigantisches Menschenherz aus Aluminium (Paolo Grassino) sowie ein Auto und ein Motorrad, die sich merkwürdig verformt um Baum und Gartenleuchte winden (Stefan Rohrer).

Das sind sehr poetische, schön irritierende Arbeiten, in denen die Zeit ganz anders verläuft als wir es kennen. Wer beim Wandern im Garten auf sie trifft, wird an Trauriges wie die Endlichkeit denken müssen. Auch eine Totenmaske in einem Graben (Emil Cimiotti), Vogelgestalten, die an Ridley Scotts „Alien“ erinnern (Stefan Roigk), Wasserleichen, die im Graben dümpeln (Petra Förster), verleihen der Schau etwas recht Morbides - was aber passend ist, denn der Untertitel zeigt, worum es geht: „Glauben“. Und dafür ist der Gedanke an das Ende des Lebens ja nicht ganz unwichtig.

Leichtes, Federndes, Spielerisches ist aber auch zu finden: Andrea von Lüdinghausen hat ein Drahtseil zwischen Bäume gespannt, auf dem ein Gebilde schwingt, das wie eine gigantische Haarverlängerung aussieht. Und Rolf Bier hat in den Gärten einige Ausgrabungsorte inszeniert. Was findet der Archäologe, wenn er nur ein bisschen gräbt? Murmeln, viele bunte Glasmurmeln. Die Welt ist ein Spielplatz.

Und zwar ein sehr schöner.

Am Sonntag, 2. September, wird die Ausstellung um 11 Uhr auf dem Untergut Lenthe eröffnet. Bis 7. Oktober sind die Gärten sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen jeweils um 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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