Für 150.000 Euro

Ein neuer Konzertsaal für die Oper

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Problemzonen beseitigen: Michael Klügl (r.) und Vladimir Szynajowski.

Hannover - Zum Eröffnungskonzert der kommenden Saison im September 2015 soll sich das Niedersächsische Staatsorchester in neuem Rahmen präsentieren - und Hannover auf diese Weise einen rundum erneuerten Konzertsaal bekommen.

Es klingt bescheiden. Doch ein Konzertzimmer ist mehr als eine etwas größere Übezelle. Man nennt so vielmehr die Ausstattung, in der ein Orchester auf der Bühne eines Opernhauses spielt - das Bühnenbild für ein Konzert sozusagen. Das Konzertzimmer verwandelt eine Oper in eine Philharmonie. An der Staatsoper Hannover plant man seit Längerem, hier eine neue Ausstattung anzuschaffen. Nun sind die Planungen abgeschlossen.

Zum Eröffnungskonzert der kommenden Saison im September 2015 soll sich das Niedersächsische Staatsorchester in neuem Rahmen präsentieren - und Hannover auf diese Weise einen rundum erneuerten Konzertsaal bekommen.

„Unser Konzertzimmer ist schon mehr als 30 Jahre alt“, sagt Staatsopernintendant Michael Klügl, „es ist fragil geworden und macht beim Auf- und Abbau immer mehr Probleme.“ Vor allem aber entsprechen die akustischen Möglichkeiten der Konstruktion nicht mehr heutigen Anforderungen.

Tatsächlich mag sich manches Orchestermitglied bei Konzerten in Zeiten des Kalten Krieges versetzt sehen: Ein Teil der Musiker sitzt derzeit vor dem Eisernen Vorhang auf dem Boden des hochgefahrenen Orchestergrabens, die anderen spielen dahinter auf der eigentlichen Bühne. „Für die Musiker ist das eine schwierige Situation“, sagt Klügl.

Ein Pauker beispielsweise, der seinen Platz ganz hinten hat, kann sich wegen der Entfernungen kaum auf das verlassen, was er von seinen Kollegen hört. Er muss vielmehr nach dem Taktschlag des Dirigenten spielen und darauf vertrauen, dass sich alles im Zuschauerraum schon zusammenfügen wird. Das funktioniert derzeit allerdings auch nicht optimal. Zwar klingt das Orchester nicht gerade falsch - aber Klügl hat doch „Problemzonen“ im Saal ausgemacht, in denen der Hörgenuss bei Konzerten deutlich getrübt ist.

Das neue Konzertzimmer wird daher wesentlich von dem Akustiker Vladimir Szynajowski konzipiert, der auch schon den Probensaal in der Bultstraße entworfen hat. Sein Entwurf sieht vor, das Orchester komplett hinter dem Bühnenportal mit dem Eisernen Vorhang zu versammeln. Vor der Bühne, über dem Orchestergraben, entstehen so rund 60 neue Sitzplätze für das Publikum. „Der Klang wird viel kompakter nach draußen dringen“, verspricht Klügl.

Rund 150.000 Euro wird das Konzertzimmer kosten, das wohl zum überwiegend in den Werkstätten des Theaters gebaut wird. Einen Teil der Summe hat Klügl längst parat: Schon seit Jahren wartet eine Spende von 25.000 Euro genau auf diese Verwendung. Den Rest hofft der Intendant von Sponsoren einzuwerben - und auch von privaten Geldgebern. Unter dem Motto „Werden Sie Klangpate“ wirbt die Staatsoper auf Flyern um potenzielle Spender. Schirmherr der Projektes ist der hannoversche Dirigent Marc Albrecht.

Die Musiker selbst wollen tatkräftig dazu beitragen, die erforderliche Summe zusammenzubekommen. „In diesem Punkt sind wir durchaus käuflich“, kündigt Klügl an. Es ist also ab sofort möglich, sich ein Streichquartett, ein Horntrio oder eine andere Besetzung für den guten Zweck privat zu buchen. Interessenten können sich an das Orchesterbüro (orchesterbuero@staatstheater-hannover.de oder Telefon 05 11 99 99 10 31) wenden. Allerdings sollte man sich dabei beeilen: Spätestens beim Eröffnungskonzert im Herbst dürfte diese besondere Gelegenheit vorbei sein.

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