„Endlich Freizeit“

Paul Panzer in ausverkaufter AWD-Hall

- Paul Panzer ist am Sonntag in der ausverkauften AWD-Hall in Hannover aufgetreten und hat die 4000 Zuschauer mit seinem Programm „Endlich Freizeit“ zum Lachen gebracht.

Das Telefon fehlt. Keiner murmelt „Panzer, ich begrüße Sie“ in die Sprechmuschel oder „Es geht sich um Folgendes“, wie es Radiohörer von seinen Scherzanrufen kennen. Im Universum von Paul Panzer steht diesmal ein beleuchteter Wohnwagen mit Anhänger, alles Attrappe, und davor ein Stuhl mit knallrotem Kunstledersitz. Der ist echt, aber Panzer benötigt ihn selten, so aufgedreht wie er über die Bühne der ausverkauften AWD-Hall in Hannover rennt.

Dabei sollte „Endlich Freizeit“ sein, das hatte das Programm jedenfalls versprochen – und am Ende bleibt doch nur der Seufzer „Was für’n Stress!“ Davon hat Panzer alias Dieter Tappert, wie der 39-jährige Comedian aus Köln eigentlich heißt, überreichlich. Stress mit seiner Ehefrau Hilde, seinem adipösen Sohn Bolle und beim Kauf von Biogemütze.

Es geht um Gemüse, natürlich, aber die 4000 Zuschauer in Hannover kennen den Panzer’schen Sprachfehler: Er spricht das „s“ wie ein „tz“ aus und trennt Silben gern mal völlig falsch – es ist sein Markenzeichen wie die Hornbrille, das Blümchenhemd und die erstaunliche Naivität. Aber wie sonst könnte man so unverblümt auf das Leben schauen?

Panzer kreist mit irrsinnigen Verdrehungen ums Alltägliche. Um den Mann-Frau-Konflikt („Männer mit den schlimmsten Frauen haben die zeitaufwendigsten Hobbys“) wie um den Ostseeurlaub. Panzer flüchtet sich ins „Fitnetsstudio zu den Botsibuildern“ und lästert launig über Nordic-Walker: „Früher waren die vom Grünflächenamt und haben Papier aufgesammelt.“ Er geht im Wellness-Wochenende auf Tauchstation und philosophiert über seine Lieblingskindersendung: „Wenn du heute Flipper willst, kauf’ drei Dosen Thunfisch.“

Nein, die Figur Paul Panzer, die seit Januar auch in der RTL-Sendung „Stars bei der Arbeit“ zu sehen ist, ist kein Denker. Panzer kommt als prahlerischer Prolet mit Plosivlauten daher, ein bisschen frauenfeindlich und alles andere als politisch korrekt. Trotzdem gibt er gern den gefühlsduseligen Familienmenschen. Tappert überzeichnet diese Figur mit all ihren Sprachfehlern und Schrullen so dermaßen, dass die Dramatik des Alltags urkomisch gerät – und Panzer trotz allem sympathisch.

Einer, über den sich sein Publikum ausschüttet vor Lachen. Auch Hannover hatte Spatz.

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