Sprengel-Museum präsentiert:

Picasso für Kinder

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Foto: Bilderspieler: Museumschef Reinhard Spielerund Kuratorin Gabriele Sand in der neuen Installation des Sprengel-Museums, Picassos „Le coq et la chatte“ (1953, links) und El Lissitzkys „Proun R.V.N.“ (1923, rechts).

Hannover - Picassos Katze spatziert in Noldes Garten. Die architektonische Botschaft ist klar: Hier stellen sich mal die Großen auf die Kleinen ein. Erstmals entwirft das Sprengel-Museum eine Rauminstallation und „Bilderspiele“ für junge Besucher, um die Fantasien der kleinen Träumer zu beflügeln.

Achtung!“, steht über dem niedrigen Türsturz - doch wer kleiner als 1,30 ist, kann getrost aufrechten Ganges hindurchspazieren. Die architektonische Botschaft ist klar: Hier stellen sich mal die Großen auf die Kleinen ein. Und das gilt nicht nur für den Eingang, sondern auch für das Innere von „Bilderspiele: Picassos Katze geht in Noldes Garten“. Denn dabei handelt es sich nicht um eine neue Ausstellung des Sprengel-Museums, sondern um eine neue Rauminstallation, die jungen Besuchern erstmals Wege zu einem ganzen Querschnitt von Werken aus der opulenten Sammlung des Hauses bahnt.

Was wäre, wenn die Katze Picassos Bild „Le coq et la chatte“ (1953) verlassen und durchs Museum flanieren könnte? Sie würde Marc Chagalls Ziege und Franz Marcs Pferde sehen. Und vielleicht in einem der vielen Gartenbilder von Emil Nolde verschwinden, etwa in „Blumen und Wolken“ (1933). Von dieser Fantasie ist Gabriele Sand, die Bildungskuratorin des Hauses, ausgegangen. Um die Fantasien junger Museumsgäste entsprechend zu beflügeln, stellt sie in „Bilderspiele“ Ausschnitte von diesen und vielen anderen Bildern auf Magnettafeln bereit, die sich an Metallflächen in der Rauminstallation zu immer neuen Geschichten kombinieren lassen - darunter auch Magnettafelausschnitte aus Werken von Dali, Delvaux und Dix, von Jawlensky und Macke, von Kurt Schwitters und El Lissitzky.

Die Namen lassen es ahnen: Wer an die großenteils auf Bernhard Sprengel zurückgehende Sammlung heranführen will, darf sich nicht aufs Figürliche beschränken. Außer einer grünen Magnetwand für figurative Bildausschnitte gibt es daher eine rote Magnetwand, auf der sich Dreiecke, Quadrate und Rechtecke kombinieren lassen. Zur Silhouette eines Hauses oder eines Gesichts. Oder einfach zu abstrakten Formen. Wenn noch ein Kreis dabei wäre, reichte es fast zu El Lissitzkys „Proun R.V.N.“ (1923). Aber für einen Nachbau von Mondrian-Kästchen ist allemal genug da. Wer einfach nur eine Vorlage rekonstruieren will, kann sich „Merzbild Einunddreissig“ (1920) als Puzzle vornehmen - keine ganz einfache Aufgabe bei dieser Collage aus Öl, Papier, Holz, Metall, Stoff und Watte. Und wer vom Puzzeln genug hat, kann sich auf einer Hörinsel daran erinnern lassen, dass Kurt Schwitters nicht nur Maler und Grafiker, sondern auch Dichter war. Seine „Märchen vom Paradies“ sind da zu hören, in einer Einspielung der Schauspielstudierenden Sandra Belzer, Alex Friedland und Robert Zimmermann von der Musikhochschule Hannover.

Besonders spannend aber dürfte es - für Besucher wie fürs Aufsichtspersonal - sein, dass diese von der Nord/LB-Kulturstiftung geförderte Installation mit guten Gründen im Untergeschoss des Museums eingerichtet wurde. Hier stehen schon andere Rauminstallationen, der „Merzbau“ und das „Kabinett der Abstrakten“, die auf Schwitters und Lissitzky zurückgehen. Vor allem aber sind hier eben jene Klassiker der Moderne untergebracht, die den Kern der Sammlung bilden. Wer also statt der Magnettafelausschnitte die Originalwerke sehen will, muss nur unterm Türsturz hervortreten - und kann sich Inspirationen für eigene Puzzles oder Zeichnungen hohen. Schließlich ist der Katalog zur Installation als „Mitmachbuch“ gestaltet, dem man mit Stift und Schere zu Leibe rücken kann.

Hat der Museumschef da keine Sorge, dass solche Instrumente auch außerhalb der Kinderinstallation zum Einsatz kommen? „Ich glaube, die ist eher ein Schutz davor - weil man darin seine kreativen Kräfte viel besser entfalten kann“, sagt Reinhard Spieler hoffnungsfroh. Und wie kommt es eigentlich, dass junge Museumsbesucher erst jetzt derart kindgerecht an einen Querschnitt aus der Sammlung herangeführt werden? Zu Schwitters oder Niki de Saint Phalle gab es schon öfters Kinderausstellungen, räumt Gabriele Sand ein. „Aber so an die Highlights aus der Sammlung heranzuführen - das ist wohl tatsächlich ein Novum.“

Hoffentlich wird eine Installation wie diese auch nach der baubedingten Schließung des Hauses im November wieder Kinder zu Bilderspielen einladen.

„Bilderspiele. Picassos Katze geht in Noldes Garten“. Bis 1. November. Eröffnung am Sonntag, 11.15 Uhr, mit einer Schwitters-Lesung aus dessen „Märchen vom Paradies“ im Sprengel Museum, Kurt-Schwitters-Platz.

Von Daniel Alexander Schacht

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