Ein 007 für jedes Jahrzehnt

Psychologe: James Bond ist eine perfekte Zeitgeist-Beobachtung

Hildesheim - Ein Erfolgsgeheimnis von James Bond ist, dass die Agentenfilme seit 50 Jahren das Lebensgefühl ihrer Zeit widerspiegeln. „Es gibt kein anderes Kinoformat mit einer so sorgfältigen Zeitgeist-Beobachtung“, sagt der Hildesheimer Psychologieprofessor Werner Greve.

Gerade weil die Handlung aller Filme sich ähnele, lohne es sich, die Aspekte zu betrachten, die unterschiedlich sind. Greve beschäftigt sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit den Bond-Filmen und hat jetzt das Buch „James Bond 007. Agent des Zeitgeistes“ herausgebracht.

„Mir gefällt, mit wie viel Gespür das Produktionsteam stets jemanden findet, der in die Dekade passt“, sagte Greve über die Titelhelden im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Daniel Craig sei in Bezug auf die Moral eine Rückkehr zum ursprünglichen James Bond der Romane von Ian Fleming. „Er ist nicht jemand, der Tausende tötet, aber wenige und das in vollem Bewusstsein und mit voller Absicht.“ Heute wären die Typen Sean Connery, Roger Moore oder Pierce Brosnan nicht mehr passend. „Daniel Craig mit dem eiskalten Gesicht, der dennoch dünnhäutig ist, wäre dagegen vor 30 Jahren nicht angekommen.“

Die Zerrissenheit des aktuellen Bonds passt nach Greves Beobachtung perfekt in dieses Jahrzehnt. „Einerseits wollen wir jemanden haben, der die Nerven hat, Bin Laden zu exekutieren, da wollen wir auch nicht, dass der dabei Gewissensbisse hat. Ich rede nicht von Ihnen und mir, sondern von einem Zeitgefühl. Andererseits wollen wir nicht, dass staatliche Angestellte Killer-Maschinen sind.“ Auch die politische Verortung des Bösewichts folge dem Zeitgeist millimetergenau.

In dieser Woche startet „Skyfall“, der dritte Bond-Streifen mit Daniel Craig, in den deutschen Kinos. Die größte Gefahr sind darin nicht mehr Waffen, sondern Computer-Hacker.

Die Frauenfiguren in den Bond-Filmen sind Greve zufolge ein Gradmesser für die Gleichberechtigung. So habe es nach den starken Frauen der 70er Jahre eine Retrobewegung in den 80ern gegeben, sagte der Psychologe. „Richtig angekommen ist die Emanzipation erst in den 90ern, als Bond mit Judi Dench in der Rolle von „M“ eine weibliche Chefin bekam.“

Werner Greve: „James Bond 007 – Agent des Zeitgeistes“, 2012, 191 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-525-40439-3

dpa

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